Hildesheim - Der Wein fließt wieder! Nach zweijähriger Corona-Pause hat am Mittwoch das erste Hildesheimer Weinfest seit 2019 begonnen – und das mit einer gehörigen Neuerung.
Traditionelle Eröffnung
„Prost Hildesheim“, sprachen Axel Kusch und die Weinköniginnen den Eröffnungstrinkspruch aus. Der Weinhändler und Vorsitzende des Hildesheimer Weinkonvents betonte, dass das Fest wie ein „Befreiungsschlag“ wirkt. Auch Oberbürgermeister Ingo Meyer (parteilos) freute sich, dass man nun endlich wieder zusammen anstoßen, einander in die Arme fallen könne.
„Sehr bewusst greifen wir die Tradition des Weinfests auf“, sagt Fritz Ahrberg. Er ist Geschäftsführer von Hildesheim Marketing, das das Weinfest gemeinsam mit Markt Event veranstaltet. Mit dem Rückgriff auf die Tradition meint Ahrberg, dass das Fest sich so anfühlen soll, wie man es in Hildesheim seit Jahren kennt. „Es lebt von der Begegnung der Menschen“, sagt er.
Die doppelte Königin
Eine große Änderung gibt es aber doch: „Wer zwei Königinnen sieht, der hat nicht zu viel getrunken“, sagte Ahrberg. Denn in der Tat standen gleich zwei Weinköniginnen auf der Bühne. Die 25-jährige Jana Wolff ist Mitarbeiterin bei Hildesheim Marketing. Seit die Hamburgerin „der Liebe wegen“ – wie sie es formuliert – nach Hildesheim kam, ist ihr die hiesige Weinkultur ans Herz gewachsen.
Mit dieser Tradition kennt sich auch Pauline Strohmeyer bestens aus. Die 21-Jährige ist Tochter der Chefin der Bürgermeisterkapelle. Der Familienname Strohmeyer alleine strahlt schon Weinkultur aus – sie war mit engagiert bei der Gründung des Hildesheimer Weinkonvents.
„Man muss Grundlage schaffen“
Während Wolff die Königin für das Jahr 2022 ist, repräsentiert Strohmeyer die ausgefallenen Weinfest-Jahre.
Nach der offiziellen Eröffnung zogen Wolff und Strohmeyer von Stand zu Stand. Ob man als Königin eigentlich sehr trinkfest sein muss? „Man muss schon eine Grundlage schaffen“, sagte Wolff der HAZ, „und das haben wir getan.“ Von Kuschs Vorschlag, nach dem Schmecken im Mund den Wein auszuspucken, waren die Königinnen allerdings nicht sehr angetan.
Weinregion an der Innerste?
Die beiden Königinnen repräsentieren auch Hildesheim als Weinanbaugebiet. Da mag vielleicht der eine oder andere überrascht sein, schließlich erstrecken sich hier kaum die Weinhänge bis zum Horizont. „Jährlich gibt es etwa 40 bis 100 Liter Hildesheimer Wein“, sagt Ahrberg. „Da kommt man normalerweise gar nicht ran.“ Um möglichst vielen am Geschmack des Müller-Thurgaus aus dem Magdalenengarten teilhaben zu lassen, gibt es in diesem Jahr eine besondere Aktion.
Weinhändler Kusch hat die Sonderedition „Magdalenengarten“ ins Leben gerufen. Dabei wird der seltene Hildesheimer Wein mit einem anderen Müller-Thurgau vermengt. Ein Euro pro Flasche fließen dabei in die Pflege und Instandhaltung des hiesigen Weinbergs.
Wein fließt bis Mitternacht
Ein gutes Dutzend Stände steht in diesem Jahr zum Weinfest auf dem Marktplatz. Bis Sonntag bieten sie Speis und Trank an. Neben den Winzern, die aus ihren Weinanbaugebieten angereist sind, sind auch Angebote von Weinhändlern und Gastronomen vor Ort. Der Verkauf startet jeweils um 11 Uhr. Am Sonn- und am Feiertag geht das Weinfest bis 22 Uhr, am Mittwoch, Freitag und Samstag bis Mitternacht.



