Angelshop Mücke schließt

Hildesheimer Anglerparadies macht dicht – wie es nun weitergeht

Hildesheim - Fast 50 Jahre hat Thomas Mücke Zubehör für Hobbyangler verkauft und ist so etwas wie eine Institution für diesen Sport geworden. Was mit seinem Geschäft passiert und was er selbst für Pläne schmiedet.

Thomas Mücke (vorn) schließt sein Anglergeschäft, einkaufen kann man noch bei Michael Lehr in Alfeld (rechts), Köder auch bei Matthias Fleige (links). Foto: Julia Moras

Hildesheim - Nur noch wenige Köder, Blinker, Schwimmer und Dartpfeile zeugen von einer fast 50-jährigen Verkaufsgeschichte von Anglerbedarf: Am 28. Februar schließt Thomas Mücke zum letzten Mal sein Geschäft an der Zingel ab und geht. In den Ruhestand. „Endlich“, sagt der 65-Jährige.

Noch hört er täglich die Ladenklingel. Weil immer wieder Kunden kommen, um ihren Bedarf aufzufüllen, aber auch um Abschied zu nehmen. Mücke ist in Hildesheim was das Angeln angeht sozusagen die höchste Instanz gewesen. Fast 25 als Verkäufer bei Horten angestellt, fast 25 Jahre als Geschäftsmann selbständig und die letzten 25 Jahre im Vorstand des Hildesheimer Anglervereins, acht Jahre davon als Vorsitzender.

Mehr als 1000 Angler im Landkreis

900 Mitglieder zählt sein Verein, im Rössinger Verein sind es weitere 400, und etliche mehr im ganzen Landkreis sind es – weit mehr als 1000 leidenschaftliche Angel- und damit auch Naturliebhaber. Davon ist Mücke selbst fest überzeugt, der seinen Beruf vor fast 50 Jahren selbst zum Hobby gemacht hat. „Ich kann nur so ein Geschäft führen, wenn ich etwas davon verstehen, also selbst angle“, sagt er.

Und so hatte es auch angefangen. Mit dem Geschäftlichen. 1972 hat er seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei Horten zu Ende gebracht, sein erster Lehrbetrieb musste schließen. Als wechselte Mücke in die Sport- und Angelabteilung bei Horten. Daher auch sein Sinn für den Dartsport. „Der Verkauf von Dartartikeln rettet einen über die kalten Monate, in denen weniger geangelt wird“, erzählt er.

Fachbedarf für Dartsportler

Er hat sich bei Horten schulen lassen für die Angelabteilung, hat immer wieder mit den Kunden über das Thema geredet, ist dann zum Angeln eingeladen worden und hat schließlich seinen Angelschein gemacht. Seinen ersten Fisch hatte er allerdings aus dem Wasser geholt, als er mit seinem Vater angeln war: einen fünf Pfund schweren Karpfen. Quasi so eine Art Kampffisch: „Die wehren sich so richtig.“ Mücke hat ihn besiegt, bekam aber Mitleid, hat ihn vom Haken gelöst und wieder freigelassen.

Aber damals ist es passiert: „Es hat Klick gemacht, ich bekam das Angelfieber.“ Kein Jagdfieber wohlgemerkt. Denn für ihn geht es nicht um das Fischefangen als solches. „Man fängt das, was man auch essen will“, sagt er. Und dazu verbringt man viel, viel Zeit in der Natur. „Es zählt zu den schönsten Erlebnissen, wenn der Morgen dämmert, man ist draußen in der Natur und sie erwacht ganz allmählich“, schwärmt er.

Erlebnisse in der Natur

Dafür haben er und seine Frau nun bald viel Zeit. Denn obwohl beide das Angeln lieben, konnten sie kaum ihrer Passion frönen. Sechs Tage die Woche hat er die letzten 25 Jahre hinter dem Ladentresen verbraucht. Zehn Tage Urlaub sprangen für beide dabei heraus. Das wird jetzt anders.

„Ich muss noch viele Gewässer im Landkreis entdecken, mit meiner Frau reisen und unseren Sohn in Österreich besuchen“, zählt er auf. Seit einem Jahr hat er sich aktiv mit der Zeit beschäftigt, wenn das Geschäftsleben endet. „Wer sich dann aufs Sofa legt, wird leicht zum Alkoholiker“, sagt Mücke. Das läuft bei ihm nicht. Er hat sich ein Pedelec gekauft und vor einiger Zeit eine richtig gute Kamera, neben dem Angeln ein anderes, nun neues Hobby.

Lebendige Köder im Kühlfach

Wer künftig im Landkreis Angelbedarf einkaufen will – außer im Internet – wird in Alfeld bei Michael Lehr in der Borsigstraße im Angel- und Zooparadies fündig. Lebendköder wie Bienen- oder andere Maden verkauft Matthias Fleige in der Frankenstraße 2A in Hildesheim, er hat von Mücke die Kühlschränke übernommen.

Was künftig mit dem leerstehenden Laden passiert, ist noch offen. Eigentümer ist der Schuhmachermeister Karsten König aus der Jakobistraße: „Ich suche einen Nachmieter für ein Fachgeschäft.“ Die Lage sei gut: „Man kann dort mit dem Auto vorfahren.“ Und es gehen viele Leute an den Schaufenstern vorbei. Das weiß der Schuhfachmann aus eigener Anschauung: „Wenn mal Schnee liegt, sind dort mehr Spuren als hier in der Jakobistraße.“

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.