Ausgewandert

Hildesheimerin wird Unternehmerin in Ägypten – für mehr Leben neben der Arbeit

Nordstemmen/Marsa Alam - Die gebürtige Hildesheimerin Lorena Wehmeyer, die heute noch einen Wohnsitz in Nordstemmen hat, machte schon immer gern Urlaub in Ägypten. Nun hat sie dort eine Firma gegründet: Was die anbietet und was die 29-Jährige so am Leben in Ägypten liebt.

Nordstemmen/Marsa Alam - „In Deutschland“, sagt Lorena Wehmeyer, „leben viele Menschen wie Roboter: morgens zur Arbeit, abends nach Hause, morgens zur Arbeit, abends nach Hause.“ Manchmal fühlte sich die 29-Jährige auch wie ein Roboter. Nach dem Studium arbeitete sie mehrere Jahre in einer Kita. Es machte Spaß, aber irgendetwas fehlte. Sie sehnte sich nach dem, was man heutzutage Work-Life-Balance nennt: die Arbeit mit mehr Leben zu verbinden. Doch dazu gehört auch Mut, die Bereitschaft, das Leben zu verändern, Entscheidungen zu treffen. Lorena Wehmeyer hat sich dazu durchgerungen, sie lebt und arbeitet mittlerweile in Ägypten. Vielleicht nicht für immer. Doch zurzeit zählt für sie nur die Gegenwart. Und über die sagt sie: „Ich bin glücklich.

Für junge Leute, wirbt Wehmeyer, könne ein Aufenthalt in Ägypten eine wertvolle Erfahrung sein

Zusammen mit einem guten Freund hat die 29-Jährige die Firma „Loni Stars“ gegründet, die sich um die Animation in 5-Sterne-Hotels kümmert. Drei Häuser in den Ferienhochburgen Marsa Alam und Hurghada bilden zum Start den Kundenstamm. Das Bespaßen der Gäste ist in ägyptischen Hotels in der Regel an externe Dienstleister ausgegliedert, die Nachfrage nach Animationsangeboten ist groß. Wehmeyer geht deshalb davon aus, dass ihre Firma schnell wachsen werde. Zurzeit ist sie mit ihren Teams abwechselnd in den drei Hotels präsent, kümmert sich ansonsten darum, junge Animateurinnen und Animateure aus Deutschland als Nachwuchs zu gewinnen. In Ägypten machen viele deutsche Gäste Urlaub – und die freuten sich, wenn sie sich im Hotel in ihrer Muttersprache verständigen könnten. Für junge Leute, wirbt Wehmeyer, könne ein mehrmonatiger Aufenthalt in Ägypten eine wertvolle Erfahrung und ein Abenteuer sein – zum Beispiel nach dem Abitur.

Die gebürtige Hildesheimerin war schon als Kind und Jugendliche etliche Male in Ägypten

Die gebürtige Hildesheimerin war schon als Kind und Jugendliche etliche Male mit der Familie in Ägypten, lernte das Land kennen, die Lebensart lieben. Dann wagte sie den Sprung zu neuen Ufern ans Rote Meer. Die ersten Monate war sie dort als Beschäftigte in Hotels vor allem in der Gästebetreuung tätig, kümmerte sich um Urlauberwünsche aller Art. „Aber da fehlte mir das kreative Moment“, erzählt sie während eines Sommerlaubs in der Heimat, wo sie als Anlaufstelle ein Haus in Nordstemmen besitzt. Kreativität war in der ersten Firma gefragt, die sie schon während des Studiums als 21-Jährige in Hildesheim gegründet hatte. Damals gestaltete sie zusammen mit einer Freundin Kindergeburtstage professionell in bekannten Outfits, zum Beispiel als Anna und Elsa aus der beliebten Disney-Welt der „Eiskönigin“.

Heute, in Ägypten, sind für sie die Übergänge zwischen Arbeit und Freizeit fließend. Sie genießt die Sonne und das Meer und empfindet ihren Job in einem internationalen Team junger Leute nicht als Stress. Das Leben nicht aufzuschieben, ist für die 29-Jährige umso wichtiger, weil sie seit Jahren an Diabetes leidet. Manchmal fragt sie sich: Werden sich womöglich irgendwann Spätfolgen der Zuckerkrankheit einstellen? In solchen Momenten wachse die Gewissheit, dass man nichts für eine ferne Zukunft planen sollte.

Die Menschen sind hier viel spontaner.

Lorena Wehmeyer

Das ist auch etwas, was ihr in Ägypten gut gefällt: „Die Menschen sind hier viel spontaner“, erzählt sie, „es muss nicht alles geplant und verabredet werden. Man kommt einfach zusammen und hat eine gute Zeit.“ Dazu brauche es in Ägypten keinen langen Anlauf.

Die Sehnsucht hat erst einmal gewonnen

Der Anlauf für den Umzug nach Ägypten hat für die 29-Jährige indessen durchaus einige Jahre gedauert. „Sicherheit war mir auch wichtig“, sagt sie. „Da war die Frage: Wie wird es später mit der Rente, wenn ich im Ausland arbeite?“ Ägypten war letztlich das Ergebnis einer intensiven Abwägung zwischen Sehnsucht und Sicherheit. Die Sehnsucht habe aber erst einmal gewonnen.

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