Generationenwechsel steht an

Harsumer will Gewerkschaftschef der Polizei werden – und kostenlose ÖPNV-Fahrten als Job-Anreiz anbieten

Kreis Hildesheim - Kevin Komolka aus Harsum hat als Einsatzführer in Hildesheim gearbeitet, jetzt kandidiert er für den Vorsitz der Gewerkschaft der Polizei – und hat Ideen, wie sich der Polizeiberuf attraktiver machen ließe.

Kevin Komolka ist bereits einer von vier Stellvertretern – jetzt will er selbst Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Niedersachsen werden. Foto: GdP

Kreis Hildesheim - Bei der größten Polizeigewerkschaft Niedersachsens (und Deutschlands), der GdP, kündigt sich ein Generationenwechsel an – und an die Spitze drängt der 33-jährige Kevin Komolka, der zuletzt bei der Polizeiinspektion Hildesheim eingesetzt war und in Harsum wohnt.

Als Vorsitzende würde Komolka für mehr als 15 000 Polizistinnen und Polizisten sprechen

Der Polizeihauptkommissar will Nachfolger von Dietmar Schilff werden, der in diesem Jahr 60 Jahre alt geworden ist nach elfeinhalb Jahren als GdP-Landesvorsitzender seinen Posten abgibt. Die Wahl Komolkas auf dem Delegiertentreffen in der kommenden Woche in Langenhagen gilt als sicher – er ist bereits einer der vier Stellvertreter Schilffs und bislang gibt es neben ihm niemanden, der eine eigene Kandidatur angekündigt hat. Die GdP hat unter den 25 000 Polizistinnen und Polizisten in Niedersachsen mehr als 15 000 Mitglieder.

Mit dem kernigen, zuweilen auch poltrigen Schilff, der in Braunschweig auch kommunalpolitisch für die SPD aktiv ist, tritt ein Gewerkschaftsmann vom alten Schlag ab. Während seiner Amtszeit ist die Zahl der Polizistinnen und Polizisten in Niedersachsen um 1600 gewachsen, dennoch macht sich Schilff um die Attraktivität seines Berufes im Bundesland Sorgen.

Eine Idee: Fahrten mit Bus und Bahn sollten grundsätzlich kostenfrei sein

Und auch Komolka macht sich Gedanken, wie sich weiterhin junge Menschen für diesen Job begeistern lassen. Der Polizeihauptkommissar und Kriminologe mit Masterabschluss schlägt die grundsätzlich kostenfreie Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs als zusätzlichen Anreiz für den Polizeiberuf vor. Wenn das Land bei künftigen Tarifsteigerungen die Gehälter nicht ausreichend anpassen könne oder wolle, sollte es über Alternativen und Ergänzungen nachdenken, bekräftigt Komolka im Gespräch mit der HAZ. Die Lösung, Polizistinnen und Polizisten nicht nur in Uniform grundsätzlich freie Fahrt in Bussen und Bahnen zu gewähren, könne gerade in den unteren Gehaltsstufen eine wichtige finanzielle Entlastung darstellen, ist der Harsumer überzeugt.

Was dem 33-Jährigen außerdem sehr wichtig ist: Er will dafür kämpfen, dass das Land die zahlreichen in die Jahre gekommenen Polizeigebäude auf Vordermann bringt. „Es ist mir völlig unverständlich, wie das Land es überhaupt soweit kommen lassen konnte, dass ein Sanierungsstau von 225 Millionen Euro entstanden ist. „Es ist doch irrwitzig, dass wir als Gewerkschaft überhaupt darauf hinweisen müssen, dass es nicht sein darf, dass es in Duschen schimmelt, in Gebäude reinregnet und Kolleginnen und Kollegen im Durchzug sitzen, weil die Fenster im Büro nicht richtig dicht sind“, sagt Komolka.

Fordern, nicht poltern: „Populismus hilft der Polizei nicht weiter“

Trotz des Ärgers und des Frusts, der sich mitunter aufbaut, will der 33-Jährige nicht laut auftreten – das sei nicht seine Art. Angesprochen auf den Stil des Bundesvorsitzenden der kleineren Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, der sich selbst oft mit stark zugespitzten Forderungen und Kommentaren in den Fokus rückt, sagt Komolka: „Populismus hilft der Polizei nicht weiter.“ Er verstehe sich als Gewerkschaftsmanager, der die GdP und damit die Polizei insgesamt stärker machen wolle – das funktioniere nur durch ein starkes Team, in dem sich der eine auf den anderen verlassen könne und alle ihr Wissen teilten. „Ich alleine kann nicht viel erreichen, aber das Gute ist: Ich habe 15 000 Beraterinnen und Berater.“

  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.