Großzügiger Gastgeber

Hildesheimer Wirt lädt Senioren Ü65 zum kostenlosen Mittagessen ein – diese Idee steckte hinter der Aktion

Hildesheim - Im Bistro Miro gibt es traditionelle deutsche Küche: Leberkäse, Schnitzel, Schweinemedaillons – Gerichte, die Inhaber Miro Stankovich liebt. Doch weil sich viele Senioren seine Küche nicht leisten können, lud er sie nun kurzerhand zum Essen ein.

Er hat einen Nachmittag lang gekocht – nur für Menschen, Nachbarinnen und Nachbarn Ü65: Miro Stankovich in seinem gleichnamigen Bistro Miro in der Goschenstraße. Foto: Kathi Flau

Hildesheim - Den älteren Menschen in der Nachbarschaft etwas Gutes zu tun, das war der Gedanke von Gastronom Miro Stankovich. Also machte er aus seinem Bistro Miro in der Goschenstraße für ein paar Stunden kurzerhand ein Ü65-Lokal – und lud Seniorinnen und Senioren zum kostenfreien Mittagessen ein.

„Die Idee“, sagt der Inhaber und Koch, den alle nur Miro nennen, „hatten mein Vermieter und ich gemeinsam. Wir finden, dass für Menschen, die ihr Leben lang gearbeitet haben, oft nicht genug getan wird.“ Viele bekämen so wenig Rente, dass für sie Dinge wie etwa ein Essen im Restaurant einfach nicht in Frage kommen. „Darum wollten wir Senioren ein vollwertiges Mittagessen und die Getränke ausgeben und sie ganz unkompliziert einladen“, sagt Miro.

Deutsche Küche, findet Miro, gibt es viel zu selten

Gesagt, getan. Wer am vergangenen Samstag in sein kleines Lokal kam, konnte sich von der Karte aussuchen, was er am liebsten essen wollte. Im Bistro Miro gibt es vor allem Gutbürgerliches, interpretiert nach Art des Hauses. Ein Schnitzel mit Sambal oder auch Rouladen, Kohl und Sauerkraut, Currywurst, Fisch, Kartoffelsalat, solche Dinge. Miro Stankovich, der selbst aus Kroatien stammt, liebt die traditionelle deutsche Küche, die seiner Meinung nach viel zu selten in Restaurants und Imbissen angeboten wird.

Mittags gibt es in seinem Bistro immer eine kleine Tageskarte, am Abend eine Auswahl, die größer, aber noch gut überschaubar ist. „Ja, ich wollte nicht zu viele Gerichte anbieten“, sagt Stankovich. „Ich koche alles frisch, da ist es besser, man hat Angebote des Tages – und am nächsten Tag gibt es wieder etwas anderes.“ Wichtig sind ihm auch die Preise. „Ein Mittagsgericht darf nicht viel mehr als 10 Euro kosten. Liegt es darüber, fangen die Leute oft schon an zu überlegen.“ Na klar, sagt er, das Geld sitze bei vielen nicht mehr so locker, das kann er gut verstehen. Doch er hoffe, den Gästen dennoch ein gutes Angebot machen zu können.

Lange Zeit war er Vereinsgastronom

Natürlich hätte er auch mediterrane Küche anbieten können, sagt Stankovich, der in seiner Heimat Kroatien unter anderem 15 Jahre lang im Fünf-Sterne-Hotel Haludovo Palace auf der Insel Krk gekocht hat. „Aber ganz ehrlich: diese Gerichte gibt es doch schon überall. Pizza in allen Variationen, Fleisch- und Gemüsegerichte, wie man sie am Mittelmeer isst. Das wollte ich nicht auch noch wiederholen.“ Und entschied sich stattdessen dafür, das zu machen, wovon es seiner Meinung nach viel zu wenig gibt. „Keine Ahnung warum, aber deutsche Restaurants sieht man kaum noch. Das ist wirklich schade, denn es ist eine tolle Küche.“

Mit der Stankovich ebenfalls jede Menge Erfahrung hat. Denn der ehemalige Fußballer, der im Jahr 2000 nach Deutschland kam, war hier lange Zeit Vereinsgastronom. und hat auf verschiedenen Stationen seine Kenntnisse in der mediterranen und deutschen Küche ausgebaut, auch in Hildesheim hat er in der Vereinsgastronomie gearbeitet. Zuletzt in Hannover im Tennisverein HTV, zuvor unter anderem beim Hildesheimer Tennisverein von 1892.

Die Aktion für die Senioren will er gern wiederholen, sagt Miro Stankovich. „Wir hatten einen sehr schönen Nachmittag dort zusammen. Das hat den älteren Gästen, glaube ich, Spaß gemacht. Und mir auch, sehr sogar.“

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