Hildesheim - Für 260 Menschen, die im Hildesheimer Stadtgebiet oder Landkreis leben, war 2022 ein besonderes Jahr: Sie wurden eingebürgert und in Hildesheim willkommen geheißen. Um diesen neuen Lebensabschnitt auch offiziell zu feiern, lud die Stadt zur traditionellen Einbürgerungsfeier ein.
Neu-Hildesheimer und -Hildesheimerinnen kommen aus allen Teilen der Welt
„Sie haben sich nicht nur für ein Leben in Deutschland entschieden, sondern ganz bewusst auch für ein Leben in Hildesheim. Das freut mich natürlich besonders und es ist eine gute Wahl, denn Hildesheim ist eine lebendige Stadt, die viel zu bieten hat“, erklärte Oberbürgermeister Ingo Meyer beim offiziellen Empfang im Rathaus. Im vergangenen Jahr gewann Hildesheim durch Einbürgerungen insgesamt 398 Menschen als Neubürgerinnen und -bürger – die höchste Zahl der vergangenen elf Jahre.
In diesem Jahr kommen die Neu-Hildesheimer und -Hildesheimerinnen ursprünglich aus allen Teilen der Welt: Syrien, Libanon, Polen, Indien, Schweden, Türkei, Kolumbien, Kroatien, Iran, Armenien, Ghana, Ukraine, Kamerun, Afghanistan, Albanien, Ungarn, Italien, Russland, Thailand, Irak, Mexiko und Rumänien.
Meyer befürwortet Reform – doch sieht auch Probleme
So gut die Stimmung bei der Feier im Rathaus auch war, derzeit sorgen die Pläne von Bundesinnenministerin Nancy Faeser für Debatten. Während Faeser Hürden im Einbürgerungs- Prozess senken will, stemmt sich vor allem die Opposition dagegen. Die Union fürchtet, die Staatsbürgerschaft zu „verramschen“. Oberbürgermeister Meyer kann das nicht nachvollziehen. „Grundsätzlich befürworte ich die Reform“, so Meyer. Vor allem die verkürzte Wartezeit von acht auf fünf Jahre sei nachvollziehbar, „denn bei den Personen, die die Voraussetzungen erfüllen, handelt es sich um Menschen, die Deutsch sprechen, integriert sind und selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen“.
Gleichzeitig warnt Meyer aber auch vor einem großen Verwaltungsaufwand. „Schlicht, weil sich in den nächsten Jahren zunächst die Anträge ballen werden, die alle bearbeitet werden müssen.“
Große Erleichterung bei den EIngebürgerten
Für Eya Homri war die offizielle Einbürgerung eine „große Erleichterung“. Die gebürtige Tunesierin nahm stellvertretend für alle Neu-Hildesheimer und -Hildesheimerinnen die Einbürgerungsurkunde entgegen. „Ich fühle mich jetzt noch heimischer in Deutschland. Ich habe eine Sorge weniger“, so Homri, die 2016 nach Deutschland kam und seit 2019 in Hildesheim lebt und als Kinderärztin arbeitet.
Besonders während der Corona-Hochphasen seien Behördengänge schwierig zu organisieren gewesen, Anträge hätten länger gedauert. „Ich hatte das immer im Hinterkopf“, sagt Homri im Bezug auf ihren damals noch begrenzten Aufenthaltsstatus. Vor allem Nachbarn und Kollegen hätten sie in dieser Zeit unterstützt.
Berufsfreiheit und Wahlrecht, aber auch Pflichten
Die deutsche Einbürgerung hat sowohl Vorteile als auch Pflichten. Neben Berufsfreiheit und Wahlrecht können sich eingebürgerte Menschen auch ihren Wohnort und Arbeitsplatz frei aussuchen. Außerdem können sie leichter Sozialleistungen, Kindergeld und Familienbeihilfe bekommen und Familienangehörige aus dem Ausland können leichter nach Deutschland einreisen.
Gleichzeitig müssen eingebürgerte Deutsche aber auch als Wahlhelfende, Schöffin oder Schöffen oder Helfer im Rechtswesen zur Verfügung stehen und eine Staatsbürgerschaft außerhalb der EU aufgeben.
TV-Bericht zum Thema „Einbürgerung“ in der ZDF-Drehscheibe
In der ZDF-Sendung „Drehscheibe“ gibt es am Mittwoch, 21. Dezember um 12.10 Uhr auch einen Bericht zum Thema „Einbürgerung“, in dem Teile der Hildesheimer Feier zu sehen sein werden.
