Hildesheim - Die Bahn kann nach eigenen Angaben ihren Zeitplan bei der Sanierung des Hauptbahnhofs Hildesheim „grundsätzlich“ einhalten. Bis voraussichtlich Mitte 2021 sollen zwei Bahnsteige und auch der Personentunnel renoviert werden. Das Nordstemmer Unternehmen MTB, das zwei Bahnsteige erneuert, rechnet mit dem Abschluss der Arbeiten im Juni oder Juli.
175 Jahre ist es her, als Arbeiter den ersten Bahnhof in Hildesheim bauten. Und 2021 hat die EU als „Das Europäische Jahr der Schiene “ ausgerufen. Da passt es gut, dass just der Hauptbahnhof aufgemöbelt wird. Denn der soll ja ein ansprechendes Eingangstor sein. Wer in Hildesheim per Zug ankommt, der soll sich willkommen fühlen. In einem modernen Bahnhof. Das hat die Bahn bislang nur halb geschafft. 2015 wurden Fassade und Eingangshalle modernisiert. Weg mit der Tristesse der 1960-er Jahre. Stattdessen neue Geschäfte, eine helle Halle mit großen Fenstern, ein neuer Aufgang zu Gleis 1. Doch genau da ist bis heute Schluss. Wo der inzwischen mehr als 60 Jahre alte Personentunnel anfängt, ist sie wieder zu spüren, die eintönige Atmosphäre längst vergangener Tage in der Passage: geflieste Wände, altmodische Schaukästen und abgenutzte Treppen, die hinauf zu den beiden Mittelbahnsteigen führen.
Erst Bahnsteige, dann Tunnel
Die sind allerdings seit vergangenem Juli eine Baustelle und werden von Grund auf erneuert. Danach soll die Unterführung von Gleis 1 bis zur Nordstadt saniert werden, mitsamt dem alten Ausgang. Und dann wäre der Bahnhof rundum fertig. Endlich – eigentlich sollte er schon zur Expo 2000 und dann zur 1200-Jahr-Feier Hildesheims im Jahr 2015 fertig sein.
Warum das alles so lange dauert? Das liegt laut Bahn an NiaZ 2 und NiaZ 3. Die Kürzel stehen für zwei Investitionsprogramme mit dem marktschreierischen Namen „Niedersachsen ist am Zug!“ der Bahn mit dem Land, die der Schienenkonzern nach und nach abarbeitet – über Jahre. Und jetzt eben auch in Hildesheim.
5 Millionen Euro investiert
Es geht also voran mit dem Hauptbahnhof. Für dessen Umbau investieren DB, der Bund und das Land gemeinsam rund 5 Millionen Euro. „Bis voraussichtlich Mitte 2021 sollen sämtliche Arbeiten erledigt sei“, berichtet eine Bahnsprecherin auf HAZ-Nachfrage.
Bis dahin müssen die Reisenden und Pendler mit einer Baustelle leben. Erst auf den beiden Mittelbahnsteigen, später im Personentunnel. Die Firma MTB stieß nach eigenen Angaben bei ihren Arbeiten an Gleis 14 auf Schutt aus dem Zweiten Weltkrieg im Untergrund. Dies ist bei solch einem Projekt im Tiefbau keine Überraschung. „So etwas ist nicht unüblich. Wahrscheinlich ist die Lage an dem anderen Bahnsteig ähnlich“, berichtet MTB-Geschäftsführer Mayk Taherian auf HAZ-Nachfrage. Er geht davon aus, dass die beiden Bahnsteige spätestens im Sommer fertig sind.
Das geschieht im Einzelnen
Aber was geschieht auf den Bahnsteigen 2/14 und 3/15 genau? Die Bahn lässt den Belag erneuern und mit einem taktilen Leitsystem für sehbehinderte Menschen ausstatten. Zudem werden die Kanten erhöht, damit Fahrgäste leichter in die Züge ein- und aussteigen können.
Und: „Die Wartebereiche erhalten ein neues Interieur“, heißt es im Bahnsprech. Das bedeutet: Ausgetauscht werden die Bänke, ebenfalls geplant ist ein neuer Pavillon. Ganz anders als sein schmuddeliger Vorgänger, der eigentlich längst ausgedient hat.
Deutlich mehr Komfort
Deutlich mehr Komfort will die Bahn dort bieten. Damit Fahrgäste unterwegs ihr Smartphone laden können, soll das Mobiliar im Pavillon mit USB-Anschlüssen ausgestattet werden. Neue Lampen und Lautsprecher auf den Plattformen sind ebenfalls geplant. Die DB saniert auch die Treppen zu den Bahnsteigen. Und dann folgt der Tunnel.
„Geplant ist, Anfang des Jahres mit der Modernisierung der Unterführung zu beginnen. Hier wird grundsätzlich alles gemacht, was für den Fahrgast sichtbar ist“, erklärt die Bahnsprecherin. Der Hildesheimer Glashersteller Interpane, der schon die Elbphilharmonie in Hamburg mit Glas veredelt hat, soll die Wände des Tunnels mit bedruckten Elementen ausstatten. Dies sollen typische Hildesheimer Motive sein, die Andreaskirche und der umgestülpte Zuckerhut etwa.
Tunnel halbseitig gesperrt
Vorgesehen sind auch ein frischer Putz und Farbe sowie ein neuer Bodenbelag, die den tristen Durchgang insgesamt heller und freundlicher machen. Der Ausgang Nord soll ebenfalls aufgefrischt werden. Wie genau, das lässt die Bahn noch offen. Fest steht dagegen, dass die Arbeiten auf jeden Fall Bahnfahrer monatelang behindern werden. Denn der Tunnel wird während der Arbeiten halbseitig gesperrt.
Am Ende soll der Service für die Pendler und Reisenden viel besser als gewohnt sein. Immerhin sind dies durchschnittlich 15 000 Menschen pro Tag im Hauptbahnhof, den 260 Nahverkehrs- und Fernzüge ansteuern. Einer von den regelmäßigen Bahnfahrern ist der Hildesheimer SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal, der per ICE zwischen seiner Heimat und Berlin pendelt.
„Wir sollten zufrieden sein“
„Ich bin froh, dass nach der Empfangshalle auch die anderen Bereiche saniert werden“, sagt der 60-Jährige. „Der Bahnhof wird dadurch attraktiver“, meint Westphal. „Und die Arbeiten an den Bahnsteigen kommen gut voran“, fügt der Politiker hinzu. „Außerdem freue ich mich, dass ein Unternehmen aus der Region dazu den Auftrag bekommen hat. Wir sollten zufrieden sein, wenn investiert wird und sich die Dinge positiv entwickeln.“
Das sieht der Fahrgastverband Pro Bahn genauso, der schon seit Jahren einen komplett barrierefreien Hauptbahnhof fordert. „Gut sind die geplanten Verbesserungen für sehbehinderte Bahnfahrer“, lobt der Hildesheimer Verbandssprecher Holger Klages. Auch ein moderner Ausgang zur Nordstadt sei positiv. „Das erhöht das Sicherheitsgefühl der Bahnkunden.“
Die Bahn ist also dabei, ihre Hausaufgaben in Hildesheim zu machen. Spannend wird sein, welches Zeugnis ihr die Pendler und Reisenden dafür im nächsten Sommer ausstellen.
