Sänger stammte aus der Stadt

Hildesheim würdigt Schlagerstar Bernd Clüver: Erinnerungsplakette hängt jetzt an einstigem Wohnhaus

Hildesheim - In Hildesheim erinnert seit Sonnabendnachmittag eine Plakette an einem Haus in der Nordstadt an Bernd Clüver: Der Schlagersänger hatte in dem Gebäude seine ersten sieben Lebensjahre verbracht.

Hildesheim - Das konnte Anna Eunike Röhrig nicht verstehen: Bernd Clüver ist in Hildesheim geboren, hat seine ersten Lebensjahre hier verbracht. Und doch findet sich in der Heimatstadt des 2011 verstorbenen Schlagerstars kein Hinweis auf ihn? Das müsse sich ändern, fand die Autorin, die Clüvers Hildesheim-Wurzeln 2016 bekanntmachte. Recht hat Röhrig, dachte Mirco Weiß. Der frühere Ratsherr nahm sich der Sache an, gewann die Stadt und Sven Abromeit, den Vorsitzenden des Heimat- und Geschichtsvereins, für das Anliegen, es fanden sich Sponsoren. Am Sonnabend strahlten Röhrig und Weiß um die Wette: Nun hängt an dem Mehrfamilienhaus im Alten Dorf 1, in dem Clüver gelebt hat, eine Plakette.

Der Sänger hatte sieben Jahre, von 1948 bis 1955, in dem Gebäude in der Nordstadt gelebt, dann war seine Familie nach Süddeutschland gezogen. In der früheren Wohnung der Clüvers sind heute Flüchtlinge aus Afghanistan zu Hause. Das öffentliche Interesse an dem Gebäude hielt sich bislang in Grenzen.

Orloff wird seinem Job als Stargast gerecht

Am Sonnabend jedoch stehen bereits eine halbe Stunde, bevor die Plakette enthüllt werden soll, Dutzende Zuschauer davor. Zur Zeremonie selbst sind es dann 150 – darunter viele Frauen, die meisten älter. Eine von ihnen ist Marie Beyand. Ihr Sohn Walter Ahrbecker hat die 92-Jährige in ihrem Rollstuhl zum Alten Dorf geschoben. „Wir haben die Platten von Bernd Clüver auch gehört, wir fanden die gut“, sagt der 67-Jährige, seine Mutter nickt und lächelt. „Das war unsere Zeit“. So erklären viele Menschen, warum sie da sind.

Auf einmal geht ein Raunen durchs Publikum: Peter Orloff erscheint. Weiß hat den 79-Jährigen Musiker und Produzenten als Stargast für den Nachmittag gewonnen. Orloff wird der Rolle im Nu gerecht. „Hallo“ ruft er – enge Jeans, weiße Turnschuhe, sportliches Jackett – den Zuschauern zu. Und die rufen tatsächlich zurück. Orloff hat viele Jahre mit Clüver zusammengearbeitet, unter anderem den Text zu dem Song „Der Junge mit der Mundharmonika“ geschrieben, mit dem Clüver 1973 der Durchbruch gelang. „Er hat ihn entdeckt“, sagt Oberbürgermeister Ingo Meyer.

Peter Orloff hat Bernd Clüver entdeckt

Ingo Meyer, Oberbürgermeister

Vor allem aber habe ihn eine lebenslange Freundschaft mit dem Sänger verbunden, betont Orloff. Immer wieder dankt er im Laufe des Nachmittags Weiß und Röhrig („die wunderbare Eunike!“) für deren Anstoß, Clüver zu würdigen. Der sei ehrlich und bodenständig gewesen, man habe sich auf sein Wort verlassen können, sagt Orloff der HAZ.

Es sollte eine Straße oder ein Platz nach Bernd benannt werden

Peter Orloff, Freund von Clüver

„Und wir haben beide das Leben geliebt.“ Clüvers Musik sei bis heute in den Herzen der Menschen geblieben, die Erinnerungstafel dürfe nur ein Zwischenschritt sein. „Es sollte eine Straße oder ein Platz nach Bernd in Hildesheim benannt werden. Das hat er verdient – oder?“ Viele Zuschauer rufen: „ja!“.

Konzert in der Kufa

Von denen gehen etliche anschließend mit zur Kulturfabrik, dort folgt nach einer Regenpause ein Konzert. Orloff singt zur Musik vom Band die größten Hits Clüvers: „Der Junge mit der Mundharmonika“, „Der Kleine Prinz“,„Königin der Nacht“. Auch hier sind 150 Zuschauer dabei, viele klatschen mit, ein Frauen-Paar tanzt. Am Ende ist sogar Bernd Clüver selbst zu hören: Orloff spielt eine Aufnahme des Stücks „Ein Märchenschloss“ vor – er habe sie 50 Jahre lang gesucht und erst vor kurzem wiedergefunden. In einer Talkrunde mit Weiß und Röhrig trägt Orloff Anekdoten vor. So hätten sich Clüver und er gegenseitig für homosexuell gehalten, berichtet er, nach all den Jahren immer noch amüsiert. „Ein gravierender Irrtum, wie wir feststellten.“ Autorin Röhrig berichtet, dass sie auch sechs Jahre nach der Veröffentlichung immer noch Post zu ihrer Clüver-Biographie bekomme: „Er ist nicht weg vom Fenster, überhaupt nicht.“

Es war mega

Fan

Nach zweieinhalb Stunden ist die Clüver-Veranstaltung vorbei. „Es war mega“, schwärmt Birgit Mattka, Leiterin eines Clüver- und Orloffs-Fanclub aus Nordrhein-Westfalen. Auch Clüvers Schwester Ingrid, aus Westerstede angereist, ist begeistert: Die Würdigung hätte ihrem Bruder gefallen, ist die 71-Jährige sicher. „Ich hoffe, er sitzt auf Wolke 13 und freut sich.“

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