Groß Escherde - Elf Zimmer auf zwei Etagen, einbruchssichere und bodentiefe Fenster mit Panoramablick, versteckte Räume samt Tresoren, Wohnzimmer inklusive Kamin, massive Innentüren aus amerikanischer Kirsche, ein Pool im Haus mit Blick ins Freie und auch einer Sauna nebenan: Verschwenderisch ausgestattet ist die Residenz für Betuchte in Groß Escherde, nicht weit von der B1. Die weiße Villa, wo einst ein Zahnarzt mit seiner Familie lebte, steht seit einem halben Jahr zum Verkauf. Zuvor für 1,75 Millionen Euro, inzwischen kostet sie 1,25 Millionen Euro. Doch ist es für das Maklerunternehmen Dahler mit Sitz in Hamburg und Sektion in Hannover bislang recht schwierig, einen neuen Besitzer für das exklusive Anwesen zu finden. Dafür gibt es verschiedene Gründe.
Die Villa mitsamt Einliegerwohnung liegt in der eigentlich gemütlichen Schulstraße in Groß Escherde. Eine Kita und die Freiwillige Feuerwehr sind benachbart. Und genau dies ist einer der Faktoren, die laut Thomas Leipner den Verkauf der Immobilie erschweren. Der Hildesheimer arbeitet seit mehr als 20 Jahren in der Region als Makler, fungiert zudem als Vorsitzender des Haus- und Grundeigentümervereins Hildesheim und Umgebung mit rund 2100 Mitgliedern. Und der stellt klar: Für eine künftige Eigentümerin oder künftigen Eigentümer der Villa könne es dort zuweilen laut werden. Wenn die Feuerwehr in direkter Nähe ausrücke oder in der Kita „Action“ herrsche. Dies mag manche Interessenten abhalten, vermutet der Fachmann. „Selbst wenn eine Familie dort einzieht: Die Kinder sind irgendwann aus dem Haus. Und nicht jeder will es dann lebhaft in der Umgebung haben.“ Dies habe aber nichts mit Kinderfeindlichkeit zu tun, es gehe dabei vielmehr um verschiedene Lebensphasen und unterschiedliche Bedürfnisse.
„Fairer“ Preis
Interessentinnen oder Interessenten für die Villa gebe es im Raum Hildesheim jedenfalls eher wenige, so Leipner weiter. Rar sei die Zahl derer, die 1,25 Millionen Euro auf den Tisch legen, um solch ein massives Objekt zu kaufen. Zwar ist der Preis inzwischen um 500.000 Euro gesunken und laut Leipner mit Blick auf teure Eigentumswohnungen in Großstädten ziemlich „fair“, doch wer eine siebenstellige Summe investiere, erhebt dem Experten zufolge besondere Ansprüche. „Größe, Optik, Lage. Das muss alles passen“, sagt der 61-Jährige.
Die Lage in einem Ort ohne Einkaufsmöglichkeiten spiele dem Makler nicht in die Karten, meint Leipner mit Blick auf das Unternehmen Dahler, dass die „wertige“ Immobilie im Internet durchaus versiert und überzeugend präsentiere. Doch bleibe es kompliziert, diese zu veräußern – im krassen Gegensatz dazu, wenn der Komplex etwa mitten in Hannover, Hamburg oder Berlin stehen würde. Dort sei ein Verkauf ungleich leichter. Die Lage einer solchen Villa in der Stadt spreche eine mögliche Klientel mehr an, für Leipner eine klare Sache. Und wer etwa aus Hannover kommt und für mehr als eine Million Euro ein neues Zuhause sucht, der würde sich in der Stadt selbst oder dem Umland umsehen – und kaum im Landkreis Hildesheim.
Die schiere Größe
Und: Was die derzeit „undankbare“ Aufgabe für die Makler auch nicht einfacher macht, ist Leipner zufolge die schiere Größe der Gebäude. 822 Quadratmeter Nutzfläche auf einem fast 3.000 Quadratmeter großen Grundstück – diese Größenordnung sei an der „Oberkante“ dessen, was es überhaupt an vergleichbaren Objekten in der Region gebe. „Es fragt sich, wie will man diese Fläche bespielen?“ so der Experte. Hinzu kämen hohe Energie- und Versicherungskosten. Die zu stemmen, werde „sportlich“.
Leipner gibt sich überdies skeptisch, ob eine Vermietung sinnvoll wäre. „Selbst wenn man nur 5 Euro pro Quadratmeter aufrufen würde, wären es immer noch 4000 Miete plus Nebenkosten.“ Eher müsse man 8 oder 9 Euro pro Quadratmeter verlangen. Ob das jedoch jemand bezahlen würde, ist dem Fachmann zufolge mit Blick auf diese „sehr spezielle“ Immobilie unwahrscheinlich. „Da beißt sich die Katze in den Schwanz.“
Eine Idee könne es sein, die Villa aufzuteilen und seniorengerechte Wohneinheiten mit hohem Komfort in den Komplex zu integrieren, ergänzt Leipner. „Man könnte einen Krankenpflegedienst ansiedeln. Und oben Appartements mit Lift anbieten.“ Dies sei machbar, ein künftiger Käufer müsste aber auch dafür kräftig investieren.
Nur eine Chance
Für Leipner hat der jetzige Anbieter nur eine Chance, irgendwann mit ernsthaften Interessenten tatsächlich ins Geschäft zu kommen. Der Preis müsse weiter sinken. „Dabei stellt sich die weitere Frage, wie leidensfähig der Eigentümer ist.“ Insgesamt sei die Villa „outstanding“, falle durch ihre Besonderheit aus dem Rahmen. „Das macht es für den Makler nicht einfacher.“ Leipner findet das Objekt mit solidem Baukörper aus dem Jahr 1992 und der hochwertigen Ausstattung „schön“, doch könne es einem „auf die Füße falle“.
Der Experte hält es trotzdem für möglich, dass plötzlich ein Käufer „um die Ecke kommt“, allerdings sei dies eher unwahrscheinlich. Folgt man seiner Ansicht, dürfte es noch recht lange dauern, bis neues Leben in die nun 33 Jahre alte Villa einzieht.


