Humanitäre Hilfe

Hildesheimer Hilfe-Verein stattet zweite Kinderklinik in der Ukraine aus

Kreis Hildesheim - Der Verein Aktion Tschernobyl Hilfe hat es schon einmal gemacht: Er entwickelte ein ukrainisches Kinderkrankenhaus, in dem es an allem fehlte, zu einer modernen Klinik. Nun steht das Vorhaben ein zweites Mal an. (mit Video)

Bevor der Operationstrakt im Kinderkrankenhaus in Riwne eine neue Ausstattung bekommt, müssen die Räume renoviert werden. Foto: Privat

Kreis Hildesheim - „Nie hätte ich gedacht, dass wir noch einmal bei null beginnen würden“, sagt Rita Limmroth, Vorsitzende des Hildesheimer Vereins Aktion Tschernobyl-Hilfe. Nachdem der Verein ein Kreiskinderkrankenhaus im ukrainischen Luzk zu einem modernen Versorgungsstandort ausgebaut hat, steht nun die zweite Klinik auf dem Programm. Ein Kinderkrankenhaus in Riwne, der Hauptstadt der gleichnamigen Region.

Abgeschlagene Fliesen, Waschbecken ohne Wasserhähne, Operationssäle ohne medizintechnische Ausstattung und Räume, in denen kaum hygienische Bedingungen herzustellen sind. So sieht es aktuell im Operationstrakt im Kinderkrankenhaus in Riwne aus. Das soll sich möglichst bald ändern. Damit das klappt, ist der Hildesheimer Verein Aktion Tschernobyl am Start, der schon seit Jahrzehnten humanitäre Hilfe im Land leistet.

Kinderklinik in Luzk ausgestattet

„Vor 20 Jahren haben wir begonnen, das Kinderkrankenhaus in Luzk herzurichten“, berichtet Rita Limmroth. Damals fehlte es ebenfalls an fast allem, vom medizinischen Gerät für die Untersuchung von Kleinkindern bis zur OP-Ausstattung. Damals mussten die Neurochirurgen etwa noch auf Handbohrer zurückgreifen, wenn sie die Schädeldecke eines Kindes öffnen mussten. Die Intensivstation war ebenfalls nicht für die schwerkranken Jungen und Mädchen gerüstet. Oft legte man den Kleinen nur ein Heiligenbild ins Bettchen, mehr konnten die Mediziner mangels Ausrüstung nicht tun. Es dauerte etwa zehn Jahre, bis der Standard drastisch verbessert werden konnte, seit acht Jahren sei das Haus mit 450 Betten auf europäischem Standard. Mittlerweile werden in der modernen Klinik mit gutem Ruf Kinder aus der ganzen Ukraine behandelt.

Nun steht also der gleiche Prozess in Riwne an. „Aber der wird nicht so lange dauern, wie in Luzk“, ist Limmroth zuversichtlich. Immerhin ist es die zweite Klinik und die Kontakte zu Firmen und Spendern sind geknüpft und werden gehalten. Wie in Luzk hat Limmroth auch in der neuen Klinik, mit 230 Betten, eine Vertrauensperson gefunden, mit der sie eng zusammenarbeiten wird. Dr. Sergej Romantschuk, Neurochirurg, hospitierte bereits für mehrere Monate in der Klinik in Luzk. Mit ihm hat Limmroth abgesprochen, dass zunächst ein Renovierungsplan erstellt wird. Fünf Operationssäle müssen von der Verwaltung der Region saniert werden. „Wir versuchen mit Materialspenden aus Deutschland zu helfen“, sagt die Vorsitzende. Denn Baumaterial ist in der Ukraine aktuell sehr teuer. Limmroth will Hersteller und Baumärkte ansprechen. Parallel arbeitet sie an der Ausstattung mit moderner Medizintechnik. Denn bisher gibt es weder Patientenmonitore, noch Medikamentenpumpen oder eine OP-Lampe. Für das nötige Licht bei den Eingriffen auf der Neurochirurgie sorgt eine Stirnlampe aus Deutschland.

Erst muss renoviert werden

Um eine Operationslampe an der Decke zu befestigen, muss die erst entsprechend hergerichtet werden, erklärt Limmroth. Weitere Sanierungsarbeiten seien auch aus hygienischen Gründen notwendig. Stirnlampen, Krankenhausbetten, OP-Mikroskope und vieles mehr versucht Limmroth zu organisieren. „Neu kostet so ein Mikroskop 120.000 Euro“, berichtet sie. Daher würde sich der Verein auch über eine gebrauchte und damit günstigere Variante freuen.

Bereits Spenden in Riwne

Ein Elektroenzephalograf (EEG), einen OP-Tisch und Untersuchungsliegen hat Romantschuk bereits im etwa 100 Kilometer entfernten Luzk abholen können. Schon allein diese Spenden fühlten sich für die Mediziner wie Luxus an, so Limmroth. Wie in Luzk wird sich der Verein Aktion Tschernobyl Hilfe in Riwne zunächst auf die Ausstattung einer Abteilung konzentrieren, der Neurochirurgie. Während in Riwne nun die Renovierungsarbeiten anlaufen, kontaktiert Limmroth mögliche Spender, rechnet aus, was mit Spendengeldern des Vereins realisiert werden kann. Dabei hofft sie auf weitere finanzielle Unterstützung. Aber auch Lebensmittelspenden und Hygieneartikel werden weiterhin angenommen, um weiterhin Hilfstransporte in die Ukraine schicken zu können. Die Annahme ist immer dienstags von 14 bis 18 Uhr, in der Schützenallee 35-37, in Hildesheim. Weitere Infos unter 05121 / 32516.

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