Hildesheim - Was wäre die Adventszeit ohne ihr wohl bekanntestes Werk: das Weihnachtsoratorium von Bach. Das hat sich auch Andreaskantor Bernhard Römer gedacht und will trotz Pandemie am Sonntag, 19. Dezember, alle sechs Teile aufführen – unter Einhaltung aller vorgeschriebenen Hygiene-Regeln.
„Ritt auf der Rasierklinge“
Sicherlich ein Wagnis, denn immerhin sind 65 Musikerinnen und Musiker beteiligt. „Eine Gesamtaufführung des Bachschen Weihnachtsoratoriums gleicht nicht nur finanziell einem Ritt auf der Rasierklinge“, verdeutlicht Römer. Denn auch die Probensituation sei derzeit nicht gerade einfach. Am zweiten Adventswochenende habe das musikalisch Projekt wegen zahlreicher roter Corona-Warn-Apps bei Chormitgliedern und auch beim Kantor selbst schon auf Messers Schneide gestanden. Doch Römer ist zuversichtlich, dass die Hildesheimer auch in diesem Jahr nicht auf ihr traditionelles Weihnachtsoratorium verzichten müssen.
„Bach hat die Weihnachtsgeschichte mit prachtvollem Chor- und Trompetengeschmetter sowie sanften Arien konkurrenzlos eindrucksvoll und die Sinne betörend in Töne gesetzt“, kommt Römer immer noch ins Schwärmen. Dabei höre man dem Werk nicht an, dass der Komponist dafür im Jahr 1734 ungezählte Chöre und Arien aus anderen Kantaten gewissermaßen „recycelt“ habe.
Historische Aufführungspraxis
Römer kündigt an, dass das Weihnachtsoratorium im Original-Klanggewand erklingen soll. Das norddeutsch Barockensemble „La festa musicale“ gehört zu einer neuen Generation der historischen Aufführungspraxis und wird den Orchesterpart übernehmen. Als Evangelist ist der gefragte Tenor Daniel Johannsen zu hören. Das Solistenquartett komplettieren die chilenisch-italienische Sopranistin Catalina Bertucci sowie die beiden Österreicher Margot Oitzinger (Mezzosopran) und Matthias Helm (Bariton). Es singt die Andreas-Kantorei unter der musikalischen Gesamtleitung von Bernhard Römer, der nicht vor dem Orchester steht, sondern vom Cembalo aus Chor und Orchester führt.
Alle sechs Teile an einem Abend
Um 17 Uhr werden die Teile eins bis drei aufgeführt, um 20 Uhr dann die Teile vier bis sechs aufgeführt. Das beide Konzertteile umfassende Ticket kostet 23 bis 34 Euro (ermäßigt 17 bis 27 Euro). Noch gibt es Karten unter anderem bei Amei’s Buchecke, in allen Reservix-Verkaufsstellen und im Internet über www.andreaskantorei.de als print@home-Ticket. Es gilt die 2G-Regel und FFP2-Maskenpflicht. Diese darf dann am Sitzplatz in der Kirche abgenommen werden.

