Hildesheim - Sonnenschein und blauer Himmel haben am Samstag zahlreiche Menschen in die Hildesheimer Innenstadt gelockt. Viele Passanten und Passantinnen in der Fußgängerzone trugen statt Einkaufstüten allerdings Müllbeutel mit sich herum, durch die Stadtteile liefen Menschen mit Piksern und Zangen und manch ein Autofahrer wunderte sich über die vollgepackten Lastenräder, die sich durch den Verkehr in Richtung Platz an der Lilie schlängelten.
Müllsammelstelle auf der Hildesheimer Lilie
Ihr Ziel war die zentrale Sammelstelle von Fridays for Future Hildesheim (FfF). Die Klimaschutzaktivisten hatten dort mehrere Müllcontainer aufgestellt, die mit Abfall gefüllt wurden, den Freiwillige zum Auftakt des Frühjahrsputzes im gesamten Stadtgebiet sammelten. Für jeden vollen Container will die Stadt fünf neue Bäume pflanzen. So lautet die Wette, die die FfF-Leute mit der Verwaltung abgeschlossen haben.
Innerhalb der ersten zwei Stunden waren bereits vier Container voll, nach sechs Stunden waren zwölf gefüllt. 20 Minuten vor Ende der Aktion stapelten sich um die vollen Container weitere Müllsäcke und mehrere Autoreifen. Zwei weitere volle Container stehen auf dem Hohnsensee-Parkplatz. Insgesamt sind bei der Aktion 100 Bäume herausgekommen, die im Herbst eingepflanzt werden sollen, berichtete FfF-Sprecherin Vera Wagner am Abend und ergänzte: „Die Stadt stellt Gebiet und Bäume, wir pflanzen die Bäume ein.“
„Zwischen 100 und 150 Leute sind hier unterwegs“, schätzte Wagner am Mittag – und das seien allein diejenigen, die sich an der Lilie mit Säcken, Handschuhen und Piksern ausgestattet haben und von dort losgezogen sind. Damit nicht alle durch dieselben Straßen zogen, hatten die Koordinatorinnen eine Karte vorbereitet, mit deren Hilfe sie den Überblick behielten, wo schon jemand gewesen ist.
Abholdienst mit Lastenrädern für Müllsäcke
Hinzu kamen laut Wagner die Menschen, die in den Stadtteilen sammelten. Sobald ihre Säcke voll waren, konnten sie an der Lilie anrufen. Dann fuhr jemand mit einem von zehn Lastenrädern los, um den Müll abzuholen. „Zwei der Räder sind konstant unterwegs“, berichtete Eva-Antonia Kinder, ebenfalls Sprecherin für FfF. Die Organisatorinnen hatten im Vorfeld einen Schichtplan für die Fahrerinnen und Fahrer erstellt, damit immer mindesten zwei im Einsatz sein würden. Zusätzlich sprangen viele spontan ein.
Weitere 50 bis 65 Menschen waren laut Eva Gutting-Vos von der hiesigen Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rund um den Hohnsensee, an der Innerste und sogar darauf unterwegs. Einer von denen auf dem Wasser war Kanute Werner Anten von der Kanu- und Segel-Gilde Hildesheim (KSGH). Der Verein beteiligte sich ebenso wie die Hildesheimer Sektion des Deutschen Alpenvereins (DAV) an der vom BUND organisierten Müllsammelaktion um die Gewässer.
Vom Wasser aufs Land: Gegenseitige Hilfe
Anten hatte den Müllsack vor sich im Kanu. Ausgerüstet war er außerdem mit einem Pikser und einer Müllzange, um damit den Abfall von der Böschung und aus dem Fluss zu sammeln. Obwohl noch etwa 15 weitere Menschen gegen 10 Uhr in Booten losgepaddelt waren, war Antens Müllsack schon um die Mittagszeit voll. Da kam gerade Volker Degenhardt mit seinem Lastenfahrrad vorbei, nahm den vollen Beutel mit und überließ Anten einen leeren.
Degenhardt selbst hatte kurz zuvor einen besonderen Fund gemacht: Bei den Sportplätzen ist er auf ein Baustellenschild gestoßen, das unter Laub lag. Mit dem Lastenrad transportierte der Umweltschützer das Verkehrszeichen zum Sammelplatz auf dem Hohnsensee-Parkplatz. Später fand eine Familie noch den passenden Fuß dazu. „Ich hoffe, dass die Stadt es einsammelt und weiterverwendet“, sagte Degenhardt.
Ansonsten sammelten die Freiwilligen viele Eisverpackungen, Kaffeebecher und Zigarettenstummel auf. „So eine Kippe trägt zwar nicht unbedingt dazu bei, dass sich die Container schnell füllen. Aber sie verschmutzt wahnsinnig viel Wasser“, erklärte Gutting-Vos. Sie war gemeinsam mit BUND-Jugend-Koordinatorin Kira Nadler im Einsatz – eine trug den Sack für Plastikmüll, die andere den für Restmüll. Sie kehrten regelmäßig zum Container auf dem Parkplatz zurück, um den Inhalt der Beutel dort auszuschütten. Anschließend zogen sie wieder los – mit denselben Säcken. Ihre spektakulärsten Funde? Eine volle Windel und ein verrosteter Topf.
Der Frühjahrsputz geht weiter
Der Hildesheimer Frühjahrsputz geht noch weiter: Am Freitag, 11., und Samstag, 12. März ruft der Ortsrat Bavenstedt in seinem Stadtteil zum Müllsammeln auf, in Ochtersum ist die Aktion für Samstag, 12. März, geplant, in Sorsum für Samstag, 19. März, in Drispenstedt und Himmelsthür für Samstag, 26. März, und in der Oststadt/Stadtfeld für Samstag, 2. April.
Darüber hinaus planen laut Stadtverwaltung der MTV 48 Hildesheim, die St.-Ansgar-Kinder- und Jugendhilfe, die Geschwister-Scholl-Schule, die Initiative Neustadt, die BUND-Kreisgruppe und die Freiwillige Feuerwehr Einum Sammelaktionen. Nähere Informationen dazu geben die einzelnen Organisationen.
Hier können sich Sammler und Sammlerinnen ausrüsten
Bei Bedarf stellt der Bauhof, Mastbergstraße 13, Handschuhe und Müllsäcke (solange der Vorrat reicht) für den Frühjahrsputz zur Verfügung und nimmt die Säcke auch gefüllt wieder entgegen. Bei größeren Mengen werde auch der Abtransport organisiert. Nähere Informationen dazu sind unter der Telefonnummer 301- 3500 beziehungsweise -3536 oder unter www.stadt-hildesheim.de erhältlich.
Den Einsatz für die Umwelt würdigt die Stadt mit einer Online-Bildergalerie. Wer Lust hat, schickt einfach ein Foto vom Frühjahrsputz an die Adresse fruehjahrsputz@stadt-hildesheim.de. Die Bilder werden dann auf der städtischen Homepage und auf Facebook veröffentlicht.

