Bis tief in die Nacht

Hildesheimer Wallungen für Familien, Musikfans, Flaneure: Das sind die Tipps des Festivalteams

Hildesheim - Am Freitagabend starten die Hildesheimer Wallungen. Das Angebot an Konzerten, Lesungen, Kunst, Installationen, Theater und Überraschungen ist viel zu groß, um alles zu erleben. Hier die persönlichen Tipps des Festivalteams.

Wie bei den Wallungen 2019 können Feierlustige bis tief in die Nacht hinein tanzen, ohne die Nachbarschaft zu stören. Käsekeller kann man sich drahtlose Kopfhörer ausleihen und zwischen drei verschiedenen DJ-Sets auswählen. Eins davon wird online live aus Uganda übertragen Foto: Christian Gossmann (Archiv)

Hildesheim - Das große Fest der Kultur“ – mit diesem Titel werben die Hildesheimer Wallungen für das kommende Wochenende. Das Wort „groß“ ist fast schon untertrieben. Rund 60 Gruppen und Solomitwirkende bespielen vom Freitagabend, 30. Juni, bis zum späten Sonntagnachmittag den Ehrlicherpark, den Kehrwiederwall und den Park unterhalb des Walls. Walk Acts, Kunstausstellungen, Überraschungen am Wegesrand, Konzerte, Lesungen, Installationen, Theater und vieles mehr: Das Orga-Team des Festivals hilft, den Überblick zu behalten.

Wallungen für Familien

Die Wallungen entfalten mit dem Einbruch der Dunkelheit oft einen speziellen Reiz. Doch auch für Familien gibt es das ganze Wochenende etwas zu entdecken, kündigt Jana Kegler vom Orga-Team an. Ganz wichtig: Kinder unter 6 Jahren können die Wallungen kostenfrei besuchen. Kegler empfiehlt besonders den Sonntag, 2. Juli. Da beginnt das Programm schon um 11 Uhr – zum Beispiel am Wiesendreick im Ernst-Ehrlicherpark. Dort lädt Cajoom! mittags um 12.30 Uhr zu Workshop, gemeinsamem Trommeln und Konzert ein.

Es lohnt sich, eine Picknickdecke im Gepäck zu haben, vielleicht mit dem Bollerwagen zu kommen und sich etwas mehr Zeit zu nehmen. Um 15.30 Uhr tanzt die ukrainische Kindergruppe „Razom - Zusammenhalt“, und um 17 Uhr tritt das Tanzstudio „Bahia“ mit orientalischen Kostümen und Tänzen auf. Dazwischen laden viele Mitmachangebote auf dem Gelände dazu ein, kreativ zu werden.“ Ui, Beispiel können Kinder und Erwachsene den ganzen Tag über eine Wallungen-Collage gestalten, die am Ende ausgestellt wird.

Zum Mitmachen

Mitmach-Angebote gibt es aber nicht nur für Kinder: „Wer kennt es nicht, es juckt einem in den Fingern, bei all den tollen Künstler:innen auf den Bühnen und im Gelände mal selber aktiv zu werden“, sagt Sarah Ben Bornia, die das so genannte Vermittlungsprogramm koordiniert. Ganztägig gibt es am Samstag und Sonntag abwechselnde Angebote, die in Zusammenarbeit mit Studierenden der Uni Hildesheim und Gästen aus Ostafrika entstanden sind.

„Für alle Naschkatzen wird es am Samstag von 16 bis 18 Uhr ein gemeinsames Bankett geben“, sagt Sarah Ben Bornia. Bei internationalen Leckereien kann man mit Künstlerinnen und Künstlern aus verschiedenen Kulturen ins Gespräch kommen. Am Samstagabend soll es dann gemütlich werden: Ab 18.30 Uhr können Besucherinnen und Besucher zu den Afrobeats der Musikerin Lily Kadima Postkarten gestalten - und zwar mit geschlossenen Augen. Die Karten werden der Künstlerin am Ende per Post zugestellt.

Für Musikfans

Franziska Lusch organisiert das Programm auf den Bühnen. Eine Auswahl zu treffen fällt ihr schwer, aber sie freut sehr auf Me & Ms Jacobs am Samstagabend um 21.30 Uhr im Ehrlicherpark. Der treibende Groove erinnere sehr an die 60er/70er Jahre: „Den Programmpunkt habe ich auch meiner Mama empfohlen, die ein absoluter Janis-Joplin-Fan ist. Die Frontsängerin Lina Jacobs und Band sollte mensch definitiv nicht verpassen.“

Gespannt ist sie auch auf Veyn (Samstag, 19 Uhr, Gefängnisbühne) und Nina Freckles (Sonntag, 14.45 Uhr, Turmbühne). „Beide Musikerinnen, Veyn etwas rockiger, Nina etwas softer aus der Indiepop-Ecke, habe ich schon vor den Wallungen solistisch live erleben dürfen und habe mich in deren Energie auf der Bühne sowie in deren Liedtexte und Stimmen verliebt.“ Luschs Tipp: „Nehmt so viele Musikacts mit, wie ihr könnt!“

Zum Flanieren

Die Wallungen laden ein, sich treiben zu lassen, nicht nur von Bühne zu Bühne, sondern auch, um mit offenen Augen über das Gelände zu streifen und Entdeckungen zu machen: Kunstinstallationen, Mitmachangebote, Spiele, Lesungen, kunstvoll inszenierte Orte – „das macht den Charme der Wallungen“, sagt Marleen Kölmel, die die Federführung für das Unterwegsprogramm hat.

Kölmel rät dazu, auch in der St.-Godehard-Kirche vorbei zu schauen, wo sich unter anderem die Schreibwerkstatt „The Poetry of Transformation“ mit Luke Worthy (Sonntag, 15 Uhr). „Aber auch auf die Zirkusinstallation von compagnie wagenholz am Sonntag bin ich sehr gespannt. Hier kann der Zirkus selbst erlebt und erprobt werden“. Noch ein Highlight für Marleen Kölmel: die Lichtfiguren von Ars Saltandi, die mit ihren bunten Kostümen das Gelände bei Dunkelheit verzaubern.

Für Fans von kreativem Handwerk

„Unser Kreativmarkt bietet den idealen Ort für alle Kunsthandwerks-Interessierten“: So wirbt Annika Steinke für einen Abstecher zum nahem HAWK Campus am Weinberg (Renatastraße 11). Sie kündigt eine „große Auswahl an Schmuck, Textilien, Alltagsgegenständen und Kunstobjekten“ an. Interessant sei es auch, mit den Ausstellerinnen und Ausstellern in Gespräch zu kommen- Der Markt wird begleitet von Musik und kulinarischen Angeboten der „Caféte“ – am Samstag von 16 bis 22 Uhr, am Sonntag von 12 bis 18 Uhr.

Für Kunstliebhaber

Neben den Bühnen und Mitmachaktionen gibt es überall Ausstellungen, die Grünanlagen in neue Farben tauchen. „Gleichzeitig sind viele der Ausstellungen auch ein Sprachrohr nach Außen und laden zum gemeinsamen Nachdenken ein“, sagt Annika Rachor von der Festivalleitung. Umuhire Isakari und Innocent Buregeya aus Ruanda zeigen ihre Kunst und starten Malaktionen auf dem Wall. Tvrinka ist mit der Ausstellung„Gefühl von Heimat“ in der Basilika St. Godehardt zu finden. DeLovie Kwagalas Fotografien auf dem Wiesendreieck wollen ein Sprachrohr für die queere Community in Uganda und ganz Ostafrika sein.

Für Menschen mit Handicaps

„Wir wollen ja mit jeder Ausgabe etwas besser werden“, sagt Siggi Stern, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Wallungen. „Dieses Mal haben wir unter anderem das Festivalgelände vorher mit Rollstuhlfahrenden überprüft.“ Die Wallanlagen seien zwar wunderschön, aber nicht durchgängig barrierefrei. „Die Hauptwege sind aber mit dem Rollstuhl gut befahrbar“, verspricht Stern. Hinweise und Empfehlungen zur Barrierefreiheit finden sich im Programmheft und auf der Website. Erstmals gibt es einen barrierefreien Sanitär-Container (am Weinbergtunnel).

Außerdem fahren die Malteser wieder Menschen mit Behinderung mit ihrem KulTour(en)-Bus kostenlos zu den Wallungen und auch wieder nach Hause. Gebärdensprach-Dolmetscherinnen sind bei einigen Angeboten dabei, etwa bei der Eröffnung oder bei den Programmpunkten des tfn und von Schmidt’s Katzen auf der Parkbühne.

Für Nachhaltigkeit

Besucherinnen und Besucher können ihr eigenes Mehrweggeschirr an die Essensstände mitbringen, um Müll bei den Essensständen zu vermeiden. Vor Ort gibt es die Möglichkeit zur Mülltrennung. „Wir haben Tonnen für Verpackungen, Biomüll, Altpapier, Restmüll sowie Behälter für Alt- und Pfandglas“, sagt Stern. Für die Verpflegung der Mitwirkenden arbeitet das Catering-Team eng mit der Initiative Foodsharing zusammen, die genießbare Lebensmittel vor der Mülltonne rettet.

Für Feierlustige

Wer nach all den Live-Erlebnissen noch in Tanzlaune ist, sollte sich ab 23 Uhr zur Silent Disco am Käsekeller unterhalb des Kehrwiederwalls aufmachen. „Die Mischung macht es, wir haben drei Kanäle“, sagt Stefan Könneke, der die Wallungen im Team mit Annika Rachor leitet. Das Publikum hört die Musik über Kopfhörer, so dass die Leute in der Nachbarschaft gut schlafen können. Besonders interessant ist das Programm von Kanal zwei. Dort legt DJane itsmdnyt auf, die live aus Uganda zugeschaltet ist.

Stefan Könneke empfiehlt aber auch das Kontrastprogramm in der „Leisen Nacht der Kultur“: „Ich freue mich besonders auf das ziellose Dahinschlendern, Leuten begegnen, mit denen man fast nicht gerechnet hat, ein kleiner Plausch, vielleicht ein gemeinsames Gläschen und weiter schauen.“

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