Verkaufsoffener Sonntag

Hildesheimer Geschäftsleute sauer: Flohmarkt-Genehmigung kam „viel zu spät“

Hildesheim - Weil Verdi die nötige Zustimmung erst am Mittwochabend telefonisch mitteilte, zögerten viele mit der Bewerbung von Flohmarkt und verkaufsoffenem Sonntag.

Die Veranstalter hoffe, dass es am Sonntag in der Hildesheimer Innenstadt trotzdem voll wird. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Am Sonntag, 19, Juni, laden zum ersten Mal Privat- und Geschäftsleute gemeinsam zum großen Verkauf in die Hildesheimer Fußgängerzone ein: Der Cityflohmarkt trifft den verkaufsoffenen Sonntag in der Innenstadt. Eine Premieren-Kombination, die viele Hildesheimerinnen und Hildesheimer interessieren dürfte. Während für den Flohmarkt schon seit einigen Wochen vorsichtig mit Plakaten geworben wurde, ist der verkaufsoffene Sonntag erst am Donnerstag durch Hildesheim Marketing der Öffentlichkeit präsentiert worden. Der Grund für die äußerst verhaltene Bewerbung dieser Veranstaltung: Die Genehmigung der Gewerkschaft Verdi, die das Ladenöffnungsgesetz und den Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einzelhandel im Blick hat und für den Start eines solchen Events von Nöten ist, traf erst am Mittwochabend ein – telefonisch. Die schriftliche Genehmigung ließ bis Donnerstagabend auf sich warten.

„Viel zu spät“

„Viel zu spät“, sagen Hildesheims Geschäftsleute unisono. Für Plakate und Anzeigenwerbung fehlte den Gewerbetreibenden die Zeit. Jetzt bleibt nur die Hoffnung, dass die Kalender der Einkaufenden am Sonntag noch Lücken haben und die Innenstadt trotzdem voll wird. Denn die Veranstaltung am Sonntag wecke Hoffnung auf Erfolg, findet Hildesheims Marketing-Chef Fritz Ahrberg: „Durch die nun ermöglichte Kombination aus Flohmarkt, Geschäftsöffnung und Sonderverkaufsflächen sind wir sicher, am Sonntag ein ausgesprochen attraktives Programm in der Hildesheimer Innenstadt anbieten zu können.“ Dies wäre auch schon durch den Flohmarkt an sich der Fall gewesen, so Ahrberg weiter, aber die Kombination sei ideal.



Für Claas Schindler, Inhaber von Coffee & Beans am Pferdemarkt und neuer Vorsitzender der Werbegemeinschaft „Die freundlichen Hildesheimer“, ist die späte Genehmigung ein Ärgernis. Man könne wohl erwarten, dass diese in einem vernünftigen Zeitrahmen vor dem verkaufsoffenen Sonntag eintreffe. „Wie sollen wir denn diesen Tag verlässlich bewerben, wenn wir nicht wissen, ob er tatsächlich stattfindet?“, sagt Schindler. Er berichtet von verunsicherten Geschäftsinhabern, die gern bereit gewesen seien, Geld für die Werbung in die Hand zu nehmen, sich so aber nicht getraut hätten. Oder erst mit der Sicherheit am Mittwochabend ihre Werbung freigegeben hätten.

Erinnerung am 2020 werden wach

Zur Erinnerung: Im September 2020 hatte Verdi einen verkaufsoffenen Sonntag am Freitag vor der Veranstaltung platzen lassen. Die Verunsicherung ist seither ist groß, obwohl Gewerkschaften und kommunale Spitzenverbände grundsätzlich einig über Sonntagsöffnungen sind und damals verkündet hatten, dass „verkaufsoffene Sonntage ein Instrument gegen die Krise des Einzelhandels sein können“. Die Vereinbarung sah zwar keinen Freifahrtschein für Geschäfte und Kommunen vor, das Ministerium verwies ausdrücklich auf das weiterhin bestehende Ladenöffnungsgesetz. Das bedeutet, nach wie vor soll bei Sonntagsöffnungen nicht das Shoppen im Vordergrund stehen. Sondern eine Veranstaltung, deren Beiwerk die geöffneten Läden sind. In Hannover sind am Sonntag ebenfalls die Geschäfte offen. Der Anlass ist der Deutsche Feuerwehrtag. Unter dem Motto Blaulichtmeile stehen die Ladentüren von 13 bis 18 Uhr offen.

Warum eigentlich erst so spät?

Bleibt noch die Frage, warum kam die Genehmigung durch die Gewerkschaft Verdi erst so spät? Trotz schriftlicher Anfrage am Donnerstag und telefonischem Nachfassen am Freitag, kann Verdi-Sprecherin Havva Öztürk nur auf den Montag verweisen. Man müsse erst intern Rücksprache halten, um den Hildesheimer Fall konkret beurteilen zu können.

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