Hildesheim - Der Airbus-Zulieferer Howmet Aerospace (ehemals Arconic) baut in Hildesheim rund ein Drittel aller Arbeitsplätze ab. 67 Mitarbeiter sind jetzt in eine Transfergesellschaft gewechselt, zwei haben Aufhebungsverträge unterschrieben, zwei weitere ließen sich kündigen. Das hat Geschäftsführer Jens Harde am Mittwoch gegenüber der HAZ erklärt. Insgesamt sind damit gegenüber dem Frühjahr vergangenen Jahres 83 Stellen gestrichen worden – Howmet hatte zuvor bereits befristete Verträge auslaufen lassen und sich von Leiharbeitern getrennt.
Kaum direkte Entlassungen
Ursprünglich hatte die Konzernzentrale in den USA sogar den Abbau von 104 Stellen in Hildesheim gefordert. „Wir konnten aber darlegen, dass das aus unserer Sicht zu viel wäre, und erreichen, dass weniger Kollegen gehen müssen“, betont Harde. Dennoch sei die Entwicklung natürlich „bitter, zumal aufgrund der Pandemie auch die persönlichen Gespräche zu dem Thema stark auf der Strecke geblieben sind“.
Immerhin gelinge der Personalabbau durch die Transfergesellschaft praktisch ohne Entlassungen. Um den Beschäftigten das Konstrukt direkt zu präsentieren, mietete Howmet extra die Halle 39 an. Viele Beschäftigte griffen schnell zu. Einige mit der Absicht, die Zeit für eine komplette berufliche Umorientierung zu nutzen, wie das Unternehmen berichtet.
Puffer für Aufträge
In der Transfergesellschaft gibt es für bis zu zwölf Monate 85 Prozent des Gehalts, berichtet Harde und lobt Betriebsrat und IG Metall für „sehr konstruktive und lösungsorientierte Verhandlungen“. Aus der Gewerkschaft heißt es, Harde habe sich tatsächlich gegenüber dem Howmet-Konzern „intensiv und auch erfolgreich“ für die Arbeitnehmer eingesetzt.
Das Argument des Geschäftsführers gegen einen noch größeren Kahlschlag: „Dann hätten wir das Personal gehabt, das wir bei der aktuellen Auftragslage brauchen – bei einem Anziehen der Konjunktur in unserer Branche hätten wir aber Aufträge an die Konkurrenz verlieren können, weil wir sie personell nicht hätten bewältigen können.“ Zudem sei der Standort bei der Digitalisierung schon sehr weit, habe entsprechend viele besonders gut qualifizierte Mitarbeiter.
Immer neue Zahlen von Airbus
So setzt Howmet Aerospace in Hildesheim weiter auf Kurzarbeit, wenn auch derzeit nur zu einem geringen Teil. „Die Möglichkeit bleibt uns aber das ganze Jahr über, so können wir Leute an Bord halten“, so Harde. Er betont zudem, im Fall von Kurzarbeit werde auch ihm und den anderen Mitgliedern des Managements das Einkommen analog gekürzt.
Howmet Aerospace ist stark von der Luftfahrt-Branche und darin besonders von Airbus abhängig. „Der Markt ist volatil, aber einen leichten Anstieg der Auftragslage erwarten wir erst für das zweite Halbjahr 2022“, blickt Harde voraus. Das Niveau des Jahres 2019 werde voraussichtlich sogar erst in drei bis vier Jahren wieder erreicht. Kurzfristig könne es dennoch ein Auf und Ab geben: „Wir bekommen ständig neue Zahlen von Airbus.“
Interesse an Azubis
Ungeachtet der schwierigen Situation bekommt Howmet Aerospace in Hildesheim derzeit ungewöhnlich viele Anfragen und Bewerbungen von potenziellen Auszubildenden, berichtet Harde weiter. „Wir wollen auch neue Azubis einstellen, das ist ein wirklich wichtiges Signal, dass es hier weitergeht.“ Unter anderem sucht die Firma angehende Werkzeugmacher und bildet in Kooperation mit der Continental AG in Hannover im Bereich Elektroautomatisations-Technologie aus. Die Azubis sind dann erst ein Jahr bei Conti und danach bei Howmet.
