Kreis Hildesheim - Es wird künftig immer weniger Hausärzte im Hildesheimer Land geben – das ist ein Trend, der sich schon länger abzeichnet. Doch die Prognose einer aktuellen Studie der Robert Bosch Stiftung für die Region übertrifft alle bisherigen Befürchtungen: Bis zum Jahr 2035 wird die Hausarztdichte demnach im Landkreis Hildesheim vermutlich um 39 Prozent zurückgehen. Damit gehört Hildesheim in Niedersachsen zu den Landkreisen mit dem stärksten Praxenschwund. Das Kreisgebiet steuert auf eine Unterversorgung zu.
Osnabrück am stärksten betroffen
Noch stärker dürften nach den Erkenntnissen der Studie landesweit nur noch Osnabrück mit minus 43 Prozent, das Emsland (minus 43), Aurich (Minus 41), Cuxhaven und Leer (minus 40) von dem Ausdünnen der Versorgung betroffen sein. In der Region Hannover hält sich der erwartete Rückgang mit 12 Prozent in Grenzen, die werden zum Beispiel auch für Hildesheims Nachbarlandkreis Wolfenbüttel vorhergesagt.
Bundesweit werden im Jahr 2035 etwa 11 000 Hausärzte fehlen, hat das Berliner IGES Institut im Auftrag der Stiftung ausgerechnet. Das Institut erwartet, dass dann 40 Prozent aller Landkreise in Deutschland unterversorgt oder von Unterversorgung bedroht sein werden – und zwar besonders in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Sachsen. Die Folge: „Im Extremfall“, sagt IGES-Geschäftsführer Hans-Dieter Nolting, „müssen Patienten in unterversorgten Kreisen damit rechnen, in ihrem Umfeld keinen einzigen niedergelassenen Hausarzt zu haben.“
Regierung setzt auf neue Zentren
Die Bundesregierung will in einer Gegenstrategie vor allem auf regionale Gesundheitszentren setzen. Mehrere Pilotprojekte sind angelaufen – von 13 bisher geplanten „Patientenorientierten Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung“ (PORT) hat aber keines seinen Standort in Niedersachsen.
Dieselben Ziele und Prinzipien wie ein PORT-Zentrum verfolgt allerdings auch das Regionale Versorgungszentrum, das als eines von drei niedersächsischen Modellprojekten in Alfeld geplant ist – getragen von Alfeld, Elze, Delligsen, Freden, Lamspringe und Sibbesse im Rahmen der Region Leinebergland. Die gilt jetzt schon als unterversorgt, und die Situation wird sich noch verschärfen. Denn viele Hausärzte, die jetzt noch praktizieren, gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand. Und der Medizinernachwuchs steht nicht gerade Schlange, um allein eine Praxis auf dem Land zu übernehmen.
Das Versorgungszentrum soll ihnen Alternativen bieten: die Möglichkeit, als angestellte Ärztin oder angestellter Arzt zu arbeiten, auch in Teilzeit. Junge Ärzte wünschten sich außerdem eine stärkere multiprofessionelle Zusammenarbeit statt eines Einsatzes als Einzelkämpfer, schreibt die Robert Bosch Stiftung in einer Zusammenfassung der Studie. „Gleichzeitig verändert sich der Bedarf an medizinischer Versorgung und Unterstützung in der Bevölkerung“, heißt es darin. „Der demografische Wandel führt dazu, dass sich das Krankheitsspektrum verschiebt und es mehr ältere Menschen mit chronischen und Mehrfacherkrankungen geben wird.“
Die Region Leinebergland widmet sich schon länger dem Thema Hausarztversorgung und hat sie neben dem Tourismus und der Mobilität als einen ihrer Haupt-Schwerpunkte erklärt. Die beteiligten Kommunen unterstützen zum Beispiel interessierte Ärztinnen und Ärzte, die sich vorstellen könnten, eine freiwerdende Hausarztpraxis weiterzuführen.
