Völlige Erschöpfung

Andreasturm-Challenge am Samstag in Hildesheim: HAZ-Sportler laufen schon mal vorab die 364 Treppenstufen – ihr Fazit

Hildesheim - Am Samstag steigt die Andreasturm-Challenge: Pascal Wienecke und Maximilian Willke von der HAZ haben vorab die 364 Treppenstufen bewältigt – und die Herausforderung scheinbar unterschätzt. (mit Video)

Erschöpft, aber nach 364 Treppenstufen am Ziel angekommen: HAZ-Sportredakteur Maximilian Willke (links) und Volontär Pascal Wienecke nach der Andreasturm-Challenge. Foto: Clemens Heidrich

Hildesheim - 364 Treppenstufen rauf auf Niedersachsens höchsten Kirchturm, das ist die Andreasturm-Challenge. HAZ-Volontär Pascal Wienecke und HAZ-Sportredakteur Maximilian Willke haben die Herausforderung angenommen und sich der Challenge gestellt. Mit zum Teil unterschiedlichen, aber auch gleichen Emotionen. Zwei Erfahrungsberichte für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die sich am Samstag auch der Challenge stellen.

Pascal Wienecke ist platt wie eine leere Caprisonne

Vor dem Start habe ich von zwei Veranstalterinnen einen Tipp bekommen: Lauf nicht zu schnell über die Steintreppe. Hätte ich mal auf die beiden gehört. Weil ich noch nie bis nach oben auf den Turm gestiegen bin, wusste ich nicht, wie schnell ich es angehen soll. Erst mal schneller gehen, joggen oder „alles oder nichts“. Ich habe mich für die dritte Variante entschieden. Ein Fehler.

Kurz zu meiner Vorbereitung auf den Testlauf: Die gab es nicht. Sie bestand nur aus einem ausgewogenen Frühstück inklusive Schoko-Brownie und einem isotonischen Getränk. Ich lief los und bin die schmale Steintreppe in zügigem Tempo hochgejoggt – zumindest am Anfang. Das Fiese daran ist, dass sie sich sehr in die Länge zieht und man als Läufer nicht erkennen kann, wie weit sie noch geht. Nach zwei Dritteln auf der Treppe hatte sich die Alles-oder-nichts-Methode erledigt.

Als die Treppe geschafft war, ist mir im wahrsten Sinne des Wortes ein Stein vom Herzen gefallen. Endlich Stahltreppen – mit einem Geländer, an dem man sich festhalten kann. Am Übergang zwischen Stein- und Stahltreppe wurde es kurz flach. Da habe ich gemerkt, dass meine Oberschenkel wenig Lust auf den restlichen Anstieg hatten. Die Geländer haben mir dann viel gebracht. So konnte ich mich beim Hochgehen Stufe für Stufe ein bisschen mit den Armen hochziehen.

Nach mehr als 300 Stufen konnte ich von oben die ersten Lichtstrahlen sehen. Im Ziel war nicht an ruhmreiche Siegerworte zu denken. Ich war nur froh, dass ich es geschafft hatte und platt wie eine zerquetschte Caprisonne. Ich hatte solch ein Brennen in der Lunge, dass ich am liebsten die Luft im ganzen Raum auf einmal eingeatmet hätte.Weil sich meine Beine wie Pudding angefühlt haben, habe ich mich hingelegt und die Beine hochgenommen. Ich war in dem Moment froh, dass es meinem Kollegen genauso ging, als er oben ankam.

Maximilian Willkes Puls ist gefühlt über 200

364 Treppenstufen – nach so viel klingt das nun auch nicht, um auf die Aussichtsplattform des Hildesheimer Andreasturms zu kommen. Ein Gedanke, den ich später bereut habe. Was ich im ersten Moment vergessen hatte? Dass das Ganze möglichst schnell gehen soll.

Im Eingangsbereich des Turms angekommen, sind mir gleich ein paar Zahlen aufgefallen. 75 Meter Höhenmeter musste ich bewältigen, bis zur Aussichtsplattform. Bis dahin waren es 364 Treppenstufen. So viele sind das doch gar nicht, dachte ich mir, zum Vergleich: Beim Kölner Dom wären es sogar 533 Stufen nach oben. Wird also zu schaffen sein.

Doch als es los ging, merkte ich schnell: Au backe! Schon die ersten Meter, auf der steinernen Wendeltreppe waren gar nicht so leicht. Es ging nur im Kreis nach oben, allerdings vollkommen orientierungslos. Denn es gibt keine Fenster, man läuft einfach nur. Und weil die Stufen schmal sind und das Treppenhaus im Gesamten sehr eng, kam mir dieses Stück fast unendlich vor.

Doch es gab einen Hoffnungsschimmer, denn irgendwann tauchte da eine Tür auf und die Stahltreppen warteten. Nun gab es weitaus mehr Platz auf den Stufen und es ging auch nicht mehr im Kreis nach oben, sehr anstrengend blieb es trotzdem. Vor allem oder weil die erste Phase schon Kraft gekostet hatte. Ich hörte mir selber nach Luft schnauben und kämpfte bereits ein bisschen mit mir. Die kurze Belastung in die Höhe war doch viel intensiver als vorher gedacht.

Als ich die 364. und letzte Treppenstufe nahm, war mein Puls gefühlt bei 200. Ich konnte mich nicht mehr auf meinen Beinen halten, wollte nur sitzen oder liegen. Von der schönen Aussicht über Hildesheim hatte ich im ersten Moment gar nichts. Erschwerend kam hinzu, dass wir nichts zu trinken eingepackt hatten.

Zwei Tipps von den HAZ-Sportlern:

Zwischendurch haben wir für alle Teilnehmenden am Samstag zwei Tipps: Eine gute Vorbereitung wäre ratsam, die Alles-oder-nichts-Methode nicht.


Alles Wissenswerte zur Andreasturm-Challenge

Wann ist der Lauf?

Der Wettbewerb beginnt am Samstag um 10 Uhr an der St.-Andreas-Kirche. Die letzten Läufer sollen gegen 14.30 Uhr starten.

Wer macht alles mit?

Es sind 60 Teilnehmende dabei. Sie werden in verschiedene Altersklassen unterteilt: Jugendliche (acht bis 15 Jahre), Frauen von 16 bis 44, Männer von 16 bis 44, Frauen über 44 und Männer über 44.

Was kostet die Teilnahme?

Die Teilnahme ist kostenlos.

Gibt es noch Plätze?

Eigentlich sind die 60 Plätze voll, doch es kann immer zu kurzfristigen Absagen kommen. Möglicherweise sind dann noch Nachrückerplätze frei. Anmeldungen laufen über die Tourist-Information Hildesheim ab, die den Lauf veranstaltet.

Wie läuft der Wettbewerb ab?

Weil die Treppen sehr eng sind, ist ein klassischer Wettlauf mit Massenstart unmöglich. Darum wird auf Zeit gelaufen. Die Läuferinnen und Läufer teilen sich in sechs Startergruppen auf. Aus diesen Gruppen startet jeder in dreiminütigen Abständen hintereinander. Am Ende gewinnt der Läufer mit der schnellsten Zeit und bekommt einen Siegerpokal.

Wo wird gestartet und wo ist das Ziel?

Der Start erfolgt unten am Eingangstor. Das Ziel ist oben auf der Aussichtsplattform nach 364 Stufen erreicht.

Gibt es zeitliche Referenzwerte?

Die Idee für den Wettbewerb entstand durch die Frage, ob man den Turm in unter fünf Minuten hochlaufen kann. Bei einem Testlauf haben zwei Redakteure dieser Zeitung knapp unter vier Minuten gebraucht.

Wie werden die Teilnehmer versorgt?

Es wird medizinisches Personal vor Ort sein. Die Läuferinnen und Läufer werden auch mit Getränken versorgt.

Von: Maximilian Willke und Pascal Wienecke

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