In Rüningen

Gegründet vor mehr als 700 Jahren: Hildesheimer Unternehmer verkauft älteste Firma Niedersachsens

Hildesheim/Rüningen - Zehn Jahre, nachdem er sie erworben hatte, verkauft der Hildesheimer Stefan Engelke die Mühle Rüningen an eine ausländische Firma. Seine Verwandten, die die Haseder Mühle betreiben, sehen sich zu einer Klarstellung veranlasst.

Die Mühle Rüningen gehört seit zehn Jahren dem Hildesheimer Unternehmer Stefan Engelke – doch damit ist es bald vorbei. Foto: HAZ-Archiv

Hildesheim/Rüningen - Der Hildesheimer Unternehmer Stefan Engelke verkauft die Mühle Rüningen an ein belgisches Unternehmen. Das bestätigten sowohl seine Firma als auch der Käufer, die Firma Dossche Mills mit Sitz in der Kleinstadt Deinze zwischen Brüssel und Brügge, gegenüber der Agrar-Zeitung. Die Mühle Rüningen, zu der neben dem Hauptsitz in dem Braunschweiger Stadtteil noch vier weitere Mühlen-Standorte gehören, wurde im Jahr 1312 gegründet und ist damit nach eigenem Bekunden das älteste Unternehmen Niedersachsens. Stefan Engelke hatte sie vor zehn Jahren mit seiner Firma Südhannoversche Mühlenwerke Engelke GmbH erworben.

200 Beschäftigte

Neben dem Hauptsitz in Rüningen unterhält Engelkes Unternehmen Standorte in Celle, Gelsenkirchen, Itzehoe und Salzgitter-Ringelheim. Insgesamt verarbeitet das Unternehmen mit etwa 200 Beschäftigten rund eine Millionen Tonnen Getreide jährlich und kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von etwa 350 Millionen Euro.

Mit der Anlage in Ringelheim hatte Stefan Engelke, der aus einer Hildesheimer Familie mit jahrhundertealter Müller-Tradition stammt, 1989 sein eigenes Unternehmen eröffnet und danach stetig ausgebaut. 2014 erwarb er die Mühle Rüningen.

„Passen ideal zusammen“

Mit Blick auf die Übernahme durch Dossche Mills, die noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden steht, ließ sich Stefan Engelke wie folgt zitieren: „Die Kombination unserer Standorte und der Produktmix passen einfach ideal zusammen.“ Er sei überzeugt, dass dies der richtige Schritt für eine erfolgreiche Zukunft ist – und er sei stolz, „unseren engagierten Mitarbeitern und treuen Kunden solch eine Zukunftschance zu eröffnen“. Dem Unternehmen will er offenbar erhalten bleiben: „Ich (...) weiß, dass wir gemeinsam eine erfolgreiche Zukunft gestalten werden.“

Kristof Dossche, Chef von Dossche Mills: „Die reiche Tradition von Mühle Rüningen, kombiniert mit der Stärke ihrer fünf leistungsfähigen Produktionsstätten, passt perfekt zu uns.“ Die Übernahme stärke die Präsenz des belgischen Unternehmens auf dem deutschen Markt.

Reaktion aus Hasede

Die Mühlenindustrie in Deutschland hat eine lange Periode der Zentralisierung hinter sich, in der es immer wieder zu Zusammenschlüssen und Übernahmen kam. Die Firma Gebrüder Engelke Große Mühle, die die Mühle in Hasede betreibt, verbreitete prompt eine Stellungnahme zu der Übernahme der Rüninger Mühle – um deutlich zu machen, dass ihr Unternehmen nicht von der Transaktion betroffen ist. Zu dieser Unternehmensgruppe gehören auch die Magdeburger Mühlenwerke sowie die Oderland Mühlenwerke.

Hintergrund: Stefan Engelke ist der Bruder von Christof Engelke, der zusammen mit weiteren Verwandten die Große Mühle Hasede betreibt. Kunden und Geschäftspartner hatten hatten nach Bekanntwerden der Übernahme der Mühle Rüningen durch Dossche Mills bei Christof Engelke angefragt, ob Hasede ebenfalls an die Belgier gehe. Was er vehement verneint: „Als traditionsreiches Familienunternehmen in der elften Generation mit einer Geschichte, die bis in das Jahr 1714 zurückreicht, setzen wir weiterhin auf langfristige, nachhaltige und familiäre Unternehmensführung!“ Ziel bleibe die Übergabe an die jeweils nächste Generation.

„Übergabe an nächste Generation“

Zugleich verweist die Familie darauf, dass sie in Hasede gerade in den Bau eines hochmodernen Mühlensystems investiere, „das es uns ermöglichen wird, mit höchstem Hygienestandard, sicher und umweltfreundlich zu produzieren“.

Die HAZ hat Stefan Engelke zu der Übernahme durch Dossche Mills angefragt. 

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