Energiewende

HAZ-Serie zum Heizungsgesetz: So funktioniert das mit der Fernwärme in Hildesheim

Hildesheim - Fernwärme soll für das Heizen der Zukunft auch im Kreis Hildesheim eine deutlich größere Rolle spielen als noch im ersten Entwurf des Gesetzes vorgesehen. Wie funktioniert die Technik eigentlich?

Im Holzhackschnitzel-Heizkraftwerk der EVI entsteht die Fernwärme für Hildesheim. Foto: EVI/Cornelia Kolbe-Bode

Hildesheim - Fernwärme ist durch das neue Heizungsgesetz in aller Munde und in Hildesheim und einigen Gemeinden schon seit Jahren in manchen Haushalten angekommen. Doch wie funktioniert die Technik eigentlich, was ist der Unterschied zur Nahwärme – und welche Veränderungen an Hausanschlüssen und Heizungskesseln sind nötig?

Was ist Nah-, was ist Fernwärme?

Eine offizielle Abgrenzung gibt es nicht. Grundsätzlich ist Fernwärme aber der Oberbegriff, Nahwärme ist sozusagen eine Unterart. Gemeinhin wird von Fernwärme gesprochen, wenn die Wärme über ein größeres Leitungsnetz verteilt wird wie in Hildesheim. Von Nahwärme spricht man bei einer dezentralen Versorgung zum Beispiel eines einzelnen Quartiers mit einem Heizwerk, das einige Wohngebäude im Umkreis versorgt. Ist von Fernwärme die Rede, ist Nahwärme aber mitgemeint.

Wie wird die Wärme erzeugt?

Es gibt zwei Möglichkeiten: mit einem eigens eingerichteten Heizwerk oder als Nebenprodukt. In Hildesheim wird die Fernwärme zum Beispiel maßgeblich durch das Holzschnitzelheizkraftwerk der EVI erzeugt. Es ist eine Anlage zur sogenannten Kraft-Wärme-Kopplung, in der parallel Strom und Wärme erzeugt wird. Häufig sind auch Blockheizkraftwerke.

Es ist aber auch möglich, die Abwärme industrieller Anlagen zu nutzen, etwa von Biogasanlagen oder Industriebetrieben. In Stralsund gibt es ein Pilotprojekt, bei dem grüner Wasserstoff mit dem Strom von Offshore-Windrädern erzeugt und anschließend verbrannt wird – damit wird die Wärme für ein lokales Wärmenetz gewonnen.

Wie wird die Wärme verteilt?

Das Medium ist Wasser. Es wird durch die genannten Anlagen erhitzt und dann durch Rohre in die angeschlossenen Gebäude verteilt, wo das heiße Wasser dann – wie bei der klassischen Gasheizung auch – durch kleine Rohre in die Heizkörper fließt und danach – abgekühlt, zurückgeführt wird. Dann startet der Kreislauf von neuem.

Wie gelangt die Wärme ins Haus?

Es müssen zwei Rohre ins Haus gelegt werden, um den Kreislauf ans Netz anzuschließen. Nötig ist zudem eine sogenannte Übergabestation mit Zählwerk. Ein Kessel, eine Abgasanlage und ein Schornstein sind hingegen nicht nötig. Fernwärme-Anlagen brauchen weniger Platz als Gas- oder Ölheizungen.

Was kostet Fernwärme?

Das ist schwer allgemein zu sagen. Aktuell sieht es allerdings so aus, dass die laufenden Heizkosten etwas höher sind als bei einer Erdgasheizung, die nach den aktuell günstigsten Tarifen betrieben wird. Wer aus dem Vorjahr oder von Anfang dieses Jahres noch in einem höheren Gastarif steckt, könnte allerdings mehr bezahlen als ein Fernwärme-Kunde. Die Fernwärme-Preise sind zum Teil an den Erdgas-Index gekoppelt, allerdings dürften steigende CO2-Abgaben auf Erdgas dieses schneller verteuern als die Fernwärme. Zudem sind die Kosten für einen Fernwärmeanschluss niedriger als für eine neue Gasheizung oder Wärmepumpe, und der Wartungsbedarf ist geringer.

Wie der Ausbau in Hildesheim laufen soll die Situation in einzelnen Kreis-Kommunen in Sachen Fernwärme und Wärmeplanung ist, erfahren Sie in der Abschluss-Folge dieser Serie zur Wärmeplanung. Sie wird am Freitag online und am Samstag gedruckt veröffentlicht.

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