Kleinkunst in der KuFa

Hildesheim: Improvisations-Performance ohne Tabus

Hildesheim - Duo-Formation Light-Slaughters bildet Höhepunkt der Kleinkunstreihe in der Kulturfabrik Löseke in Hildesheim – und verabschiedet sich gleichzeitig.

Nele Kießling und Jannis Kaffka alias Nele und Achim vom Duo Light-Slaughters verabschieden sich mit diesem Konzert. Foto: Claus-Ulrich Heinke

Hildesheim - Das war ein großer Abend für die Duo-Formation Light-Slaughters. Die Sängerin Libby und der ebenfalls singende Pianist und Gitarrist Achim hatten ihre Welt-Tournee extra für einen Auftritt in der Kulturfabrik unterbrochen, um ihr aktuelles Programm auch den Hildesheimer Fans vorzustellen, wobei eine Fünfer-Gruppe aus Sarstedt besonders herzlich begrüßt wurde. Das 2Gplus gefilterte Publikum feierte dieses einmalige Duo immer wieder mit jubelndem Beifall und zum Schluss mit lautstarken Zugabe-Rufen. Dabei hatte der Auftritt in Hildesheim eine schmerzliche Bedeutung. Light-Slaughters verabschiedet sich mit diesem Konzert für immer von seinem Publikum. Der Auftritt war ein Höhepunkt der neuen Kleinkunstreihe, die der Kabarettist Friedolin Müller seit Oktober in der KuFa präsentiert.

Rosenbusch und Labskaus

Moment mal. Kleinkunstreihe? Was war an dem Auftritt von Light-Slaughters Kleinkunst? Alles. Das ganze Programm, die Texte, die Stories, die Musik und die Dialoge waren bestes, erst am Abend entstandenes Improvisations-Theater, dargestellt von Nele Kießling und Jannis Kaffka. Gleich zu Beginn fragten sie ins Publikum: „Wie sollen wir heißen? Light-Slaughters. Okay. Unsere Namen? Achim und Libby. Okay. Welche Eigenschaften haben wir? Achim vorlaut und pragmatisch, Libby aktiv und nervös. Okay. Und nennt uns die Titel der Songs.“ So entsteht das Musik-Duo Libby und Achim, das es noch nie gab und danach auch nicht mehr geben wird. Auf ihrer Playlist haben sie nun Titel stehen wie „Rosenbusch“, „Impf mich“, „Tanze Rumba mit mir“, „Mein Kugelschreiber ist leer“ und „Labskaus“.

Was sie dann aus dieser Publikums-Kreativität machen, ist ein immer wieder belachter Knaller. Klar, da gibt es auch mal Durchhänger oder sie können selbst nicht weiter vor Lachen. Aber insgesamt gelingt ihnen eine großartige Improvisations-Performance.

Ganzkörperrasur reflektiert

Urkomisch, wie aus den Titelwünschen des Publikums Songs werden, die bei jeder Nummer die passende musikalische Sprache finden. Das groovt und swingt, wird aber auch leise und ironisch poetisch. Dabei kennen die Light-Slaughters keine Tabus und gehen oft bis hart an die Grenze des öffentlich Erlaubten. So nutzen sie die lyrische Betrachtung des Rosenbusches zu Reflexionen über Ganzkörperrasur vor allem unterhalb der Gürtellinie.

Da ermuntert ihr Rumba-Lied Menschen in Seniorenheimen zum belebenden Hüftgelenkstanz. Da wird die tragische Feststellung „Mein Kugelschreiber ist leer“ zum dramatischen Duett über eine missglückte Liebesnacht. Und beim Song „Labskaus“ hat Libby die selbstkritische Erkenntnis, dass in ihrem Kopf immer nur Mischmasch sei. Das ermögliche ihr zwar Kreativität, bringe aber ihren Alltag oft ärgerlich durcheinander.

Ein großer Abend

Achim und Libby scheinen immer wieder zu vergessen, dass sie auf einer Bühne vor Publikum agieren. Denn sie liefern sich zwischen den Songs teilweise perfide Diskussionen über die Qualität ihrer Beziehung, mal sich ständig ins Wort fallend, mal sich endlos lange anschweigend. Aber prima, dass man dadurch Libby und Achim persönlich näher kennenlernt. Dazu gehört dann auch, dass Libby auf offener Bühne ihrem Partner eröffnet, sie habe einen Solo-Vertrag mit Sony in Aussicht. Erschütternd, wie Achim sich resignierend sein weiteres Musikerleben als Straßenkünstler ausmalt. Man muss aber fragen, ob Libby damit eine kluge Entscheidung getroffen hat. Denn das Duo ist eindeutig auf einem Höhepunkt seiner künstlerischen Möglichkeiten angelangt. Wirklich schade, dass die „Light-Slaughters“ keine Zukunft mehr haben werden. Aber dieses Konzert war noch einmal ein großer Abend für die Light-Slaughters – und natürlich vor allem für das Improvisations-Duo Nele Kießling und Jannis Kaffka.

Der nächste Termin in der Kleinkunstreihe ist am Freitag, 10. Dezember, mit Musik-Kabarettist Matthias Brodowy und seinem Programm „Keine Zeit für Pessimismus“.

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