Invaders-Quarterbacks im Interview

Hildesheimer Footballer: „Das Friedrich-Ebert-Stadion ist für mich im Vergleich noch kein Vorzeigestadion“

Hildesheim - Nelson Hughes und Hendrik Scharnbacher sind die Gesichter der Hildesheim Invaders. Im HAZ-Interview sprechen sie über Verletzungen, den Stadionwechsel und die Ziele des Teams.

Hendrik Scharnbacher (links) und Nelson Hughes haben ihren Vertrag bei den Hildesheim Invaders verlängert. Ihre Erwartungen an die kommende Football-Saison sind groß. Sie wollen mit dem Team ins Endspiel kommen. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Sie sind die wichtigsten Spieler bei den Hildesheimer Footballern. Die Invaders-Quarterbacks Nelson Hughes und Hendrik Scharnbacher haben eine turbulente Erstliga-Saison hinter sich. Hughes hat gespielt, sich schwer am Wurfarm verletzt und Scharnbacher sprang für ihn ein. Ganz nebenbei kehrte noch ein alter Bekannter auf die Trainerbank zurück. Jetzt haben sie ihre Verträge bei den Invaders verlängert. Im Interview mit dieser Zeitung reden die beiden kurz vorm Super Bowl über eine wilde Saison, den Wechsel ins Friedrich-Ebert-Stadion, das Leben in Hildesheim und die Verletzung von Hughes. Übrigens: Am Sonntag veranstalten die Invaders im Hildesheimer Novotel ab 22 Uhr eine Super-Bowl-Watch-Party. Karten gibt es für 27,50 Euro an der Abendkasse..

HAZ: Vor Kurzem haben Sie beide Ihren Vertrag in Hildesheim verlängert. Wussten Sie eigentlich vom anderen, dass dieser auch bleibt?

Hendrik Scharnbacher: Das kann ich als Erstes beantworten. Ich bin davon ausgegangen, dass Nelson verlängert, wusste es aber nicht zu 100 Prozent. Das hat für mich aber keine Rolle gespielt.

Nelson Hughes: Das geht mir genauso. Ich wohne hier, das ist mein Zuhause. Ich plane nicht, irgendwo anders zu spielen. Ich dachte auch, dass Hendrik bleibt. Viele Leute glauben, dass Quarterbacks eine interne Rivalität untereinander haben, weil beide spielen wollen. Das haben wir nicht. Vor allem in der vergangenen Saison hat sich zwischen uns ein gutes, freundschaftliches Verhältnis aufgebaut.

Herr Hughes, Sie spielen ja nun schon eine ganze Weile in Hildesheim und haben hier sogar eine Familie gegründet. Wie gut ist eigentlich mittlerweile Ihr Deutsch?

Hughes: Es ist über die Jahre auf jeden Fall besser geworden, besonders durch die Arbeit hier. Ob ich schon ein ganzes Interview auf Deutsch führen könnte, weiß ich nicht genau.

Scharnbacher: Du bist einfach zu schüchtern (lacht).

Bei Ihnen beiden dreht sich fast alles um Football. Ist da noch Platz für andere Gesprächsthemen, wenn Sie sich außerhalb des Platzes unterhalten?

Hughes: Da reden wir schon mehr über Persönliches.

Scharnbacher: Oder lass’ es mich so sagen: Vorm Training reden wir mehr über Football. Nach dem Training sprechen wir mehr über unser Privatleben, wenn er mich zurück nach Hause fährt.

Sie fahren zusammen zum Training?

Scharnbacher: Ja, weil ich noch keinen Führerschein habe (lacht).

In der nächsten Saison werden Sie zu Heimspielen in ein neues altes Stadion fahren. Die Invaders werden die Hälfte ihrer Spiele im Friedrich-Ebert-Stadion austragen. Was sagen Sie zu diesem Wechsel?

Scharnbacher: Ich finde es ein bisschen schade. Ich mag das Homefield am Philosophenweg. Die Fans sitzen einem direkt im Rücken. Das gibt uns viel Kraft auf dem Platz. Während der Spiele wird es so laut wie in keinem anderen GFL-Stadion. Das habe ich auch zu spüren bekommen, als ich im Homefield mal gegen Hildesheim gespielt habe. Da konnte ich sogar meine Schwester schreien hören. Ich verstehe aber, dass sich die GFL professionalisieren will. Und wenn man professionell sein möchte, braucht man ein Stadion.

Das haben Sie jetzt ja auch…

Scharnbacher: Das Stadion ist gut. Aber andere Städte haben modernere Arenen, die noch besser für Football geeignet sind. Aber so ist es nun mal in Hildesheim. Es ist schon ein Upgrade, der Rasen ist besser und es ist größer. Die perfekte Lösung ist es trotzdem nicht. Das Friedrich-Ebert-Stadion ist für mich im Vergleich noch kein Vorzeigestadion.

Es sind noch ein paar Monate, bis die neue GFL-Saison anfängt. Was machen Sie jetzt gerade überhaupt im Training?

Hughes: Wir sind zweimal pro Woche auf dem Feld. Bis vor Kurzem ging es hauptsächlich darum, wieder in Form zu kommen. Jetzt üben wir unsere Spielzüge ein. Was wir aber das ganze Jahr über machen, ist Krafttraining. Das ist für uns extrem wichtig – vor allem, um Verletzungen vorzubeugen.

Apropos Verletzungen: Herr Hughes, in der vergangenen Saison hat Sie eine schwere Verletzung am Wurfarm ausgebremst. Wie geht es Ihrem Arm jetzt?

Hughes: Bei 100 Prozent bin ich noch nicht. Wenn ich im Gym bin, habe ich keine Schmerzen mehr. Spätestens im April oder Mai sollte ich wieder voll einsatzbereit sein.

Erinnern Sie sich noch an den Moment, als es passiert ist?

Hughes: Wir haben gegen Potsdam gespielt. Ich wurde an meiner rechten Schulter getackelt. Sofort habe ich gehört und auch gespürt, wie etwas gerissen ist.

Was haben Sie sich dann gedacht?

Hughes: Dass es nicht so schlimm ist. Es hat schon wehgetan und ich habe auch ein bisschen gebraucht, um wieder aufzustehen. Aber ich dachte, dass ich nur ein, zwei Spielzüge raus muss und dann wieder aufs Feld kann. Dann haben sie mir an der Seitenlinie gesagt, dass ich für das Spiel raus bin.

Aber dann war es doch schlimmer…

Hughes: Ja. Dass ich für den Rest der Saison raus bin, wusste ich erst, als ich nach dem Spiel ins Helios-Klinikum kam. Meine Verlobte ist durchgedreht. Das habe ich in ihrem Gesicht erkannt. Meine Tochter war auch ein bisschen besorgt. Am Ende des Tages war es einfach frustrierend.

Frustrierend wegen des Timings der Verletzung?

Hughes: Wir hatten zu der Zeit keinen Headcoach. Ich hatte zwei Wochen damit verbracht, zu versuchen, eine Offense für dieses Spiel auf die Beine zu stellen.

Scharnbacher: Das war der unfairste Zeitpunkt, den man sich vorstellen kann.

Hughes: Es war echt blöd. Vor allem deshalb, weil ich dir danach nicht mal helfen konnte, als du eingesprungen bist. Das war alles so neu für dich.

Scharnbacher: Nur um das noch mal klarzustellen: Nelson hat die Spielzüge angesagt. Er war der Offensive Coordinator, er hat uns alle auf dieses Spiel vorbereitet. Darum war es für uns alle doppelt bitter.

Hughes: Zum Glück kam Coach Herford eine Woche später zurück.

Ein Moment, an den sich sicher noch viele Invaders-Fans erinnern: Als Marcus Herford auf dem City Beach während einer Pressekonferenz plötzlich aus dem Auto gestiegen ist…

Hughes: Uns hat er einen Tag vorher beim Training mit einer ähnlichen Aktion überrascht. Wir hatten von den Gerüchten gehört und ich hatte es im Gefühl, dass er zurückkommen würde. Als er dann in den Meetingraum kam, das war einer der schönsten Momente der gesamten Saison.

Scharnbacher: Was ich bemerkenswert daran fand, ist, wie viele Leute in diesem Raum ausgerastet sind und angefangen haben zu schreien – und das, obwohl der Coach nicht mal ein Wort gesagt hatte. Das sagt viel über seine Persönlichkeit aus.

Dann hat Hendrik Scharnbacher für den Rest der Saison gespielt. Herr Hughes, haben Sie Ihren Quarterback-Kollegen danach unterstützt?

Hughes: So viel es ging. Ein Stück weit war die Verletzung für mich auch ein Segen. Seitdem ich in Hildesheim lebe, hatte ich zum ersten Mal auf der Arbeit frei und eine Pause vom Football. Meine Tochter war gerade zur Welt gekommen. So hatte ich Zeit für meine Familie. Wenn Hendrik Fragen an mich hatte, stand ich aber immer für ihn bereit. Aber durch Herfords Rückkehr war er in guten Händen.

Scharnbacher: Coach Herford hat sofort versucht, seinen Matchplan zu implementieren und mich perfekt auf die Spiele vorzubereiten. Nelson hat mir am meisten dabei geholfen, mich auf Herford einzustellen (lacht). Der Coach ist ein emotionaler Typ, ich bin ein emotionaler Typ. Darum verstehen wir uns auch gut. Aber manchmal – gerade im Spiel gegen Braunschweig – hat es auch schon mal geknallt. Danach haben wir aber darüber gesprochen und dann war auch wieder alles gut.

Es heißt immer wieder, dass Quarterbacks im Football die wichtigsten Spieler auf dem Platz sind. Warum ist das so?

Hughes: Wir haben ja den Ball bei wirklich jedem Spielzug. Der gesamte Angriff baut auf deinen Entscheidungen, deinem Spiel auf. Man ist also der Coach auf dem Feld. Als Quarterback muss ich wissen, was jeder auf dem Feld macht. Das macht es vor allem mental so anspruchsvoll.

Scharnbacher: Und dieser mentale Aspekt ist mindestens genauso wichtig wie die Physis. Ein Coach hat mir mal gesagt: Wenn das Team am Jubeln ist, muss der Quarterback ruhig bleiben. Und wenn das Team am Boden ist, muss der Quarterback sie aufbauen. Man muss dem Team immer einen Schritt voraus sein.

Was sind Ihre Erwartungen an die kommende GFL-Saison?

Hughes: Wir wollen in den German Bowl – und wir wollen ihn gewinnen. Mit diesem Team, das wir haben, mit Kyle Kitchens, Keelan Cole, den vielen anderen und Coach Herford…Wenn ich das mit unserer vorletzten Saison vergleiche, in der wir bis ins Halbfinale gekommen sind, dann sind wir jetzt noch mal besser aufgestellt. Leicht wird es aber nicht, weil viele Gegner mit uns rechnen werden.

Scharnbacher: Dem ist nichts hinzuzufügen.


Zur Person

Nelson Hughes (32) ist das Gesicht der Hildesheim Invaders. Der US-Amerikaner stammt aus Spartanburg in South Carolina. In Hildesheim schlug er bei den Invaders erstmals 2017 für ein halbes Jahr auf. Zu dieser Zeit lernte er auch seine Hildesheimer Verlobte Nadja Martinsons kennen. Mittlerweile sind die beiden Eltern von zwei Töchtern. Nach Gastspielen in Italien und Ingolstadt kam Hughes 2022 zurück zu den Invaders – und ist dort bis heute geblieben.

Hendrik Scharnbacher (24) ist im vergangenen Jahr nach Football-Stationen im In- und Ausland in seine Geburts- und Heimatstadt Hildesheim zurückgekehrt. Seine Karriere im Sport begann bei den Young Invaders. Nach einem Auslandsjahr in den USA spielte der 24-Jährige in der German Football League (GFL) erst in Braunschweig, dann in Berlin. Nach seiner Rückkehr nach Hildesheim sprang er für den verletzten Nelson Hughes ein und spielte den Rest der Saison.

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