Hier haben schon die Kleinsten die Federn schön Diese Züchter sind Landesmeister

Titel: Meisterschaft der Edelkanarienzüchter und Vogelliebhaber. Beschreibung: Mehr Federball als Vogel: ein Pariser Trompeter von Züchter Wolfgang Kasimir.
Mehr Federball als Vogel: ein Pariser Trompeter von Züchter Wolfgang Kasimir.

Von Christian Harborth

Hildesheim. Wenn es in Deutschland einen Königstitel für die Zucht von Kanarienvögeln gäbe – Wolfgang Kasimir hätte wohl die besten Aussichten, den Thron zu besteigen. Der Vogelliebhaber aus Leiferde bei Gifhorn hat schon Titel auf Landes-, Bundes- und Weltebene angehäuft. Am Wochenende ging er mit mehreren seiner Pariser Trompeter bei der Meisterschaft des Landesverbands Niedersachsen und Bremen der Edelkanarienzüchter und Vogelliebhaber in Hildesheim an den Start – und konnte gleich mehrere Preise einstreichen. Für ihn geht es in wenigen Tagen bei der Deutschen Meisterschaft in Bad Salzuflen weiter. Im Januar messen sich die besten Züchter dann auf der Weltschau in Holland.

Im Vergleich dazu dürfte das Dr.-Lax-Haus in Hildesheim ein durch und durch beschauliches Pflaster gewesen sein. Vogelliebhaber aus ganz Niedersachsen trugen ihre schönsten Kanarienvögel, Sittiche und Exoten in den Ausstellungssaal im Obergeschoss. Bereits am Freitag rückte eine sechsköpfige Jury aus Münster an, um die rund 600 gefiederten Schönlinge unter die Lupe zu nehmen. Wie ist ihre Form, wie die Haltung und das Gefieder? Nach und nach arbeiteten sich die Vogelkenner durchs zwitschernde Teilnehmerfeld. Wem die Tiere gehören, wissen die Jurymitglieder zu dieser Zeit noch nicht: Die Namen der erfolgreichen Züchter werden erst an die Käfige geklebt, wenn das Urteil gefallen ist.

Bei Kasimirs Pariser Trompetern müssen viele Besucher, die am Samstag und auch Sonntag ins Dr.-Lax-Haus kommen, erst einmal suchen: Wo ist vorne und wo hinten? Die Vögel wirken auf den ersten Blick wie gegen den Strich gebürstete Federbüschel. „Es ist wichtig, dass die Stützfedern an beiden Seiten nach oben zeigen“, erklärt der Vorsitzende des Landesverbands, Olaf Nagler aus Celle. Außerdem sei es bei der Begutachtung von Vorteil, wenn der Federmantel auf dem Rücken möglichst lang und eine Kopffrisur vorhanden sei. In all diesen Bereichen wirken Kasimirs Vögel top-gestylt – sie sehen so aus, als wenn sie gerade nach der Nachtruhe verstrubbelt aus dem Nest gefallen sind.

Dagegen sehen die Nymphensittiche von Sebastian Schütte einen Gang weiter aus wie frisch gekämmt. Die Vögel mit der akkuraten Stirnfrisur gehören zu den größten der Schau. Bekannt sind sie aber vor allem durch anderes. „Das sind alles Schreihälse“, sagt Wolfgang Rittgarn und lacht. Der 67-Jährige aus Bockenem hat seine Käfige mit sechs australischen Schönsittichen nur wenige Meter entfernt stehen. Ursprünglich sind die Vögel kräftig grün mit einer blauen Maske und roten Streifen entlang der Flügel.

Doch Rittgarn hat auch Exemplare dabei, die durch langjährige Züchtung deutlich heller geworden sind. „Zwei meiner Tiere haben gewonnen“, sagt der Bockenemer. Er arbeitet als Verantwortlicher für den Bereich Sittiche im Landesverband mit. Ein weiteres Vorstandsmitglied kommt aus Hildesheim: Manfred Bornemann. Er ist nicht nur Schriftführer des Verbands, sondern auch dafür verantwortlich, dass die Landesmeisterschaft nach 71 Jahren zum ersten Mal nach Hildesheim kam.

Chiara Schneider guckt sich die Schau am Samstag mit ihrem Vater an. Von den Besten-Plaketten lässt sie sich aber nicht in ihrem eigenen Urteil beeinflussen. „Ich finde den hier am schönsten“, sagt sie und zeigt auf einen kleinen roten Vogel mit schwarzem Kopf. „Das ist ein Feuerzeisig“, erklärt Züchter Rittgarn. Der Vogel stammt aus Venezuela und Kolumbien. In Freiheit soll es dort nur noch wenige Exemplare geben.

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