Kreis Hildesheim - Seine Devise lautet: „Helfen ist für mich selbstverständlich“. Darum ging er schon mit 14 zum THW in Hildesheim. Karl-Heinz „Kalle“ Mädel ist vor Kurzem 80 Jahre alt geworden, seit 1959 engagiert er sich im THW. Er war jahrelang im internationalen Einsatz für tausende Menschen, dafür bekam er 2009 das Bundesverdienstkreuz. Beim Oder-Hochwasser in Polen etwa war er 1997 gefordert, Überschwemmungen hierzulande haben ihn neben vielen anderen Missionen ebenfalls in Atem gehalten. Im HAZ-Gespräch blickt der frühere THW-Ortsbeauftragte auf alte und neue Herausforderungen und nimmt kein Blatt vor den Mund.
Hochwasser kann der Region Hildesheim durchaus erneut drohen. Haben Sie Angst davor?
Respekt. Angst nicht. Aber Respekt. Man weiß ja nie, wie gefährlich das Wasser wird. Und denkt nach, fragt sich: Bist du jetzt soweit, dass du eingreifen musst? Wenn die Stadt oder der Kreis ruft: Das THW muss jetzt her.
Man muss sich immer bereit halten?
Eigentlich ist man stets bereit. Aufgrund der Erfahrung sind die Gedanken immer beim Hochwasser.
Was fehlt an Schutzmaßnahmen in der Region?
Es ist das, worüber jetzt alle sprechen. Mauerwerk oder Deiche erhöhen – darüber wird seit Jahren geredet, aber es ist im Prinzip eben nichts passiert. Das ist es, was nicht nur uns als Helfer, sondern auch die Bürger stark mitnimmt. Die nicht wissen, was jetzt kommt, sich fragen: Passiert mal etwas? Unternimmt der Bund oder die Gemeinde was, dass Gebäude geschützt werden?
Es müssen also mehr Deiche und weitere Anlagen gebaut werden?
Man muss an den bekannten Gefahrpunkten handeln, manchmal ist es der Deich, der zu niedrig ist. Manchmal ein Durchlass, der zu klein ist, wo das Wasser anstaut. Dann nutzt der ganze Durchlass nichts. Es darf auch nicht sein, dass es Schlammlawinen gibt, weil das Wasser nicht sicher abgeführt wird.
2007 gab es das erste massive Hochwasser der vergangenen 17 Jahre. Ist der Schutz vor Überschwemmungen jahrelang vernachlässigt worden?
Vernachlässigt würde ich jetzt nicht sagen. Aber er ist nicht so ernstgenommen worden, wie es hätte sein müssen. Die Gefahr war bekannt. Aber man hat das immer vor sich hergeschoben, wie der Mensch eben so ist. Und sagt: Heute haben wir nicht das Geld, das können wir nächste Woche oder nächstes Jahr auch machen.
Hat das THW für die Zukunft genug Zuwachs, um solche Ereignisse bewältigen zu können?
Beim THW sind wir hier im Ortsverband zufrieden. Die Werbung und Mundpropaganda hilft uns. Und es kann auch passieren, dass der ein oder andere von sich aus hier her kommt und freiwillig mitmachen will.
Sie sind jetzt 80 Jahre alt und haben die Anfänge beim THW erlebt – was hat sich bei den Einsätzen geändert?
Die Taktik und die Technik als solche. Früher hatten wir nur Schaufel und Spaten und sind damit nach Holland zu einem Einsatz gefahren. Heute ist im Auto alles an Ausrüstung dabei. Der Staat hat für die Technik beim THW investiert. Vor allem in den letzten Jahren ist beim THW viel passiert. Das muss man sagen.
Was ist denn passiert?
Von Fahrzeugen über Geräte und Schutzbekleidung – in den Bereichen wurden wir aus- oder nachgerüstet. Ich kann sagen: aufgeforstet. Alles, was gefehlt hat, ist in den letzten fünf bis acht Jahren jetzt gekommen. Etwa moderne Geräte, statt 40 Jahre alten Dingern wie aus dem Museum. Die Technik hat sich gewaltig geändert.
Was war der härteste Einsatz für Sie in all den Jahren?
Wenn wir vom Hochwasser sprechen, dann war das in Polen. Das war gewaltig. In Breslau, wo ich 1997 die Chemie für die Wasserbereitungsanlagen hingebracht habe. Das THW musste aus Schmutz- Trinkwasser machen, das in der Stadt und Umgebung verteilt wurde.
Sie unterstützen das THW auch im hohen Alter immer noch – und wie?
Durch meinen Rat bei Fragen. Bei Ausbildungsdiensten etwa. Und bei Sprengungen fahre ich ab und zu mit. Wenn zum Beispiel im Forst Bäume am Hang stehen und Waldarbeiter ein Risiko sehen, wenn sie die Bäume mit Motorsägen fällen müssen. Dann helfen wir mit einer Sprengung, sodass das Risiko, beim Fällen erschlagen zu werden, nicht gegeben ist. Bei solchen Aktionen hilft man sich beim THW untereinander – und sagt: Ich würde das jetzt so oder so machen.
Wer eignet sich als THW-Helfer oder -Helferin?
Jeder, der sich zutraut, mit dem Hammer, mit der Schaufel oder einem anderen Arbeitsgerät umzugehen und um das richtig zu können, lernt er das beim THW.
Und was muss man als Mensch mitbringen?
Kameradschaft. Das Einfügen in eine Gruppe, um miteinander zu arbeiten. Er muss den Zusammenhalt wollen, einfach teamfähig sein, dazu viel Vitamin E für Ehrenamt in sich haben.
Was geben Sie als Veteran dem Hildesheimer THW auf den Weg?
Durchhalten und noch besser im Einsatz werden. Aber man kann grundsätzlich stolz auf die jungen Leute hier sein, die freiwillig zu uns kommen. Sie müssen gar nicht mehr wie früher verpflichtet werden.
