Hildesheim - „Wie würde sich Super Mario jetzt wohl entscheiden?“, denke ich, als ich mit knapp 30 Stundenkilometern auf eine Absperrung aus roten und weißen Gummireifen zubrettere. Vollgas und mit meinem 130 Kilo schweren Fahrzeug kühn um die Kurve driften? Oder doch besser abbremsen? Der berühmte Videospielklempner und Hauptfigur des Rennspiels Mario Kart würde wahrscheinlich einfach draufhalten. Ich hingegen drossele mein Tempo, umkurve die Serpentine mit ausreichend Sicherheitsabstand und fahre trotzdem um Haaresbreite unseren Fotografen über den Haufen. Glück gehabt!
Einsteigen, Helm auf, losdonnern
Eigentlich hätte der da ja auch gar nicht stehen dürfen, mitten auf der Fahrbahn. „Das ist eine unserer No-Go-Regeln“, wird mir später Phil-René Oppermann erklären. Seit 2010 arbeitet der 38-Jährige beim KartCenter Hildesheim, inzwischen ist er dort der einzige Festangestellte. Er ist heute mein Ansprechpartner, Einweiser und Erklärbär. Eigentlich habe ich nämlich von Kartfahren genauso wenig Ahnung wie etwa von Paragleiten oder Motocross. Das wollte ich ändern. Bei Mario Kart habe ich die schwerste Strecke schließlich auch unter fünf Minuten geschafft. Also: Einsteigen, Helm auf, losdonnern.
Nun halte ich mich grundsätzlich ja für einen guten Autofahrer. Der Schulterblick vorm Abbiegen, rechtzeitiges Abbremsen vor engen Kurven, das Einhalten des vorgeschriebenen Tempos – mach ich alles aus dem Effeff. Nur: Beim Kartfahren ist das alles mehr oder weniger egal. Die Karts, von denen das Hildesheimer KartCenter 20 im Fuhrpark stehen hat und maximal ein Dutzend gleichzeitig auf der Fahrbahn sein dürfen, haben vorrangig eine Funktion: verdammt schnell zu sein.
48 km/h im Durchschnitt
Durchschnittlich ist man, so erzählt es mir KartCenter-Mitarbeiter Oppermann, mit 48 km/h unterwegs. Geübte Kartfahrer kitzeln aus den sechseinhalb PS starken Motoren aber auch schon mal 55 km/h raus. Die Karts – die man auch Go-Karts nennen darf – haben keine Drehzahlbegrenzung, man kann also durchgängig das Gaspedal drücken. Was ja eigentlich für ziemlich miese Luft in der 2007 eröffneten Halle am Cheruskerring sorgen müsste. Weil die Flitzer aber mit Flüssiggas betankt werden, stinkt es in der großen Halle kaum nach Treibstoff. Das finde ich richtig gut. Mein empfindlicher Magen hat mit den Serpentinen allein schon zu kämpfen.
Erst mal warm werden
Anders als Super Mario beginne ich meine ersten Runden auf der 650 Meter langen Strecke – das Hildesheimer KartCenter ist der einzige Anbieter in der Region, bei dem man auf zwei Ebenen fahren kann – besonnen. Erst mal warm werden. Die Basics: Mit dem linken Fuß bedient man die Hydraulikbremse, Gas geben tut man mit rechts, lenken mit dem Lenkrad. That’s it. Wer Autoradio, Zigarettenanzünder oder Sitzheizung möchte, sollte schnell wieder aussteigen. Selbst anschnallen muss man sich nicht, dafür sind Sturmhaube und Helm Pflicht.
Mit Karacho auf die Absperrung zu
Ich drehe ein, zwei Runden auf Sparflamme. Dann trete ich aufs Gas. Und werde ungestüm. Der Motor kreischt auf, als ich mit Karacho auf die Absperrung zurase, um um die Kurve zu driften. Geschafft! Nur bin ich wohlgemerkt der Einzige auf der Strecke. Würden weitere Karts auf der Strecke sein – maximal zwölf sind gleichzeitig erlaubt –, ich würde mir so ein Manöver vermutlich nicht zutrauen.
Denn so ganz ungefährlich ist die Sache dann doch nicht. „Es gibt bei den Karts weder eine Pufferzone noch Airbags“, erklärt mir Oppermann. Komme es mal zu Verletzungen, bleibe es aber meist bei Rippenprellungen oder einer blutigen Nase. „Wenn man es übertreibt, wird man schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt“, sagt Oppermann. Was zu den weiteren No-Gos beim Kartrennen führt.
Striktes Alkoholverbot
Unter keinen Umständen dürfe man auf der Strecke sein Fahrzeug verlassen, erklärt Oppermann. Auch der Kontakt zwischen Karts ist streng verboten. Handys müssen in der Hosentasche bleiben. Und es herrscht striktes Alkoholverbot. „Manchmal haben wir Gruppen von Junggesellenabschieden hier. Wenn die vorher Alkohol trinken, dürfen sie nicht fahren“, macht Oppermann klar. Normalerweise würden sich die Gäste immer gut benehmen. „Ausreißer gibt’s aber immer wieder. Die werden dann sofort von uns ermahnt.“
Keine Altersbegrenzung, nur die Körpergröße zählt
Damit kein Chaos herrscht, gibt es auf der Strecke verschiedene Lichtsignale. So darf man zum Beispiel bei Blau ein Überholmanöver starten und muss bei Gelb stehen bleiben. Eine Altersbegrenzung gibt es beim Hildesheimer KartCenter nicht. Wer mitfahren möchte, muss aber mindestens 1,45 Meter groß sein. Zwei Kart-Typen stehen zur Verfügung: das Mini-Kart und das ALPHA2 Kart, beide von der Marke RIMO.
Wie würde sich Super Mario jetzt wohl entscheiden?
Ich bin inzwischen bei meiner elften Runde angelangt. In meinem Blut schlägt das Adrenalin längst Blasen. 49,187 Sekunden, so liegt der Rekord für eine Runde. Ich trete aufs Gas, zische an den Abgrenzungen vorbei. Kurz vor dem Ziel ist eine Kurve mit schön viel Spielraum zum Driften. Bloß nicht ins Stocken geraten. Die rot-weißen Gummireifen kommen näher. Draufhalten oder bremsen? Ich frage mich: Wie würde sich Super Mario jetzt wohl entscheiden?
Erwachsene zahlen im Hildesheimer KartCenter pro 10-Minuten-Fahrt 13 Euro. Für Gruppen ab sechs Personen kostet ein 20-Minuten-Rennen 34 Euro. Daneben gibt es viele Aktionen und Ermäßigungen. Geöffnet ist die Kartbahn montags bis donnerstags von 16 bis 23 Uhr, freitags von 15 bis 23 Uhr, samstags von 10 bis 0 Uhr und sonntags von 10 bis 22 Uhr. Spontantermine können jederzeit telefonisch erfragt werden. Mehr Infos gibt es hier.


