Hildesheim - Was sich in den vergangenen Tagen bereits als mögliche Konsequenz aus den stark gestiegenen Infektionszahlen andeutete, steht nun fest: Erneut müssen Bars, Lokale und Restaurants schließen. Bereits ab dem kommenden Montag soll die Regelung in Kraft treten – zunächst für den Monat November.
Eine Nachricht, die die Hildesheimer Gastronomen bestürzt. „Mir wird das Geldverdienen verboten“, sagt Helge Peinzger vom Hofcafé, der im November ins Nil im Museum umziehen und dort mit neuem Konzept weitermachen wollte. Der Politik fehle das Vertrauen in die Gastronomen. „Das sind Leute, die ein Handwerk ausüben, das sie gelernt haben. Und die nach dem ersten Lockdown alle Hygieneregeln und Vorschriften umgesetzt haben, um wieder aufmachen zu können.“ Selbst Virologen des RKI seien zu der Erkenntnis gelangt, dass gastronomische Betriebe kein nennenswerter Übertragungsort sind.
Auch für die Beschäftigten eine fatale Situation
Matthias Mehler, der das Nil bislang bewirtschaftete und sowohl als Gastronom als auch als Veranstalter von der Neuregelung betroffen ist – in der Halle 39 gastiert derzeit das TfN, das nun auch den Spielbetrieb einstellen muss – sieht nicht nur die wirtschaftlichen Einbußen, die ihn selbst betreffen, sondern vor allem die der Beschäftigten in den Lokalen und Restaurants: „Aushilfen verdienen von heute auf morgen gar nichts mehr, und Festangestellte werden zwar weiterbezahlt, zumindest zum Teil, aber die leben ja eigentlich vom Trinkgeld.“
Eine, die nach dem Lockdown erst gar nicht wieder aufgemacht hat, ist „Holzwurm“-Wirtin Sabine Wagener. „Mein Laden ist zu klein, um die Abstandsregeln einhalten zu können, und bei mir bleiben die Leute bis fünf Uhr morgens.“ Sie könne erst wieder aufmachen, wenn Corona kontrollierbar ist. „Wenn ich solange überlebe, klar“, sagt die Wirtin.
„Ein Drittel der 20 000 Gastro-Betriebe vor dem Aus“
Der niedersächsische Gaststätten- und Hotelverband DEHOGA erkennt in den Umsatz-Einbrüchen der Branche ein „historisches Ausmaß“. Präsident Detlef Schröder spricht in einer Pressemitteilung von „immer neuen Belastungen für unsere stark gebeutelte Branche“ und dem bevorstehenden „Aus für tausende Betriebe“. Durch einen erneuten Lockdown „werden von den rund 20 000 gastgewerblichen Betrieben in Niedersachsen ein Drittel den Winter nicht überleben“, prognostiziert Schröder.
