Virtuose Show

Herrin der Ringe rettet Junge Theatertage in Hildesheim vor einem Reinfall

Hildesheim - Kurz sah es so aus, als müsste der Auftakt des Kinder- und Jugendfestivals am tfn ins Wasser fallen. Doch dann erweist sich eine scheinbare Notlösung als echter Trumpf. Noch bis Sonntag gibt es täglich Angebote für Familien.

Ganz schön viele Ringe auf einmal – aber da geht noch mehr beim Auftakt der Jungen Theatertage in Hildesheim. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Was hätte das für ein Reinfall werden können! Keine 24 Stunden vor dem Beginn der Jungen Theatertage sieht es so aus, als müssten die ersten beiden Vorstellungen abgesagt werden. Cara Groeger, die eine Hälfte des Bremer Akrobatik-Comedy-Duos tonneCtion, ist krank und kann nicht auftreten. Aber sie hat eine Idee: Ihre Partnerin Tine Thevissen hat doch ein Soloprogramm und könnte damit den Festivalstart am Theater für Niedersachsen retten. Die ist skeptisch, denn ihre Hula-Hoop-Show ist eigentlich für Erwachsene gedacht – vor Grundschulkindern hat sie die noch nie ausprobiert. Schließlich lässt sich Thevissen breitschlagen. Es ist ein Risiko, aber sie geht es ein.

Von all dem wissen die Drittklässler der Grundschule Harsum nichts, als sie am Dienstagmorgen den Saal des thim betreten und Platz nehmen. Dort zappelt Tine, die sich in Gina verwandelt hat, schon auf der sonst leeren Bühne herum. „Ich bin so aufgeregt!“, flüstert sie der vorderen Reihe zu. Sie habe schon so vieles ausprobiert, erklärt sie den Kindern, jetzt wolle sie endlich „mal was Richtiges machen“. Das hier sei ihr erster Auftritt, „und dann könnt ihr mir hinterher sagen, ob das der richtige Beruf für mich ist“.

Gespielte Schüchternheit

Thevissen/Gina spielt ihre Schüchternheit und Nervosität wunderbar, die Kinder hat sie damit sofort auf ihrer Seite. Sie klatschen sogar aufmunternd, als erst mal alles schiefgeht. Mit 20 Hula-Hoop-Reifen auf einmal loszulegen, „ist vielleicht ein bisschen viel für den Anfang“, sieht Gina selber ein. Also versucht sie es erst mal mit einem einzigen, aber der entwickelt ein überraschendes Eigenleben – wirbelt sie umher, will nach oben davon schweben oder kehrt wie ein Boomerang zurück, als sie ihn wegrollt.

Bei aller gespielten Tolpatschigkeit zeigt sich bald, dass Gina virtuos mit den Reifen umgehen kann. Sie lässt sie zu Yoga- und Aerobic-Übungen kreisen, vier oder fünf auf einmal, ganz zum Schluss sogar wirklich alle 20. Zwischendurch holt sie sich Hilfe auf die Bühne, „müsste eine etwas größere Person sein, so etwa ab 1,40 Metern, würde ich sagen“. Die Kinder gehen staunend mit, und am Ende ist die Bühne voll mit Hula-Hoop-Nachwuchsakrobatinnen und -akrobaten. Sollte Gina das zu ihrem Beruf machen? Die Kinder sind sich einig: Unbedingt. Nur, wie ein Reifen schweben kann, das wüssten sie doch zu gerne!

Man weiß natürlich nicht, was man mit tonneCtion verpasst hat, doch besser hätte der Start des Festivals, das noch bis einschließlich Sonntag dauert, kaum sein können. Und Ginas „Show“ passt bestens in das Konzept von Sandra Rasch, der Leiterin des Bereichs Junges Theater am tfn, die zeigen möchte, wie viel mehr möglich ist als das traditionelle Sprechtheater.

Bei den diesjährigen Jungen Theatertagen gibt es neben Akrobatik auch Puppentheater und am Freitag ein Stück, das ganz ohne Worte Theater und Magie zueinander führt. Auch Blinde können dabei sein. Für sie gibt es um 14 Uhr eine Tastführung über die Bühne und eine Stunde später bei der Aufführung Kopfhörer, über die sie eine Beschreibung des Bühnengeschehens wie ein Hörspiel erleben. Die Vormittagsvorstellung ist ausverkauft, für nachmittags gibt es noch Karten.

Theater soll niedrigschwellig sein, das steht für Sandra Rasch fest: Man müsse nichts verstehen, um seinen Spaß zu haben. Dazu gehört, dass man nach der Vorstellung auf die Bühne kommen kann, um sich alles aus der Nähe anzuschauen. Im thim gilt das sowieso, am Sonntag ausnahmsweise auch im Großen Haus. Dort ist zum letzten Mal „Eine Woche voller Samstage“ zu sehen. Zwischen den Aufführungen, von 13 bis 15 Uhr, ist beim Familienfest der Eintritt frei. Groß und Klein können sich zwischen den Kulissen umschauen, den Anzug von Herrn Taschenbier anprobieren oder ihre generelle „Samsigkeit“ erproben.

Das weitere Programm

Am Mittwoch, 11. Februar, um 10 Uhr können Menschen ab 10 Jahren das Orchester besuchen und ausnahmsweise mitten zwischen den Musikerinnen und Musikern sitzen. Am Donnerstag ist das Puppentheater Zitadelle zu Gast für Kinder ab 4 Jahren, an die gleiche Altersgruppe richtet sich das Freitagsstück „Ein Loch ist meistens rund“. Für die Tastführung sollte man sich bis Donnerstag anmelden. PiedDeFou ist am Samstag mit „Pippi Langstrumpf“ zu Gast. Das Sams gibt sich am Sonntag um 11 und 15 Uhr die Ehre. Nähere Informationen über das Programm und Tickets unter tfn-online.de

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