Triathlon

Himmelsthürer laufen Runden um Hamlets Schloss

Hildesheim - Für ein neues Triathlon-Trio reaktiviert der TuS Grün-Weiß seine jahrelang ruhende Sparte in dieser Saison – und hat jetzt die ersten Vereinsvertreter auf europäischer Ebene.

Das Himmelsthürer Triathlon-Trio; von links: Malte Kienast, Benedict Schmidt und Jan-Luca Dressler. Foto: privat

Hildesheim - „Ich war im Ziel und völlig fertig – aber unendlich glücklich, dass ich so eine schnelle Zeit geschafft habe“, sagt Malte Kienast. „Aber abends kamen die Schmerzen, ziemlich schnell und ziemlich doll.“ Trotzdem ist der 25-Jährige stolz, quasi auf den Spuren von Shakespeares Hamlet mit zwei Freunden ein neues Kapitel in der Geschichte des TuS Grün-Weiß Himmelsthür aufgeschlagen zu haben.

Die Vorgeschichte ist schnell erzählt. Bereits mit zweieinhalb Jahren war der kleine Malte in den Verein eingetreten, hatte mit Muki-Handball begonnen. Er wurde dann auch Handballer, musste mit 18 aber wegen Schulterproblemen aufhören. Parallel war er Leistungsschwimmer, Spezialist auf den Freistil-Sprintstrecken 50 bis 200 Meter. Als nun Trainer für die Schwimmsparte gesucht wurden, bot er sich neben seiner Schwester Tania, Svenja Lindner und Sara Harstick dafür an. Als Mastersschwimmer sprang er noch mal zum Spaß ins Wasser – und stellte gleich einen neuen Vereinsrekord auf.

Aus Jux beim Volkstriathlon

Wegen der Ausbildung zum Erzieher, eines Studiums Soziale Arbeit an der HAWK Hildesheim und stundenweisen Jobbens bei der Caritas Wohnen musste er als Trainer kürzer treten. „Da kaufte ich mir ein Rennrad, einfach so. Das wollte ich mal ausprobieren“, schildert Malte Kienast. „Laufen habe ich freizeitmäßig mit den Kumpels sowieso gemacht und dann gedacht: Das ist ja jetzt Triathlon.“ Also meldete er sich aus Jux zu einem Volkstriathlon in Celle an. Das war 2019. Und was kam dabei heraus? „Eine gute Zeit und viel Spaß.“

Er trainierte oft mit Jan-Luca Dressler (22), einem schnellen Läufer und ebenfalls früheren TuS-Handballer, der jetzt in Ulm Medizin studiert, sowie mit dem marathonerfahrenen Benedict Schmidt (24), der in Braunschweig für VW Financial Services arbeitet. Noch vor Corona entdeckte das Trio den Wettbewerb Ironman 70.3 European Championship Helsingor für sich. Der findet in der Nähe des legendären Schlosses Kronborg aus dem 15. Jahrhundert statt, in dem der englische Schriftsteller William Shakespeare in seiner Tragödie des Königs Bruder Hamlet wohnen lässt. „Das ist eine Verschmelzung von dänischer Kultur und Natur“, ist Malte Kienast von dem Wettbewerb fasziniert.

Sparte kostet kein Geld

Bereits für die Veranstaltung im Jahr 2020 meldeten sich die drei Freunde dort an. Doch sie fiel aus – die Anmeldungen behielten aber für dieses Jahr ihre Gültigkeit. Und nun kam der TuS ins Boot. Zu Jahresbeginn aktivierte Maltes Vater Christian Kienast, der Vereinsvorsitzender ist, die seit langer Zeit ruhende Sparte Triathlon wieder. „Die Jungs müssen aber keinen klassischen Vorstand mit Spartenleitung, Kassenwart und so weiter gründen“, erklärt Christian Kienast. „Die Arbeit wird direkt vom Vorstand gemanagt. Momentan kostet uns diese Sparte nichts. Wir fanden es gut, dass drei Leute für den TuS Grün-Weiß erstmals sogar auf europäischer Ebene an den Start gehen wollten.“

Jeden der drei Sportler kostete die Teilnahme rund 1000 Euro aus der eigenen Tasche. „Aber das war es wert“, sagt Malte Kienast mit einem breiten Grinsen – auch wenn die Schmerzen beim Treffen mit der HAZ längst nicht verflogen sind. „Ein Riesenwettbewerb im wunderschönen Dänemark, richtig gut organisiert“, schwärmt der 25-Jährige, der als Training ein Dutzend Halbmarathons gelaufen war.

Immerhin 580 Höhenmeter

Helsingor liegt nur eine kurze Autofahrt von Kopenhagen entfernt. Der Kurs nutzt die Wälder und grünen Landschaften Dänemarks sowie die beeindruckende Architektur der Stadt. Die Distanzen dort sind 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Radfahren und 21,1 Kilometer Laufen. 1158 von rund 1400 Startern kamen ins Ziel. „Man wird es nicht glauben, aber die Radstrecke hatte sogar insgesamt 580 Höhenmeter. Am faszinierendsten war, dass wir beim Laufen die Hamlet-Burg dreimal komplett umrundet und von jeder Seite gesehen haben.“

In Helsingor ging es auch noch um 100 Startplätze für die Ironman 70.3 Weltmeisterschaft 2021 in St. George/Utah. Vielleicht geht einer nach Himmelsthür: Wer angeschrieben wird, hat nur 24 Stunden Zeit, das Startgeld von 500 Euro zu überweisen. Ansonsten rutscht der nächste auf der Liste vor. Malte Kienast war schnellster des TuS-Trios. Er kam nach 5:10:57 Stunden als 444. der Gesamtwertung (46. von 83 in der Altersklasse 25 – 29) an. Jan-Luca Dressler wurde in 5:14:46 insgesamt 489. (27. von 37 Finishern der AK 18 – 24) und Benedict Schmidt in 6:03:44 insgesamt 920. (33. in der AK 18 – 24). Stolz können sie ihre Finishermedaillen am rot-weißen Band zeigen, auf deren Rückseite Zeit und Platzierung eingraviert sind.

Bock und Muskelkater

Die Himmelsthürer haben Blut geleckt und wollen weiter machen. Unter anderem stehen Veranstaltungen in Lauingen und Wilhelmshaven auf dem Zettel. Malte Kienast: „Jeder, der Bock hat, kann gerne dazu kommen und ist hier immer willkommen.“ Der beste Schwimmer und Radfahrer aus dem Trio warnt aber: „Wer auch mal so einen Triathlon ausprobieren möchte, der sollte sich auf mindestens zwei, drei Tage Muskelkater einstellen.“

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