Hildesheim - Das Schöne an Kindern ist ja, dass sie fast alles wörtlich nehmen. Sogar Wahlplakate. So kam es, dass ich mich jetzt der Frage ausgesetzt sah, warum der eine Mann da auf den riesigen Werbetafeln keine Experimente mag. Weil Experimente, die seien doch etwas Schönes, und in der Schule, da gäb’s doch auch dauernd welche! „Naja“, habe ich geantwortet, um Zeit zum Nachdenken zu gewinnen: „Es ist ja gar nicht gesagt, dass der Mann überhaupt keine Experimente mag, er schreibt ja nur: Keine Zeit für Experimente. Vielleicht würde er gerne welche machen, aber er kommt einfach nicht dazu, weil er so viel arbeiten muss.“ – Auf die Frage, warum der Mann so was auf seine Plakate druckt, fiel mir dann aber nix Schlaues mehr ein. Nein, ich glaube, er schätzt wirklich keine Experimente, zumindest dieser Tage nicht, sagen wir mal: bis die Kommunalwahl vorbei ist.
So war es damals mit Bundeskanzler Konrad Adenauer
Konrad Adenauer hat mit der gleichen Idee ja auch schon mal eine Wahl gewonnen, 69 Jahre ist das her, tierisch lange, da kann man so einen Slogan ruhig recyceln, selbst wenn man von der SPD ist. Wussten Sie, dass es, grob gesagt, vier Arten von Experimenten gibt? Echte Experimente, Quasi-Experimente, Laborexperimente und Feldexperimente. Mir hat das geholfen, ich konnte dem Nachwuchs erklären, dass überhaupt niemand was gegen diese schönen Laborexperimente hat, die es in der Schule immer gibt, und bei denen es brodelt, zischt oder flackert. Schön aufpassen in Chemie, ihr Kinder! Feldexperimente hingegen spielen sich in der Realität, im echten Leben ab, aber sie haben einen großen Nachteil – sie sind viel schlechter zu kontrollieren. Mir fiele da ein ganzes Bundesland ein, in dem scheinbar viele Lust auf ein Feldexperiment haben. Sollte nicht lieber die mal jemand warnen?
