Hildesheim - Ungewöhnliche Zeiten wecken ungewöhnliche Kreativität: Wenn eine Modedesignerin mit Spezialgebiet Leder in Pandemie-Zeiten Langeweile hat, dann kann das am Ende schon mal in einer Pestmaske aus gegerbtem Tierfell enden. Was sich Astrid Jansen während des vergangenen Jahres hat einfallen lassen, ist noch bis zum 30. April im Schaufenster an der Lilie zu entdecken.
Am Anfang des ersten Lockdown setzte Jansen ihre Nähmaschine noch in den Dienst der Sache: Sie nähte aus Bettlaken Mund- und Nasenschutz-Masken. Erst ehrenamtlich und schlicht. Doch dann kam die Designerin durch und Jansen experimentierte mit Farbe – passend zum Kleid – und Form – geeignet für Hörgeräteträger. Die Nachfrage war groß: von der Hochzeitsgesellschaft bis zum Friseurteam. Doch dann kam die gesetzliche Verordnung, die medizinische Masken vorschrieb.
Ungebremster Tatendrang
Also musste die 59-Jährige ihren Tatendrang in eine andere Richtung lenken. Bereits während der Recherche, was eine Maske bieten muss, war Astrid Jansen auf die Pestdoktormaske gestoßen, die im Mittelalter mit ihrer langen Nase den Abstand zum Kranken garantierte und mit Kräutern im Zinken und Glas in den Augen auch für vermeintlichen Schutz sorgen sollte.
Eine Herausforderung für die Designerin, die seit vielen Jahren auch in der Upcycling-Branche unterwegs ist und ihr Geschäft für Taschen an der Lilie 2015 eröffnet hat. Jansen fertigte Schnittmuster, mit Hand wurde nach dem Vorbild Leder zugeschnitten, Löcher für die Nägel geschlagen, mit einer Sattlernaht (ein Faden mit zwei Nadeln) geschlossen und mit Nieten verziert. Als Showpiece landete die Pestmaske im Schaufenster.
Drache und Einhorn
Der rege Zulauf animierte Astrid Jansen zu mehr Masken – im übertragenen Sinn: So entstanden ein Drache, das vielarmige Fabeltier Cthulhu aus „Fluch der Karibik“ und das Einhorn, das der ungewöhnlichen Schaufenster-Ausstellung ihren Titel verlieh.
„Knochenarbeit“, beschreibt die die 59-Jährige den Aufwand: jedes Objekte braucht mindestens eine Woche. Später kamen noch Bowler, Steampunkbrille, Wikinger-Helm mit Hörnern, Cabriokappe mit Flügeln und eine Brottasche dazu. Insgesamt elf Objekte hat Astrid Jansen kreiert. Nicht nur zum Anschauen, sondern auch zum Sammeln – findet die Designerin.
„Das letzte Einhorn“ ist bis zum 30. April im Schaufenster in der Marktstraße 18 zu sehen. Danach bleiben die Ledermasken unter www.astridjansen.de sichtbar.

