Hildesheim - Als ich noch ein junger Redakteur mit Haaren war, schickte mich die Redaktion mal ins schöne Oedelum. Der Ortsteil der malerischen Gemeinde Schellerten rühmte sich damals, Niedersachsens marodeste Ortsdurchfahrt sein Eigen zu nennen. Die Krater im Asphalt waren schon seit Ewigkeiten so groß, dass Generationen von Oedelumern in den gewaltigen Pfützen schwimmen gelernt hatten. Ach, die guten alten Zeiten. Heute führt längst eine glattgeschmirgelte Piste durchs Dorf, und den notorischen Titel trägt seit vielen Jahren eine kleine Straße in einem Hildesheimer Neubaugebiet. Galgenbergsfeld. Allein schon der Name! Klingt nach einem Schauplatz eines sinnlosen Gemetzels im Dreißigjährigen Krieg, und irgendwie passt das auch.
Passt tatsächlich zu einer Schlacht
Denn die Anlieger jener mondverkraterten Holperstrecke haben in ihrer ganz persönlichen Schlacht zwar nicht ihr Leben, aber mindestens ihre Nerven und den Glauben an Gerechtigkeit verloren. Eigentlich hatten sie schlüsselfertig gebaut und auch das Sträßlein vor ihren Haustüren bezahlt, doch dann ging der Bauträger pleite, und die Schererei los. Um es von hinten her zu erzählen: Mehrere Amazon-Boten samt ihrer Fahrzeuge, diverse Kommunalpolitiker, Mitarbeitende der Stadtverwaltung, Fernsehteams und Zeitungsreporter sind schon in den Schlaglöchern verschwunden, ohne dass sie je wieder aufgetaucht oder auch nur vermisst worden wären. Bewohnerinnen und Bewohner der anliegenden Seniorenresidenz können ihr Domizil nicht verlassen, und neulich muckte sogar der ZAH auf, weil er sich seine Müllautos nicht auf dem Drecksweg ramponieren lassen wollte. Jetzt fragen Sie: Und wer hilft den Leuten aus dem Galgenbergsfeld? Ich antworte: bislang niemand. Selbst wenn in unserem Land mal irgendwann nix mehr funktionieren sollte, in Sachen Zuständigkeitsprüfung werden wir für immer Weltmarktführer bleiben. Bin mir sicher, dass das die Leute vom Galgenbergsfeld tröstet.
