Hildesheim - Rückschlag für die Hildesheimer Arneken Galerie: Der Spielzeug-Anbieter Spiele Max gibt offenbar seine Filiale im Untergeschoss des Einkaufszentrums auf. „Wir schließen“ und „Alles muss raus“ steht jedenfalls auf mehreren großen Plakaten im Schaufenster der rund 1000 Quadratmeter umfassenden Verkaufsräume.
Antrag schon Ende 2020
Arneken-Centermanager Holger Höfner hatte zwar zumindest am Montag offiziell noch nichts von den Absichten der Kette erfahren und betonte, es laufe zum Beispiel nicht etwa der Mietvertrag aus. Doch Spiele Max ist seit Jahren in Schieflage – und Hildesheim wäre längst nicht die erste Filiale, die das Unternehmen in jüngster Zeit aufgibt. Wobei die Firmenspitze inzwischen allem Anschein nach ohnehin nicht mehr selbst Herr des Verfahrens ist.
Bereits Ende 2020 stellte die zeitweise rund 50 Filialen starke Kette einen Insolvenzantrag beim zuständigen Amtsgericht Berlin-Charlottenburg. Spiele Max beantragte dort ein sogenanntes Schutzschirmverfahren, in dem das Unternehmen zwar die Schutzmechanismen eines Insolvenzverfahrens genießt, seine Sanierung aber mit Hilfe von externen Experten selbst organisiert.
Zunächst in Eigenverwaltung
Diesen Weg wählte unter anderem auch Galeria Karstadt Kaufhof im vergangenen Jahr. Die Insolvenzgerichte stimmen dieser Variante in der Regel nur zu, wenn sie zuversichtlich sind, dass dem Unternehmen die Sanierung gelingt, wenn es unter anderem durch das Insolvenzgeld – Löhne und Gehälter für maximal drei Monate – von Zahlungen an die Belegschaft entlastet wird. Wesentliche Bedingung zudem: Zum Zeitpunkt des Antrags dürfen Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung zwar drohen, aber noch nicht eingetreten sein.
Im Mai 2021 eröffnete das Amtsgericht dann das eigentliche Insolvenzverfahren über Spiele Max – und zwar in Eigenverwaltung. Das war sozusagen die Fortsetzung des Schutzschirms: Das Unternehmen bekam zwar einen Sachwalter an die Seite gestellt, die Geschäftsführung behielt aber ihre Entscheidungsbefugnisse. Anders als im regulären Insolvenzverfahren, wo alle Macht beim Insolvenzverwalter liegt und die Firmenspitze bestenfalls mitarbeiten darf.
Jetzt mit richtigem Insolvenzverwalter
Den Bekanntmachungen des Amtsgerichts Charlottenburg zufolge bemühte sich Spiele Max danach rund zwei Jahre lang um die Sanierung in Eigenverwaltung. In dieser Phase wurden mehrere Filialen in Deutschland geschlossen. In dem Markt in der Hildesheimer Arneken Galerie lichtete sich das Sortiment zwischenzeitlich auch, zu einer Geschäftsaufgabe kam es aber zunächst nicht.
Anfang Juni dieses Jahres zog das Amtsgericht Charlottenburg allerdings offenkundig die Reißleine. Die Anordnung der Eigenverwaltung wurde zurückgenommen und stattdessen der Rechtsanwalt Prof. Torsten Martini von der Kanzlei Görg, der zuvor schon als Sachwalter die Geschäftsführung unterstützt hatte, als regulärer Insolvenzverwalter eingesetzt. Martini ließ eine HAZ-Anfrage zu den Hintergründen dieser Entwicklung und zur Situation der Hildesheimer Filiale zunächst unbeantwortet, auch das Unternehmen äußerte sich bislang nicht.
Spiele Max hatte sein Geschäft in der Arneken Galerie am 1. August 2012 eröffnet.
