Hildesheim - Kaltes Plasma ist in der Medizin und Hygiene ein echter Allrounder, denn es kann die Heilung keimbelasteter Wunden beschleunigen oder zur Reinigung und Desinfektion eingesetzt werden. Die HAWK-Hildesheim ist dabei an seinem Standort in Göttingen federführend bei der Anwendung dieser modernen Technologie. Nun soll sie auch dafür sorgen, dass die Luft in Räumen möglichst gut desinfiziert werden kann. Die Diskussion über Luftreiniger in Schulen ist längst entbrannt und wird widersprüchlich bewertet.
Mit Plasma-Energie gegen Viren
HAWK-Professor Dr. Wolfgang Viöl, Vizepräsident für Forschung und Transfer, beschreibt Plasma als den vierten Zustand von Materie. Es handelt sich um eine Form der elektrischen Entladung, die den Sauerstoff in der Luft aktivieren und damit sogenannte Radikale anregen, die Hülle von Keimen anzugreifen und diese zu zerstören. Desinfektion eben.
Eingesetzt wird diese Technologie bereits in der Medizin. Aber beispielsweise auch in Schwimmbädern, wie dem VfV-Bad in Hildesheim-Drispenstedt, wird nach technischen Lösungen gesucht. Hier wurde kürzlich mit UV-Licht aufgerüstet, um die Luft keimfrei zu bekommen.
Für Hygiene und gegen Corona
In der Region Hildesheim/Holzminden/Göttingen hat sich mittlerweile ein ganzes Forschungsnetzwerk zu diesem Thema gebildet. Gemeinsam mit Unternehmen und Universitäten erforscht die HAWK seit Jahren erfolgreich mögliche Anwendungen für kaltes Plasma. In der Coronakrise rückten neben klassischen Hygieneanwendungen auch virushaltige Aerosole in den Fokus der Arbeiten.
Da kalte Plasmen auch für die Luftreinigung geeignet sind, entwickelte die HAWK gemeinsam mit den Unternehmen oxytec AG und PlasmaComplete GmbH innerhalb kurzer Zeit den plasmabasierten Luftreiniger CleanAir Sky L. Das Gerät filtert Viren und Bakterien aller Art aus der Raumluft und vernichtet auch Schadstoffe und Allergene.
Produkt aus Hildesheim
Die Wirksamkeit des Produkts gegen Viren in Aerosolen wurde unter Realbedingungen von einem der führenden Forschungsinstitute in Europa geprüft, das Gerät ist zudem extrem leise und wartungsarm. Diese Innovation ist nicht nur nützlich für die Pandemiebekämpfung, sondern hatte auch einen spürbaren Effekt auf die Wirtschaft in der Region: Die Hildesheimer Traditionsfirma Edelstahl Nord GmbH war durch die Pandemie in Schieflage geraten und musste Insolvenz anmelden.
Die oxytec AG hat das Unternehmen übernommen; wo nun der CleanAirSky L hergestellt wird. Durch die Übernahme wurden allein in Hildesheim 55 Arbeitsplätze gerettet und zusätzliche Arbeitsplätze in Adelebsen, Göttingen, Sarstedt und Hamburg geschaffen.
Bund fördert HAWK „Plasma for Life“
Das HAWK-Netzwerk „Plasma for Life“ wird im Rahmen des Bundes-Förderprogramms „Forschung an Fachhochschulen“ langfristig und strategisch unterstützt. Im Rahmen der Maßnahme FH-Impuls sind insgesamt zehn so genannte Impulspartnerschaften entstanden, die sich jeweils einem Schwerpunktthema widmen und in ihrer Region dafür sorgen, dass Forschungsergebnisse der Hochschulen möglichst schnell in Form nützlicher Produkte und Dienstleistungen bei den Menschen ankommen.
