Hildesheim - Für viele Kinder und Jugendliche ist die Corona-Pandemie eine Zeit der Herausforderungen. Neben pubertären Top-Themen wie Liebe und persönlicher Entwicklung kommen seit mehr als zwei Jahren auch Homeschooling, Kontakt-Beschränkungen und späte Impf-Angebote dazu. Jugend-Treffs können da ein wichtiger „Fels in der Brandung“ sein. Aber wie funktioniert Jugendarbeit derzeit?
40 bis 50 Kinder und Jugendliche pro Tag
Im Kinder- und Jugendhaus Drispenstedt (KJD) gelten: Maskenpflicht, Hygienekonzept, Kontaktnachverfolgung. Besucherinnen und Besucher ab 18 Jahren müssen die 3-G-Regel beachten. Das betrifft aber den kleineren Teil. Die meisten, die durch das dreistöckige Haus wuseln, sind zwischen fünf und 17 Jahren.
„Viele haben keinen Bock darauf, sich irgendwo aufschreiben zu lassen“, erklärt Stephan Kaune. Er leitet das Kinder- und Jugendhaus Drispenstedt (KJD) und kann diese Haltung nachvollziehen. „Auf der einen Seite heißt es ’Schützt eure Daten, unterschreibt nichts einfach so’ und auf der anderen Seite dann das.“ Trotzdem kommen nach wie vor viele Kinder und Jugendliche ins KJD – etwa 40 bis 50 pro Tag.
Die Angst vor einer Ansteckung ist groß
„Wir platzen aus allen Nähten“, sagt Kaune. Normalerweise bietet das Haus ein Konzept der offenen Tür, jeder kann kommen wie und wann er will. „Jetzt ist es wegen der Reglungen ein Konzept der geschlossenen Tür.“ Nur mit Voranmeldung können Kinder und Jugendliche vorbeikommen. „Vieles ist momentan eingeschränkt, da ist es gut, dass wir unsere Freizeit wenigstens im KJD verbringen können“, meint Mustafa. Deshalb schreibt der 19-Jährige schon morgens vor Schulbeginn eine WhatsApp an Sozialpädagogin Teelke Heuer, um sich anzumelden.
Die Dankbarkeit der Kinder und Jugendlichen bemerkt auch das Team. „Sie sind alle lieb und brav, weil sie froh sind, dass sie noch zu uns kommen können“, stellt Kaune fest. Dennoch schätzt er die Folgen der Pandemie für Kinder und Jugendliche als gravierend ein. „Das sind traumatische Erfahrungen und die Auswirkungen werden uns sicherlich noch viele Jahre beschäftigen.“ Die Angst vor einer Ansteckung oder auch Depressionen würden den Kindern und Jugendlichen derzeit Probleme bereiten.
Drei Festangestellte, Minijobber und Ehrenamtliche
Kaune und sein Team, bestehend aus drei festen Teilzeit-Stellen, Ehrenamtlichen und Mini-Jobbern will mit „Vertrauen und Kontinuität“ dagegenhalten. „Es ist ein Patchwork-System“, verbildlicht er die Personal-Situation, „ohne das große Team wäre hier gar nichts machbar.“ Insgesamt etwa zwölf Mitarbeitende kümmern sich um die Kinder und Teenies, organisieren Aktionen und Ausflüge, nehmen sich den Sorgen und Nöten ihrer Schützlinge an.
Das KJD bezeichnet Kaune als „derzeit letzte Bastion“ für Kinder und Jugendliche. Außer der Schule blieben aktuell wenig Orte für Freunde treffen und Hobbys. „Viele haben Angst vor einer Ansteckung und sind von den chaotischen Infos rund um das Virus verunsichert.“
Die Jahres-Highlights werden am meisten vermisst
Auch Mustafa und seine Freunde wünschen sich „die alten Zeiten“ zurück. „Die Ausflüge haben am meisten Spaß gemacht“, sind sich die drei Jungs einig. Besonders die Fahrt in den Heidepark inklusive Übernachtung sei immer ein Jahres-Highlight gewesen. Das Leben in und mit der Pandemie ist „Alltag geworden“. Dennoch hoffen alle im KJD, dass ein Stück Normalität bald wieder zurückkommt.
