Großauftrag und Unternehmenskauf

Hildesheimer Knut Bettels kauft weitere Firma – und liefert mit Unternehmen Bauteile für Flüssiggas-Terminal

Hildesheim/Emden - Ein Unternehmen von Knut Bettels soll schnell nach Wilhelmshaven liefern – unterdessen kauft der Hildesheimer eine weitere Firma mit Hunderten Mitarbeitern.

Flüssiggas-Tanker sollen schon bald an einer schwimmenden Anlegeplattform in Wilhelmshaven festmachen. Produziert wird sie von einer Firma der Hildesheimer Unternehmensgruppe Bettels. Foto: dpa

Hildesheim/Emden - Die Hildesheimer Unternehmensgruppe Bettels soll wichtige Bauteile für das geplante schwimmende Flüssiggas-Terminal am Wilhelmshavener Hafen liefern – und zwar schnell. Die Produktion beginnt bereits in der kommenden Woche bei der Firma Bettels Betonfertigteile GmbH in Emden, Ende Juli startet der Einbau.

Insgesamt soll das Unternehmen neun Fertigteile liefern, darunter die 20 mal 23 Meter große Anlegeplattform und eine Zufahrtsbrücke dafür. Hinzu kommen noch sieben sogenannte Vertäudalben – in den Hafengrund gerammte mächtige Pfahlkonstruktionen zum Befestigen von Schiffen. Insgesamt sollen die Bauteile rund 3000 Tonnen wiegen, Bettels beziffert das Auftragsvolumen auf einen niedrigen Millionenbetrag.

Enger Zeitplan

Der Wunsch der Bundesregierung, die Abhängigkeit von russischem Erdgas möglichst schnell zu verringern, schlägt sich auch in dem Zeitplan nieder, der der Bettels-Tochterfirma gesetzt ist. Vom 25. Juli bis zum 10. Oktober sollen die neun Teile in Wilhelmshaven eingebaut werden. Anfang nächsten Jahres sollen bereits die ersten Flüssiggas-Tanker den Nordseehafen anlaufen, die Anlegeplattform spielt dabei eine zentrale Rolle.

Die Beschäftigten in Bettels’ Emder Unternehmen müssen für den Großauftrag jedenfalls mächtig ranklotzen. „Das Projekt muss – auch über Mehrarbeit – durch das bestehende Team umgesetzt werden, da so kurzfristig kein geeignetes qualifiziertes Personal auf dem Arbeitsmarkt verfügbar ist“, erklärte der Hildesheimer Unternehmer auf HAZ-Nachfrage. Die Firma Bettels Betonfertigteile GmbH hat rund 140 Mitarbeiter und bringt es auf einen Jahresumsatz von 25 Millionen Euro.

Bevor Bettels die Firma übernahm, belieferte sie unter dem Namen WEC Turmbau GmbH vor allem den Windrad-Riesen Enercon mit Betontürmen für dessen Windenergieanlagen. Der Hildesheimer strukturierte den Betrieb um: Er sollte unabhängiger von der Windenergie-Branche werden und sich allgemein stärker auf den Betonbau konzentrieren.

Nicht nur Windräder

Ähnliches hat Bettels nun mit einem weiteren Bauunternehmen vor, das er gerade erst in seine Firmengruppe übernommen hat: die SAM Stahlturm- und Apparatebau aus Magdeburg. Auch dieses Unternehmen hat in der Vergangenheit vor allem Windrad-Türme für Enercon geliefert, auch dieses Unternehmen leidet erheblich unter den Schwächen der Windbranche. Und auch hier plant Bettels Umstrukturierungen und schließt auch nicht aus, dass das Arbeitsplätze kosten könnte: „Umstrukturierung bedeutet möglicherweise personelle Anpassungsmaßnahmen, in jedem Fall aber temporäre Kurzarbeit für Teile der Belegschaft.“

Zugleich seien aber massive Investitionen in den Maschinenpark geplant. Wie auch das Emder Unternehmen soll SAM nicht länger auf eine Branche festgelegt bleiben, sondern im Stahlbau neue Geschäftsfelder erschließen.

Bettels hat 1200 Mitarbeiter

Langfristig soll die Firma aber auch künftig beim Bau von Windrädern aktiv sein, betont Bettels. „Die Nachfrage nach Windtürmen ist aktuell noch eher leicht rückläufig – es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass der Windmarkt ab 2024 deutlich anziehen könnte“, sagt er mit Blick auf politische Initiativen zur Beschleunigung der Energiewende in Deutschland. Wenn es so weit ist, solle SAM aber nicht wie bisher nur Enercon beliefern, vielmehr strebe er eine Zusammenarbeit mit mehreren Branchengrößen an.

Nach der SAM-Übernahme kommt die Unternehmensgruppe Bettels auf rund 1200 Beschäftigte und einen Jahresumsatz von rund 280 Millionen Euro.

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