Politik verständigt sich

Hilfe für Innenstadt nach Lockdown: Das soll in Hildesheim passieren

Hildesheim - Am Anfang lagen die Vorstellungen sehr weit auseinander. Doch nun haben sich Oberbürgermeister Ingo Meyer und die Chefs der sieben Ratsfraktionen auf Hilfen für die Innenstadt verständigt. Was passieren soll.

Der Hildesheimer Rat will der Innenstadt mit verschiedenen Maßnahmen beim Neustart nach dem Lockdown helfen. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Im sechsten Anlauf hat es geklappt: Oberbürgermeister Ingo Meyer und die Spitzen der Ratsfraktionen haben sich am Donnerstagabend darauf verständigt, wie die Stadt die verbliebene eine Million Euro aus dem Corona-Hilfsfonds verwenden soll. Ziel ist es, mit dem Geld die Innenstadt nach dem Lockdown wieder zu beleben, der Rat beschließt das Konzept am 15. März.

Herausgekommen bei den insgesamt achtstündigen Verhandlungen ist jener „bunte Blumenstrauß“ an Maßnahmen, den Meyer bereits jüngst angekündigt hatte. Dabei spielen auch die von ihm vorgeschlagenen Einkaufsgutscheine eine Rolle – wenn auch eine andere, als sich der OB ursprünglich vorgestellt hatte. Er wollte Zehn-Euro-Hildesheim-Gutscheine an alle 100 000 Einwohner verteilen lassen. Dafür fand sich zwar keine Mehrheit – wohl aber für die Idee, eine 20-Euro-Sonderauflage des Hildesheim-Gutscheins - aufzulegen. Die Bürger können diesen für 15 Euro kaufen, die übrigen fünf Euro steuert die Stadt bei. Der 20-Euro-Wert gilt bis zum 31. Oktober, danach ist der Gutschein 15 Euro wert.

Mehr als die Hälfte der Million für Einkaufsgutscheine vorgesehen

Die Aktion werbe zum einen für den Hildesheim-Gutschein, betont der OB. Er verspricht sich zum anderen eine „Hebelwirkung“: Die Kunden müssten ja erst einmal die 15 Euro ausgeben, um die geschenkten fünf Euro nutzen zu können, sie setzten daher in jedem Fall eigenes Geld ein. Die Stadt beziffert ihre Kosten für die Idee auf 410 000 Euro.

Mit 140 000 Euro veranschlagt die Verwaltung den zweiten Baustein, bei diesem geht es ebenfalls um den Hildesheim-Gutschein: Er soll – in einem Wert von zehn Euro – allen Familien mit Kindern - im Alter von 0 bis 13 Jahren zugeschickt werden, die Stadt schätzt die Zahl der Mädchen und Jungen auf 13 000. Familie hätten oft einen geringeren finanziellen Spielraum, seien durch Schul- und Kita-Schließungen sehr belastet. Der OB und die Fraktionen einigten sich außerdem auf eine Starthilfe -für den Handel: Betriebe im Stadtgebiet mit bis zu 250 Mitarbeitern können bis zu 1500 Euro erhalten. Sie müssen nachweislich vom Lockdown betroffen sein und in einem Antrag begründen, warum, wofür und in welcher Höhe sie das Geld brauchen. Zudem muss es eine Empfehlung des Quartierssprechers oder der Freundlichen Hildesheimer für sie geben. Das Budget für diese Hilfe umfasst 120­ 000 Euro.

Kulturprogramm à la Pflasterzauber geplant

75 000 Euro sind für ein Kultur-Programm - vorgesehen: Von Mai bis Juli sollen an zwei Nachmittagen in der Woche („der Samstag ist sicher dabei“, sagt der OB) künstlerische Aktionen an verschiedenen Stellen der Innenstadt stattfinden, insgesamt dürfte es 80 bis 100 einzelne Auftritte geben. Bei den Aufführungen soll es sich um Straßenkunst à la Pflasterzauber handeln, gedacht ist an Musik, Tanz, Theater, Performance, Lesung oder Streetart. Bei den Künstlern handelt es sich um Profis, sie erhalten eine Gage. Konzept, Planung und Ablauf übernimmt Hildesheim Marketing.

Ein Budget von 50 000 Euro ist für einen Pop-Up-Spielplatz - (ein Spielplatz auf Zeit) vorgesehen. Er soll die Innenstadt im Sommer beleben. Sportvereine, aber auch andere Organisationen und die städtischen Jugendhäuser sollen sich beteiligen können und die Angebote betreuen.

25 000 Euro will die Stadt einsetzen, um leerstehende Läden - zu beleben. Entweder, indem sie verwaiste Flächen mietet und diese für einen bestimmten Zeitraum ermäßigt oder im Einzelfall anfangs kostenfrei Händlern, aber auch Gastwirten zu Verfügung stellt. Oder, indem sie einen Mietzuschuss zahlt. Wichtig: Die Stadt nimmt die Läden nur, wenn der Preis mindestens 30 Prozent unter der ortsüblichen Miete liegt. Es gehe nur um Starthilfe, keine dauerhafte Subventionierung, betont der OB. Für die ersten Elemente eines Innenstadtkonzeptes - sind 50 000 Euro eingeplant, für 100 000 Euro soll Hildesheim Marketing für die Innenstadt werben -können, auch überregional – das Ganze in Abstimmung mit der Händlerschaft. 30 000 Euro sind vorgesehen, um die Innenstadt attraktiver zu machen.

Ein Kompromiss – aber kein fauler, sagt OB Ingo Meyer

Vertreter aller sieben Fraktionen lobten in einer Pressekonferenz die gegenseitige Bereitschaft, eine gemeinsame Linie zu finden. Anders als oft in der Politik handele es sich aber um keinen faulen Kompromiss, sondern ein schlüsiges Konzept aus kurzfristigen und langfristigen Maßnahmen, versicherte Meyer. Die Umsetzung gerade der Aktionen und Veranstaltungen hänge natürlich von der weiteren Entwicklung der Pandemie ab, betonte der OB – der genaue Zeitpunkt sei daher offen.

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