Hildesheim - Ein Wildschwein hat am Freitagmittag den Hildesheimer Ioan Deac in Angst und Schrecken versetzt – er ist dem Tier nicht etwa im Wald begegnet, sondern in seinem eigenen Wohnhaus.
Es war gegen 12 Uhr, als der Hildesheimer, der zuhause in der Christoph-Hackethal-Straße im Bockfeld im Homeoffice arbeitete, seltsame Geräusche hörte. Extrem laute Geräusche, wie von zersplittertem Glas, als würde jemand im Erdgeschoss wüten. Einbrecher? Mitnichten. Deac sah schließlich durch eine Milchglasscheibe das Tier in seinem Wohnzimmer hin und her laufen und bekam es mit der Angst zu tun – schließlich können ausgewachsene Wildschweine durchaus zur Gefahr werden, wenn sie angreifen sollten.
Genauso verängstigt wie Ioan Deac war vermutlich aber auch das nun plötzlich gefangene Tier, weil es nicht wusste, wie es wieder ins Freie gelangen sollte. Dann schließlich gelang es ihm: Irgendwie schaffte es das Wildschwein, im Hauswirtschaftsraum des Hauses auf die Waschmaschine zu springen und von dort durch ein Fenster ins Freie.
„Überall war Blut“
Als Ioan Deac sich aus seinem Versteck heraustraute, sah er auch, wie der Eindringling überhaupt ins Haus gelangt war: geradewegs durch die Glasscheibe der Haustür.
Das Tier hat eine Spur der Verwüstung hinterlassen. „Überall war Blut“, sagt Ions Frau Bebica. Die war völlig perplex, als ihr Mann sie anrief und erklärte, ein Wildschwein sei durchs Haus gerannt. „Ich dachte, er meint unsere Gartenlaube“, erzählt sie. „Aber doch nicht hier im Wohnhaus!“
Die alarmierte Polizei konnte aber auch nur die Verwüstung durch das Wildschwein begutachten – vom Tier fehlte, abgesehen vom Blut und den Glasscherben – jede Spur. Wo es nach dem Irrlauf abgeblieben ist, ist unklar. Die Beamten hatten zwischenzeitlich mit Tierpfleger Werner Ziaja vom Hildesheimer Wildgatter Kontakt aufgenommen, um sich abzusprechen. Ziaja ist überzeugt, dass das Schwein sich nach dem Stress zurückzieht, um sich auszuruhen. „Wenn es jemand sehen sollte: Einfach umdrehen, weggehen und in Ruhe lassen“, rät er im Gespräch mit der HAZ.
Wurde Wildschwein von Hunden verjagt?
Der Tierpfleger hält es für wahrscheinlich, dass das Tier aus seinem natürlichen Umfeld verjagt wurde, womöglich durch Hunde, und deswegen durch das Wohngebiet irrte. „Dass es auf Futtersuche war, halte ich für ausgeschlossen.“ Und auch wenn die Blutspuren im Haus für die Bewohner erschreckend gewesen sind – der Tierexperte geht nicht davon aus, dass das Wildschwein tatsächlich schwer oder gar lebensgefährlich verletzt ist. „Wahrscheinlich blutet es nur an der Schnauze.“
Der Vorfall vom Freitagmittag erinnert an einen Polizeieinsatz im Februar 2019: Damals war ein Wildschwein von Itzum bis in die Hildesheimer Innenstadt gerannt – weil die Einsatzkräfte die Gefahr sahen, dass das gestresste Tier Menschen verletzen könnte, erschoss ein Beamter die Sau an der Steingrube, als sie sich in einer Mulde an einem Gebäude festgewühlt hatte und er sicher war, niemanden durch das Abfeuern seiner Waffe zu gefährden.



