Gödringen - Normalerweise sind bei den Heersumer Sommerspielen alle scharf darauf, einen Platz möglichst weit vorne zu ergattern. In Gödringen, bei der Landkreis-Premiere von „12 Scherben für ein Halleluja“, gehen die frühen Gäste zielstrebig ganz nach hinten – dorthin, wo wenigstens ein schmaler Streifen Schatten zu finden ist. Eine weise Entscheidung, denn an den fünf nächsten Spielorten sitzt oder steht man sowieso die meiste Zeit in der prallen Sonne. Und das am Samstag, dem bisher heißesten Tag des Jahres.
Wie üblich will Jürgen Zinke vom Forum Heersum erst einmal wissen, wer noch nie bei den Sommerspielen war. Erstaunlich viele Hände heben sich. Ach, sagt Zinke, dann müsse er ja erstmal erklären, wie so eine Aufführung funktioniert: „Bei uns sitzt man immer vier Stunden in der Sonne und fällt dann vom Hocker.“ An diesem Tag hätte das zweifellos geklappt, aber natürlich scherzt Zinke nur.
Besonderheit in diesem Jahr
Die Sommerspiele sind diesmal eine Besonderheit, ja, ein Experiment: Statt einen vierstündigen Theater-Marathon zu inszenieren, zwölfmal am selben Ort, tingeln die Heersumer durch den ganzen Landkreis. In Hildesheim wurde vor zwei Wochen am Welterbetag die Vorgeschichte erzählt, an diesem Wochenende ging es nach Gödringen und Freden, zehn weitere Orte folgen. Und dann, Ende August, kommt endlich die Auflösung beim großen Finale in Alfeld.
Es gibt ein weiteres Novum, für das man bei der Hitze am Samstag extrem dankbar ist: Die Aufführungen dauern nur halb so lang wie sonst. Ist das „theatrale Glockenspiel im Hildesheimer Land“, wie der Untertitel heißt, also eine abgespeckte Version des üblichen Heersum-Spektakels? Und ist die Geschichte überhaupt zu verstehen, wenn man das Vorspiel am Hildesheimer Dom verpasst hat?
Die wird in jedem Ort in den Grundzügen der Story ähnlich sein, in den Details aber sehr verschieden. In Gödringen geht das Konzept von Florian Brandhorst und Oliver Dressel, die an den Zwischenetappen Regie führen, wunderbar auf: Da nimmt das amüsierte Publikum am Dorfleben teil, eine Frau kommt mit einem Pferd daher und ein Trecker brummt mit einen Heu-Quader vorbei. Man darf durch einen lauschigen privaten Park spazieren, erlebt in einem Hof, wie das Kinderspiel „Himmel und Hölle“ zur Ermittlungsmethode wird und sieht vor der Kirche Paaren zu, die bei 32 Grad im Schatten ausgelassen den Schneewalzer tanzen. Vom Hocker fällt dabei zum Glück niemand.
Uhreinwohner Gödringens helfen
Nur ist leider die Scherbe der heiligen Bimbam immer noch verschwunden. Höchste Zeit, dass der liebe Gott eingreift. Kein Problem, sagt der, er könne ja die Zeit zurückdrehen und nachschauen, wo Quasimodo das wertvolle Stück versteckt hat. Dazu braucht er die Uhreinwohner Gödringens. Leider führt die Zeitreise mehrfach zu weit zurück. Zum Beispiel ins Jahr 1811, als Napoleon persönlich in Gödringen war und ein Auge auf die schöne Wirtstochter warf, was letztlich zwei Dorfburschen das Leben kostete. Das Publikum hat seinen Spaß dabei, aber die Geschichte ist leider wahr.
Schließlich wird die Scherbe doch gefunden, doch die Aliens, die in einem DeLorean-Sportwagen zur Erde gekommen sind, sorgen für einen waschechten Cliffhanger. Um auf die Frage nach der abgespeckten Version zurück zu kommen: „12 Scherben für ein Hallelula“ ist Heersum in all seinem Witz und seiner skurrilen Lebendigkeit, mit interessanten Realkulissen und Mitwirkenden voller Spielfreude. Wer das Ende erleben will, muss am 31. August nach Alfeld kommen.
Infos über die weiteren Termine und Karten bekommt man über die Homepage https://www.forumheersum.de

