Hildesheim - Am kommenden Freitag demonstrieren bundesweit Hundetrainer und -Halter für die baldige Öffnung von Hundeschulen für Einzel- und Gruppentraining. Gerade in einer Zeit, in der sich viele Menschen einen Hund zulegen, sei es besonders wichtig, diese auch richtig zu erziehen, sagt unter anderem die Vorsitzende des Hildesheimer Tierschutzvereins, Martina Dechant. Sie malt ein düsteres Bild für die Zukunft vieler Hunde. Die Demo ist eine Initiative des Hundetrainer-Berufsverbands ProHunde. In Hildesheim treffen sich die Demo-Teilnehmer am Freitag um 12 Uhr auf dem Marktplatz.
Sozialisation ist wichtig
„Es geht nicht um ein paar Spielstunden für Hunde“, erklärt Hundetrainerin Kirsten Heitmüller. Die Sarstedterin hat die Kundgebung für Hildesheim organisiert. In einer Hundeschule lernen die Halter, wie sie ihren Hund richtig erziehen und der Hund lernt andere Artgenossen kennen, wird sozialisiert. „Außerdem bereiten wir die Halter für den Hundeführerschein vor“, erklärt Heitmüller. Doch das ist derzeit alles nicht möglich. „Wir haben Angst vor dem, was da auf uns in der nächsten Zeit zukommt“, sagt Martina Dechant. Schon jetzt werden immer mehr Hunde in Tierheime abgegeben, weil die Besitzer überfordert sind.
Hilfe für neue Hundehalter
„Die Leute kaufen und kaufen und kommen nicht klar“, moniert Dechant. Und diese Leute bekommen derzeit keine fachliche Unterstützung, wenn sie sich kein Einzeltraining leisten können. Die Tierschutzvereinsvorsitzende erklärt, dass die Nachfrage nach Welpen seit Corona so groß ist, dass die Preise für Rassehunde sich im vergangenen Jahr beinahe verdoppelt hätten. Zahllose Tiere werden über eBay angeboten und der illegale Welpen-Handel boomt. „Mit jedem Kauf eines solchen Welpen werden neue unter den schrecklichsten Voraussetzungen produziert“, erklärt Dechant. Abgesehen für das große Leid der Hündinnen und der Welpen habe das zur Folge, dass die Tierheime dieser „Überproduktion“ in den nächsten Monaten nicht mehr Herr werden können. Wenn alle Zwinger belegt sind, müssten die Tierheime den Weg gehen, den eigentlich niemand wolle, den der Euthanasie, erklärt Dechant.
Schnell überfordert
Denn viele, die sich den Traum von einem Hund erfüllen, sind mit der Erziehung des Tieres schnell überfordert. Und so landeten im Hildesheimer Tierheim in den vergangenen Monaten schon Welpen, die nach zwei Tagen noch nicht stubenrein waren. An dieser Stelle könnten Hundeschulen helfen – wenn sie denn arbeiten dürften.
Plötzlich kein Dienstleister mehr
Während des ersten Lockdowns konnten die Hundeschulen ihre Dienste anbieten. „Da galten wir als Dienstleister. Nun sind wir plötzlich Anbieter außerschulischer Angebote“, erklärt die Unternehmerin. Wieso das so ist? Eine Antwort darauf habe sie auch nach Anfragen beim zuständigen Ministerium nicht erhalten. Unklar sei zudem, warum es auch in diesem Punkt keine einheitliche Regelung in den Bundesländern gebe.
Betroffen sind etwa zehn Hundeschulen im Landkreis Hildesheim. Die dürfen derzeit nur Einzeltraining anbieten, doch das kann sich kaum jemand leisten. Die fehlenden Gruppen schlagen sich bei den Trainern in barer Münze nieder. Heitmüller und auch Martina Dechant, die seit 17 Jahren eine Hundeschule betreibt, stehen finanziell mittlerweile am Limit. „Auf die im Frühjahr beantragte Solohilfe warte ich heute noch“, sagt Dechant.
