Hildesheim - Die Stadt steht kurz vor dem Start des Digitalen Verkehrsleitsystems: Es soll Autofahrern durch Hinweise auf LED-Tafeln an den Zufahrtsstraßen ersparen, in einen Stau in der Schuhstraße oder Kaiserstraße zu geraten, wenn dort ohnehin schon nichts geht – der Verkehr soll stattdessen auf Umleitungen um das Zentrum herumfließen. Die LED-Tafeln und die nötigen Hinweisschilder sind montiert, die gesamte Technik installiert, sie läuft bereits im Probebetrieb. Ein Fachbüro prüft derzeit, ob das System funktioniert. Ist das so, will die Stadt es voraussichtlich Anfang Juli scharf stellen.
Dem einen oder anderen Autofahrer dürften die etwa 1,50 Meter mal 2,50 Meter schwarzen Bildschirme längst aufgefallen sein: Einer steht am Berliner Kreisel, ein anderer an der Goslarschen Landstraße, auch auf dem Kennedydamm, der Marienburger Straße und auf der Bückebergstraße sind Exemplare zu finden. Insgesamt gibt es neun dieser LED-Tafeln.
Verkehrsrechner schaltet Ampeln zugunsten der Umleitungen
Noch sind ihre Oberflächen dunkel. Doch künftig sollen sie Autofahrer auf dem Weg nach Hildesheim weit vor dem Zentrum mit Botschaften in Leuchtbuchstaben auf Probleme in der Kaiserstraße und in der Schuhstraße aufmerksam machen. Dass der Verkehr stockt oder die Luft zu schlecht ist, melden zwei Umweltsensoren (sie erfassen die Luftbelastung), 44 Induktionsschleifen (sie zählen an 21 Standorten die Verkehrsmenge und die Art der Fahrzeuge) und 23 Bluetooth-Scanner (sie messen die Geschwindigkeit, mit dem der Verkehr in der Innenstadt vorankommt).
Der Verkehrsrechner der Stadt schaltet die Ampeln dann so, dass Kaiser- und/oder Schuhstraße entlastet werden. „Damit weniger Verkehr hineinfließt“, erklärt Bettina Beyer, Verkehrsingenieurin bei der Stadt. Gleichzeitig wählt der Rechner anhand der Daten die beste von insgesamt knapp zehn Umleitungsstrecken aus und steuert die Ampeln dort so, dass man zügig vorankommt.
Doch wie erfahren die Autofahrer, wie sie das Zentrum umfahren sollen? Dafür leuchtet auf den Info-Tafeln zusätzlich zum Stau-Hinweis eine Nummer auf, die sich an Schildern entlang der jeweiligen Umleitung wiederfindet. Die Hauptumleitungsroute im Norden führt über die Achse Römerring-Münchewiese-B6, im Süden über Am Kreuzfeld-Hohnsen-Alfelder Straße. Die Stadt hat insgesamt knapp 50 Schilder anbringen lassen, um die Strecken auszuweisen.
Die Daten müssen stimmen – Fachbüro prüft, ob das so ist
Damit das System funktioniert, müssen allerdings die Daten stimmen, die von einzelnen Bausteinen an den Rechner gehen. Um deren Plausibilität zu testen, hatte ein Fachbüro nach dem Start des Probebetriebs im April für einige Zeit Kameras an bestimmten Punkten angebracht: Anhand der Bilder lasse sich prüfen, ob die Zahl der vom System angegebenen Autos und Lastwagen an einer bestimmten Stelle der Wirklichkeit entspreche, sagt Beyer. Die Auswertung dauere noch an, das Ergebnis liege noch nicht vor.
Von diesem hängt ab, ob die Stadt wirklich wie geplant Anfang Juli starten kann. Und selbst wenn, könne es dennoch sein, dass Autofahrer davon nichts mitbekämen, betont Beyer: „Läuft der Verkehr, bleiben die Info-Tafeln dunkel.“ Die Verwaltung denke aber darüber nach, sie dann für andere Hinweise zu nutzen – zum Beispiel der Aufforderung, den Sicherheitsabstand zu Fahrradfahrern einzuhalten.
Was genau ist ein „Stau“? Die Werte legt die Stadt noch fest
Doch was heißt überhaupt „Stau“? Schließlich stockt der Verkehr gerade in der Kaiserstraße ohnehin häufig. Die Stadt und ihr Fachbüro müssten dazu erst noch genaue Werte festsetzen, die der Rechner als Problem erkennen soll, berichtet Beyer – auch dazu diene der Probebetrieb.
Das Digitale Verkehrsleitsystems ist der erste Baustein des „Green City Plans“, mit dem die Stadt das Zentrum vom Verkehr entlasten will. Das Projekt kostet rund 1,8 Millionen Euro, die Stadt zahlt nichts davon: 30 Prozent übernimmt das Land, die übrigen 70 Prozent trägt der Bund. Im Zuge des Vorhabens hat die Verwaltung auch in neun Straßen technische Möglichkeiten einrichten lassen, die Zahl der Fahrräder zu erfassen – von den Daten erhofft sich das Rathaus auch Aufschluss darüber, ob die Verkehrspolitik der Stadt wirklich zu einer Zunahme des Radverkehrs führt.
