Sommernachtstraum

Heersumer Sommerspektakel zieht in ein Schloss im Kreis Hildesheim – und jeder kann sich als Laienschauspieler bewerben

Rössing - Die Heersumer Sommerspiele kommen nach Rössing. Jeder kann mitmachen beim großen Theaterspektakel – als Schlafwandler, Liebespaar oder Fledermaus. Am Samstag gibt es ein öffentliches Casting. (Mit Video)

Heersumer Elfen treffen sich zu einer spiritistischen Sitzung im Schloss Rössing – der Sommernachtstraum kann beginnen. Foto: Werner Kaiser

Rössing - In Rössing tragen sich seltsame Dinge zu. In einer Winternacht ziehen Dutzende von Gestalten in Schlafanzügen durch die dunklen Straße, Musik haben sie auch dabei. „Es gab nur eine Beschwerde“, sagt einer von ihnen schmunzelnd. Und es sei ja auch nichts Schlimmes passiert: Man habe lediglich kollektives Schlafwandeln geübt.

Auf so eine Idee kommt wohl nur das Forum Heersum. Tatsächlich strecken die Theaterleute aus dem Südkreis in diesem Jahr ihre Fühler nach Norden aus. Am 8. Juni hat das neue Stück „Ein Sommernachtstraum in Rössing“ Premiere, und die Vorbereitungen laufen bereits auf Touren. Der nächtliche Umzug war Teil eines mehrtägigen Ideen-Workshops, des „Schlaflabors“, zum „Sommernachtstraum“. Diesmal ist man den Träumen und geheimen Wünschen der Menschen auf der Spur.

Jürgen Zinke, Geschäftsführer des Forum Heersum, ist von der Offenheit und Gastfreundschaft der Rössinger begeistert. In besonderer Weise gilt das für Tita von Rössing. Zum „Schlaflabor“-Workshop hatte sie das Heersum-Team ins Schloss eingeladen, fast 50 Menschen, musste dann aber ins Krankenhaus. „Und die Hausherrin sagt nur: Ich lege einen Schlüssel für euch unter die Fußmatte“, erzählt Zinke. Und fügt hinzu: „Wir hatten wirklich sturmfreie Bude. Die Marienburg macht zu, Schloss Rössing macht auf.“ Auch bei den Aufführungen wird es eine wichtige Rolle spielen.

Umgekehrtes Casting

Aber was genau erwartet die Rössinger? Bisher liefen Planung und Stückentwicklung hinter den Kulissen, jetzt geht es damit in die Öffentlichkeit. Das Forum lädt am Samstag zum „Casting“ ins Dorfgemeinschaftshaus. Wobei das Wort ein bisschen irreführend ist: Nicht interessierte Mitspielerinnen und Mitspieler müssen sich bewerben, sondern umgekehrt versucht das Forum, möglichst viele Menschen für das Projekt zu begeistern.

Gesucht sind Darstellerinnen und Darsteller, die in die Rollen der Liebenden, von Helena, Demetrius, Puck, Handwerkern, Bibern und Fledermäusen schlüpfen. Zusätzlich sind Helferinnen im Hintergrund willkommen, sei es beim Parkplatz-Einweisen oder im Bau-Team. Noch ein Wort zu den Fledermäusen: Sie sind in Rössing auch real stark vertreten, 644 (so die letzte Zählung) leben allein auf dem Dachboden des Schlosses.

Naturgötter haben Zoff

Die Vorlage für das Stück liefert Shakespeares bekannte Komödie, doch selbstverständlich wollen die Heersumer nicht einfach den Klassiker nachspielen. Auch in diesem „Sommernachtstraum“ haben zwar die Naturgötter Oberon und Titania Zoff (wodurch die ganze Welt aus den Fugen gerät), nur entwickelt sich eine ganz eigene Geschichte daraus. „Man braucht das Original überhaupt nicht zu kennen“, sagt Regisseur Uli Jäckle, und Jürgen Zinke fügt hinzu: „Wir machen kein Bildungstheater, sondern Einbildungstheater.“

Die Bühne dafür soll ganz Rössing sein. Nicht nur das Schloss, sondern auch Höfe, Betriebe, eine überraschend urban wirkende Bushaltestelle und die Landschaft, die den Ort umgibt. Nach der Corona-Delle hatte sich das Forum langsam wieder an die früheren Maßstäbe herangearbeitet. Diesmal will man zu alter Größe zurückkehren, hofft auf zwölf Vorstellungen mit insgesamt 6000 Besucherinnen und Besuchern.

Spielt die Schlossherrin

Und wird auch die Schlossherrin eine Rolle übernehmen? Tita von Rössing denkt kurz nach und sagt dann zu Brigitte Findeis vom Orga-Team: „Wenn ihr mich haben wollt, mache ich natürlich mit.“

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