Harsum wächst um 53 Quadratmeter – das reicht noch nicht mal für nen Strafraum

Titel: Luftfoto Luftbild Stadt Landkreis Hildesheim Beschreibung: Ist Harsum nicht schon groß genug? – Beim Blick aus der Luft sieht es so aus, doch die Gemarkung wächst weiter.
Ist Harsum nicht schon groß genug? – Beim Blick aus der Luft sieht es so aus, doch die Gemarkung wächst weiter.

Von Thomas Wedig

Harsum/Algermissen. Klammheimlich ist die Gemeinde Harsum um 53 Quadratmeter gewachsen. Ohne Krieg und ohne Gebietsreform. Aber natürlich auch nicht wirklich heimlich – der Rat hat die Expansion vor einigen Tagen einstimmig beschlossen. Was dabei bemerkenswert ist: Auch alle Ratsmitglieder aus Borsum stimmten dafür, fraktionsübergreifend. Und das ist durchaus revolutionär. Denn die Erweiterung bezieht sich auf die Gemarkung des Dorfes Harsum, das damit im Vergleich zur Borsumer Feldmark wächst. Bekanntlich streiten sich die Harsumer und Borsumer seit Jahrzehnten, wer den höchsten Kirchturm hat. Da dürfte den Borsumern jeder weitere Quadratmeter Acker in Harsum ein Dorn im Auge sein.

Die Ursache für den Gemeindezuwachs liegt quasi auf dem Grund des Bruchgrabens. Dort verlief nämlich bisher die Grenze zwischen den Gemarkungen. Bei einer Grenzbegehung, einem im Hildesheimer Land sehr beliebten Event, hätten die Mitbegeher also klitschnasse Füße bekommen. Das wurde nun im Rahmen der Flurbereinigung abgewendet. Die Gemarkungsgrenze verläuft nun an den Ufern des Bruchgrabens. Unter dem Strich hat sich das Gemeindegebiet sogar viel stärker verändert als nur um die erwähnten 53 Quadratmeter – 5754 Quadratmeter gingen von Harsum auf Algermissen über, 5807 Quadratmeter von Algermissen auf Harsum. Macht 53 Quadratmeter netto.

Während die Rivalen aus Borsum nur indirekt betroffen sind, geht diese Fläche Algermissen tatsächlich verloren – und das, wo Algermissen im Kreis Hildesheim flächenmäßig sowieso schon zu den kleineren Kommunen gehört. Bockenem ist zum Beispiel fast dreimal so groß.

Muss der Algermissener Bürgermeister Wolfgang Moegerle also heute Abend in seinem Gemeinderat mit Empörung und Ablehnung wegen des Schrumpfkurses rechnen? Wohl kaum, denn Moegerle ist ein Verhandlungsfuchs. Er kann ins Feld führen, dass Algermissen seinerseits den Nachbarn in Hohenhameln bei Bründeln sogar ganze 824 Quadratmeter abgeknöpft hat. Auch dort wurden kräftig Flure bereinigt.

Und das wird wiederum am Donnerstag den Rat der Gemeinde Hohenhameln beschäftigen. Doch dort hat sich Bürgermeister Lutz Erwig auch schon Argumente zurechtgelegt, wie er den Landverlust ohne Gesichtsverlust verkaufen kann. Er verweist darauf, dass Hohenhameln den Nachbarn in Algermissen schon einmal 734 Quadratmeter abluchste, als in Harber die Flurbereinigung tobte. Da schließt sich wieder der Kreis – und die Algermissener Auswüchse wirken schon gar nicht mehr so dramatisch.

Bleibt das Plus von 53 Quadratmetern in der Gemarkung von Harsum – und die Frage: Was kann Harsum damit anfangen? Für ein neues Fußballfeld reicht der Platz nicht. Noch nicht einmal für einen Strafraum, denn allein der verschlänge schon 665 Quadratmeter. Also werden auf dem verharsumerten Boden künftig wohl Rüben wachsen. Die bringen 1,5 Kilo Zucker pro Quadratmeter, bei 53 Quadratmeter also 79,5 Kilo Zucker. Wenn das kein Gewinn für die Gemeinde ist.

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