Kolumne Gefundenes Fressen

„Hallo hallo, hier ist Hildesheim! Wer ist denn da?“

Hildesheim - Erstaunlich, was den französischen Ort Murbach berühmt gemacht hat: eine alte Telefonzelle. Da rufen Leute aus aller Welt an, nur so, weil sie es cool finden, in einer Telefonzelle anzurufen. In Hildesheim haben wir bestimmt auch noch eine – oder?

Die Kolumne Gefundenes Fressen erscheint jeden Montag in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Foto: HAZ

Hildesheim - Haben wir in Hildesheim noch irgendwo eine Telefonzelle rumstehen? Eine echte, alte? Wenn ja, sollten wir das Ding unbedingt herrichten und groß rausbringen.

In Frankreich hat im vergangenen Jahr so ’ne olle Telefonzelle den Ort Murbach ruckzuck in die landesweiten Schlagzeilen und auch sonst ganz nach vorn gebracht. Nachdem der Betreiber bestätigte, dass es sich um die letzte noch funktionierende Kabine in Frankreich handele und anschließend das Magazin „Paris Match“ über die Telefonzelle berichtete, klingelt es laufend in der Kabine mit der Seriennummer 468. Leute aus aller Welt rufen an, und wer gerade vorbeilatscht, ob Tourist oder Einheimischer, hebt ab.

Man ahnt ja gar nicht, auf was die Leute alles scharf sind

Ja, manche reisen extra nach Murbach, damit sie einmal im Leben einen Anruf in einer Telefonzelle entgegennehmen können. Man ahnt ja gar nicht, auf was Leute alles scharf sind, aber bittesehr, warum nicht. Hätten wir so eine Telefonzelle, könnten wir mit Menschen aus Rio de Janeiro oder Tauranga plaudern, die würden uns bestimmt alle anrufen. „Hey“, würden wir sagen, „wie isses denn so drüben in Tauranga?“ – „Oh prima“, würde der Anrufer sagen, „und bei euch in Hildesheim?“ – „Auch sehr prima, kommt doch mal rum, wenn ihr grad in der Nähe seid.“ – „Oki, bis bald.“ – „Alles klar.“ Und schon kämen jedes Jahr Millionen Touristen, die uns sonst nie besucht hätten. Merke: Klingelt’s in der Zelle, klingelt’s in der Kasse. Und bloß keine Bedenken wegen der Sprache! Schließlich rufen die Leute ja uns an, nicht umgekehrt, folglich ist es ja wohl ihr Problem, wie sie sich verständlich machen. Wir gehen bloß ran, wenn’s bimmelt, wir sagen freundlich: „Ja, hallo?“

Und wenn sich das Geschäft lohnt, erweitern wir es. Zum Beispiel um das letzte Fernamt weltweit, und dann lassen wir uns mit Murbach verbinden – eine Sensation wird das!

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