Preisschock

Großprojekt des Landkreises Hildesheim wird wohl fast 10 Millionen Euro teurer

Kreis Hildesheim - Ein geplantes Bauprojekt des Landkreises Hildesheim wird nach aktuellem Stand wohl 9,4 Millionen Euro und damit weit mehr als ein Viertel teurer als zunächst geplant: Darum geht es.

Die Baupreise sind gestiegen, das zeigt im Landkreis Hildesheim gerade Auswirkungen. Foto: HAZ-Archiv

Kreis Hildesheim - Die gestiegenen Baupreise schlagen bei der Planung eines Großprojektes voll durch: Der Landkreis Hildesheim rechnet damit, dass der beschlossene Neubau des Gymnasiums Sarstedt voraussichtlich um 9,4 Millionen Euro teurer wird. Damit würde der Bau knapp 44 Millionen statt der bisher kalkulierten 34,5 Millionen Euro kosten.

Kreis kauft das fertige Gymnasium

Die Ausgaben würden in den Jahren 2024 und 2025 anfallen – bis dahin können sich die Preise in der Baubranche noch in beiden Richtungen entwickeln, sie können wieder fallen oder sogar noch weiter in die Höhe klettern. Aktuell geht es zunächst einmal um eine sogenannte Verpflichtungsermächtigung in einem Nachtragshaushalt für dieses Jahr – also um eine Ermächtigung, das Geld in den kommenden Jahren auszugeben und bei Bedarf als Kredit aufzunehmen. Die muss jetzt schon vorliegen, weil der Kreis nur dann im Mai 2022 – so die Terminplanung – den Auftrag an einen Generalunternehmer vergeben kann, der dann Planung, Bau und Finanzierung übernehmen soll. Der Landkreis will das fertige neue Gymnasium dann von dem Unternehmer kaufen.

Neben gestiegenen Angebotspreisen liegt die erhebliche Kostensteigerung allerdings auch daran, dass noch Ausgaben für die Aufstellung des Bebauungsplanes, den Kauf von Ausgleichsflächen sowie Berater und Gutachter dazugerechnet werden mussten.

Zwei Ausschüsse vertagen das Thema

Zwei Fachausschüsse haben eine Entscheidung über die Angelegenheit am Montagabend vertagt: Der Finanzausschuss und der Ausschuss für Bau und Kreisentwicklung verwiesen das Thema in einer gemeinsamen Sitzung zur Beratung in die einzelnen Fraktionen.

Finanz-Dezernent Klaus Rosemann gab zu bedenken, dass das Niedersächsische Innenministerium schon Bedenken geäußert habe: Die Kredite für geplante Investitionen würden in den kommenden Jahren zu sehr steigen, nämlich von derzeit 152 Millionen auf mehr als 220 Millionen Euro. Es gelte daher, mehr Disziplin bei den Ausgaben an den Tag zu legen und alle geplanten Projekte noch einmal eingehend zu prüfen – und damit mehrere mögliche Alternativen: einzelne Projekte auf das Notwendigste zu beschränken und dadurch Kosten zu reduzieren, sie zeitlich in Folgejahre zu verschieben oder – die extremste Konsequenz – ganz zu streichen. Was von diesen Möglichkeiten beim Gymnasium Sarstedt infrage kommt, werden nun die Fraktionen beraten. In der Vergangenheit hatte es lange Diskussionen gegeben, ob ein Umbau oder ein Neubau sinnvoller wäre – und der Landkreis hatte sich schließlich für die Neubau-Option entschieden. Denn eine Sanierung wäre wahrscheinlich nicht günstiger, wie erste Kostenschätzungen ergeben haben. Es könnte sogar sein, dass sie teurer werden würde als ein Neubau.

Finanzen insgesamt unerwartet positiv

Immerhin: Insgesamt entwickeln sich die Finanzen des Landkreises Hildesheim gerade unerwartet positiv. Die Haushaltsplanung für 2021 war mit einem Defizit von 16 Millionen Euro gestartet. Nun deutet sich laut Rosemann an, dass der Etat bei der Schlussabrechnung sogar noch ausgeglichen werden könnte, trotz Corona. Es hat einige Veränderungen bei den Einnahmen und Ausgaben gegeben – und zwar unter dem Strich mehr Verbesserungen als Verschlechterungen, wie Rosemann den beiden Fachausschüssen erläuterte.

Die empfahlen außerdem einstimmig, in den Haushalt des laufenden Jahres noch 315 000 Euro aufzunehmen, die für die Bekämpfung der Corona-Pandemie ausgegeben werden müssen, aber bisher noch nicht im Etat veranschlagt waren. Dabei geht es unter anderem um 31 befristete Stellen für sogenannte Containment-Scouts, die im Gesundheitsamt bei der Nachverfolgung von Infektionsketten helfen.

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