Kolumne Zweitstimme

Hamun Hirbod, das „Adolf Hitler Haus“ und die Reaktionen der CDU: Die rote Linie ist überschritten

Hildesheim - Noch immer hält bei der CDU die Aufregung um die unsägliche PARTEI-Aktion an der Geschäftsstelle der Christdemokraten in Hildesheim an – doch nun ist eine rote Linie überschritten worden, schreibt HAZ-Redakteur Rainer Breda in seiner HAZ-Kolumne Zweitstimme.

HAZ-Redakteur Rainer Breda beschäftigt sich in seiner HAZ-Kolumne Zweitstimme mit dem politischen Geschehen in Stadt und Landkreis Hildesheim. Foto: Julia Moras HAZ-Archiv

Hildesheim - Inzwischen ist es knapp zwei Monate her, dass Hamun Hirbod mit anderen PARTEI-Mitgliedern die CDU-Geschäftsstelle in der Bahnhofsallee in „Adolf Hitler Haus“ umbenannt hat. Für den 40-Jährigen und dessen Mitstreiter war das Satire, um ihrer Empörung über das gemeinsame Abstimmen von CDU und AfD im Bundestag Luft zu machen. Viele Christdemokraten in der Region dagegen fanden die Aktion unerträglich. Und so wirkt diese noch immer nach: Im Rat sind die Fronten zwischen Hirbods Partnern in der rot-grünen Mehrheitsgruppe und der CDU verhärteter denn je; Entspannung ist nicht in Sicht, weil sich beide Lager hinter ihren Positionen verschanzt haben. Die CDU verlangt Konsequenzen für Hirbod, die dieser und dessen Partner genauso entschieden ablehnen. Bereits zweimal haben die Christdemokraten wegen des Vorfalls Sitzungen verlassen; sie wollen auch künftig dem von Hirbod geleiteten Ausschuss für Innere Angelegenheiten fernbleiben.

Wer so auftritt wie die CDU-Politikerin Mikulski jetzt im Kreistag, sollte zunächst über die eigene Eignung als Abgeordnete nachdenken

Vor kurzem hat das Thema den Kreistag erreicht. Man kann es nicht der CDU-Fraktion dort ankreiden, dass sich deren Vertreterin Annette Mikulski gegenüber Hirbod dermaßen daneben benahm, wie sie es tat. Doch wer wie die Drispenstedterin mit Blumentöpfen um sich wirft und missliebige (weil gegen die AfD gerichtete?) Bücher zerreißt, sollte erst einmal seine eigene Eignung als Abgeordnete überdenken, bevor er jene anderer in Frage stellt. Dass Mikulskis Fraktionskollege Andreas Koschorrek für deren Ausraster um Entschuldigung bat, beweist immerhin, dass es auch auf Seiten der CDU trotz der berechtigten Empörung über Hirbods Aktion noch Vertreter gibt, die den Menschen in dem PARTEI-Mann sehen. Es ist Zeit, dessen Kritiker erneut daran zu erinnern.

Hirbod hat für seine Grenzüberschreitung mit einer Art von Aufmerksamkeit bezahlt, auf die er wohl gern verzichtet hätte

Falls Hirbod sich an seinem unsäglichen Tun in der Nacht vom 6. auf dem 7. Februar berauscht haben sollte, müsste ihm dieses Hochgefühl längst vergangen sein. Wann stand eigentlich zuletzt ein ehrenamtlicher Politiker in der Region über Wochen so permanent im Zentrum öffentlicher Kritik, wie sie der 40-Jährige aushalten muss? Hirbod hat für seine Grenzüberschreitung mit einer Art von und Intensität an Aufmerksamkeit bezahlt, auf die er gewiss gern verzichtet hätte; er sollte seine Lektion gelernt haben. Und die CDU sollte wissen, wann Schluss sein muss. Mikulski hat mit ihrem skandalträchtigen Auftritt unfreiwillig gezeigt, dass die rote Linie überschritten ist. Wahre Stärke zeigt sich darin, zu verzeihen und aufeinander zuzugehen. Im Privatleben, im Beruf. Auch in der Politik.

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