Kulturelles Leben

Hildesheimer Experte warnt: Viele Musikvereine müssen nach der Corona-Krise bei Null anfangen

Kreis Hildesheim - Hohe Mieten für Proberäume aber keine Einnahmen durch Auftritte – Hannes Piening vom Arbeitskreis Musik für Jugend fordert Hilfen für Chöre und Orchester – in Hildesheim und bundesweit.

Je enger Chorsänger beieinander stehen, desto besser können sie sich gegenseitig stärken, weiß der Hildesheimer Experte Hannes Piening - darum ist die Corona-Krise gerade für Musikvereine eine Herausforderung. Foto: HAZ-Archiv (Symbolbild)

Kreis Hildesheim - Um die Corona-Krise überstehen zu können, müssen sich die Musikvereine untereinander vernetzen. Außerdem brauchen sie Unterstützungen aus der öffentlichen Hand. Nach der Phase der Überbrückung muss die Phase des Neustarts folgen. Das fordert der Hildesheimer Hannes Piening, Generalsekretär des in Wolfenbüttel ansässigen Vereins Arbeitskreis Musik in der Jugend (AMJ) und ehemaliger Generalsekretär des Landesmusikrats.

Im deutschlandweit aktiven AMJ sind Einzelpersonen und Vereine Mitglieder. „Die Vereine, die bei uns aktiv sind, gehören zu denen, die besser strukturiert sind“, sagt Piening. Denen gelinge es, Hygienekonzepte zu erstellen und Probenräume zu finden, die groß genug sind und sich lüften lassen.

Verlorene Generation

Wenn die Corona-Krise vorbei ist, müssen die Vereine wieder bei Null anfangen, meint Piening – vor allem, was die Jugendarbeit betrifft. „Der Nachwuchs ist erstmal verloren, weil es keine Möglichkeiten gibt, ihn einzubinden“, erklärt Piening. Kinder und Jugendliche hätten sich andere Angebote gesucht, die sie online geboten bekommen und seien nun nicht mehr für den Chor verfügbar.

Anders als Sportvereine können Musikvereine nur bedingt auf Online-Angebote als Ausgleich setzen. „Man kann in Videokonferenzen nicht miteinander musizieren“, erklärt er. Die größten Schwierigkeiten haben Piening zufolge ländliche Vereine, die alles in ehrenamtlicher Arbeit erledigen. Neben Arbeitszeit müssen die Vereine auch Geld investieren. „Die Miete für Räume und Lüftungsanlagen ist teuer“, sagt der Fachmann – und ohne Auftritte fielen wesentliche Einnahmen weg.

Manche trauen sich nicht zu den Proben

Viele Vereine haben vor dem Lockdown nur noch in kleinen Gruppen geprobt, erzählt der Experte. Das sei allerdings keine optimale Lösung. Niemand wisse, wie es klingt, wenn die einzelnen Gruppen wieder gemeinsam singen oder spielen. Außerdem fordere es gerade Chöre heraus, die Abstände einzuhalten. „Weniger gut ausgebildete Sänger stärken sich, indem sie eng beieinander stehen“, erklärt Piening. Aufgrund von Corona müssen sie darauf verzichten.

„Manche Mitglieder trauen sich auch gar nicht mehr zu den Proben, weil sie Angst haben, sich anzustecken“, sagt Piening. Deshalb seien viele Chöre und Orchester gar nicht mehr vollständig. Manche Vereine hätten bereits den Betrieb eingestellt und sich beim AMJ abgemeldet.

Unterstützung ist gefragt

Klare Konzepte für die Phase des Neustarts hat der AMJ noch nicht. Hier sieht Piening die Kulturbüros in der Pflicht: „Aussagen wie „Denn Kunst und Kultur sind dein Herz und deine Seele“ sind schnell geschrieben, aber jetzt müssen auch Konsequenzen folgen.“ Piening bezieht sich damit auf das Video „Eine Liebeserklärung an Hildesheim“ von Hildesheim Marketing. Es werde sich zeigen, ob ob das Netz, das im Zuge der Bewerbung als Kulturhauptstadt zwischen den Kulturschaffenden in Hildesheim entstanden ist, stark genug ist, um die Krise zu meistern.

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