Hildesheim - Sie liegen in einem Hinterhof in der Neustadt, unsichtbar für die meisten Passanten, die hier durch die Güntherstraße laufen. Und doch haben sie sich im Laufe der Jahre und Jahrzehnte einen fast schon legendären Ruf erworben: die Werkstätten in der Hausnummmer 40. Nun aber hat der Eigentümer den Mietern, allesamt Handwerker und Gestalter mit jeweils eigenen Ateliers und Arbeitsräumen, gekündigt.
Acht bis zehn von ihnen haben hier unter einem Dach gearbeitet, mal zog ein neuer ein, ein anderer aus, für viele waren die Räume ein wichtiger Faktor beim Start ins Berufsleben. Weil sie günstig waren, weil man hier den Austausch mit den Kollegen fand und die großen Maschinen gemeinsam nutzen konnte, statt jeder eine eigene anzuschaffen. Unter anderem Peter Schmitz, inzwischen vielfach ausgezeichneter Metalldesigner, oder Cord Theinert, Werkstattleiter der Schmiede der HAWK, haben hier mal klein angefangen. Viele Ausstellungen zogen Hildesheimerinnen und Hildesheimer in die Werkstätten.
Heizung? Wärmedämmung? Gab es hier nicht
Bis zum kommenden Frühjahr müssen sie nun alle neue Unterkünfte finden, erzählt Imke Ganteför, die Möbel aus Metall, aber auch Taschen und Gürtel aus Leder herstellt und repariert. „Wir werden so als Gemeinschaft nicht zusammenbleiben können, das ist inzwischen klar. Räume wie diese, in denen wir alle in einem Haus, aber dennoch jeder in seinem Bereich arbeiten können, wird es nicht noch einmal geben.“
Zumal die Miete in dem alten Hinterhofgebäude sehr günstig war und ist – wenn auch um den Preis des Komforts. Heizungen sucht man hier vergebens. „Im Winter haben wir in den Ateliers teilweise Öfen oder kleine Heizstrahler, ansonsten muss man sich eben warm anziehen“, sagt Ganteför, die wie die meisten ihrer Kolleginnen und Kollegen auch unter solchen Bedingungen gut arbeiten kann, wie sie sagt. „Wir haben hier auch schon einige Fenster mit Folie abgedichtet oder eine provisorische Wärmedämmung angebracht, damit es nicht allzu kalt wird.“ Bei einfach verglasten Fenstern und ungeschützten Wänden macht sich jede Maßnahme bemerkbar. Ein Teil des alten Gebäudes, sagt Ganteför, soll nun saniert, ein anderer abgerissen werden.
Ein Raum im Erdgeschoss für schwere Maschinen
Das würde ihr auch in einem neuen Domizil nichts ausmachen, sagt Ganteför. Sie braucht für ihre Arbeiten vor allem zwei getrennte Räume: einen für die Zeichnungen, Entwürfe und den Zuschnitt des Leders, einen zweiten für die Arbeit an schweren Maschinen. „Zumindest letzterer müsste im Erdgeschoss liegen“, sagt sie, denn wenn von schweren Maschinen die Rede ist, dann sind die auch gemeint. In der Güntherstraße hat sie etwa eine riesige, feststehende Bohrmaschine, Werkbänke mit Schraubstöcken und sogar einen offenen Ofen für Schmiedearbeiten. „Den werde ich woanders sicher nicht haben können“, sagt sie.
Hauptsache, es geht irgendwie weiter, irgendwo. Einige aus der Werkstattgemeinschaft haben bereits eine neue Unterkunft gefunden, Schmuckgestalterin Annette Reiter etwa. „Sie zieht in die Oststadt in die Pieperstraße“, sagt Ganteför. Sie selbst sucht noch ein neues Quartier. Bis zum Frühjahr, wenn die Gemeinschaft der Gestalter endgültig Geschichte sein wird.
