Hildesheim - Früher war es Pflicht, heute ist es für den Hildesheimer Weinkonvent eine Verpflichtung: Einmal jährlich wird der Zehnte als Anteil der Weinlese an den Hildesheimer Bischof überreicht. In diesem Jahr war es das 25. Mal. Bischof Heiner Wilmer erhielt 18 Flaschen einer Müller-Thurgau-Auslese auf dem Domhof, begleitet von Klängen des Bläserkorps St. Hubertus.
„Ich freue mich diebisch darüber, meinen Bischofskollegen aus dem Süden zu erzählen, dass in Hildesheim Wein angebaut wird“, dankte Wilmer und fügte hinzu: „Die gucken dann immer ganz ungläubig.“
Lange Historie
Historisch belegt ist der Anbau in Hildesheim bereits für das Jahr 1010, erläutert Axel Kusch, der seit einem Jahr dem Weinkonvent vorsteht. Die Weinlese im Magdalenengarten im vergangenen Jahr habe eine Menge von 80 Litern ergeben, die im rheinhessischen Alzey gekeltert worden und einem weiteren Müller-Thurgau zugefügt worden sei. Die Flaschen kann man im Weinhandel Kusch sowie bei den Mitgliedern des Konvents erwerben, im Preis ist eine Spende für den Aufwand enthalten, den der Weinkonvent jährlich betreibt, um den Weinberg in Schuss zu halten.
Was coronabedingt in diesem Jahr nicht ganz so erfolgreich verlaufen sei, räumt Kusch ein. Der Äscherich, eine Mehltauvariante, habe die Pflanzen angegriffen, es kam vor drei Wochen zu einer vorgezogenen Traubenernte, bei der nur die Phoenix-Reben gelesen werden konnten. „Wir haben es leider versäumt, zum Beispiel mit einer Backpulvermischung die Pflanzen zu behandeln“, erläutert Kusch.
Rein biologischer Anbau
Und betont gleichzeitig, dass sowohl in Hildesheim als auch beim Partnerwinzer in Alzey ein rein biologischer Anbau betrieben werde. Kusch kündigte außerdem an, dass der Weinkonvent in Zukunft die Hildesheimer stärker an dem Weinanbau beteiligen wolle: „Wir werden noch Termine ankündigen, an denen man uns helfen kann und dabei etwas über den Weinanbau erfahren kann.“
Wilmer erwies sich ganz als emsländischer Gastgeber, als er den Musikern Gläschen Schnaps ausschenken ließ, anschließend waren alle zur Weinprobe auf dem Domhof eingeladen –mit dem gebührenden Abstand zueinander. Kusch überreicht dem Bischof noch eine Schutzmaske in den Farben des Weinkonvents. „Wir nennen das Schnutenpulli bei uns im Norden“, dankte Wilmer.
