Kolumne Gefundenes Fressen

Hawaiihemden sind wieder in – und was in Honolulu geht, müsste doch in Hildesheim erst recht gehen

Hildesheim - Hawaiihemden sind mehr als ein Kleidungsstück – erfunden wurden sie einst, um mehr Touristen in die Südsee zu locken. Könnten wir das nicht auf Hildesheim umstricken? Gut, Flamingos haben wir keine, aber dafür Schweine im Wildgatter!

Die Kolumne Gefundenes Fressen erscheint jeden Montag in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung. Foto: HAZ

Hildesheim - Nun ist es fast August, doch wo sind in diesem Sommer die Menschen in Hawaiihemden? Ist es in Hildesheim etwa noch nicht angekommen, dass die Dinger grad ein Comeback erleben?

Nachdem erst alle sie trugen und dann aber bloß noch Tom Selleck und Jürgen von der Lippe, folgten Jahre tiefster Verachtung. Hawaiihemden waren wie Betonfrisuren, Britney-Spears-Alben oder Donald Trump: Man wollte unter keinen Umständen damit gesehen werden. Doch nun haben Palmen- und Flamingomuster in fiesen Farbkombis wieder Konjunktur, wie auch immer das passieren konnte. Bekannt ist nur, wie das Hawaiihemd entstand. Ja, spitzt die Ohren, liebe Hildesheim Marketing-Experten! Das Hemd wurde nämlich vor gut 100 Jahren für den Export hergestellt, als es auf der Südsee-Insel erst wenige Touristen gab. Die machte man quasi zu Bekleidungsbotschaftern. Das Hemd wurde zur Postkarte, die der Absender auf der Haut nach Hause trug, jedes erzählte von herrlichen Sonnenuntergängen, Traumstränden, vom Paradies.

Kein Mann über 30 sieht im Hawaiihemd wirklich gut aus

Doch Hawaiihemden haben – neben Knöpfen aus Kokosnussschalen – zwei wesentliche Haken. So fiel dem „Honolulu Magazine“ 1967 auf: „Die Wahrheit ist, dass kein Mann über 30 in einem Aloha-Shirt gut aussieht.“ Und es kommt noch dicker: Glaubt man dem Gassenhauer von Paul Kuhn, gibt es auf Hawaii kein Bier, und an so einen Ort lässt sich keiner locken, der noch halbwegs bei Verstand ist.

Nach Hildesheim aber kam Kuhn gern und oft. Klar, Brauereien gibt’s hier und Blütenkränze, nur dass die bei uns aus tausend Rosen sind. Statt endloser Strände haben wir den Jo-Beach, statt Flamingos die Wildschweine vom Wildgatter. Alles da. Und wenn hier sowieso keiner Hawaiihemden anzieht, sehe ich eigentlich nichts mehr, was den Kult in spe noch aufhalten könnte: das Hildesheimhemd. Aloha!

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