Hindernis für Sehbehinderte

Post-Filiale in Schuhstraße: Warteschlangen werden zum Problem

Hildesheim - Wegen der Zutritts-Regeln bilden sich vor dem DHL Paketshop in der Hildesheimer Schuhstraße lange Schlangen- die werden zum Problem für Sehbehinderte. Das rät die Post, um das Problem zu beheben.

Kunden bilden vor dem Postshop in der Schuhstraße eine Warteschlange. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Wenn Holm Gerlach die Schuhstraße hinuntergeht, um nach einem Besuch in der Stadt im Bohlweg den Bus zu nehmen, gleicht die Strecke für ihn einem Hindernislauf. Aufgrund einer Augenerkrankung hat er ein eingeschränktes Sehfeld. Das macht es schwierig, zwischen vielen Menschen seinen Weg zu finden, ohne jemanden anzurempeln.

Dass sich vor dem DHL Paketshop in der Schuhstraße häufig eine Schlange von Kunden bildet, ärgert ihn deshalb. Denn die wartenden Menschen erlebt er als zusätzliches Hindernis auf seinem Weg.

Das sagt Ortsbürgermeister Bettels

Zur Zeit ist die Situation vor dem Geschäft relativ entspannt, denn während der Ferien fehlen die Schülergruppen, die auf dem Weg von der Schule zum Bus sonst die Schuhstraße bevölkern. An einem Wochentag in der Mittagszeit stehen dort zehn Menschen, einige mit Paketen unter dem Arm, in vorsichtigem Abstand voneinander. Sie reihen sich an der Seite auf, der eigentliche Gehweg bleibt frei. Doch das ist nicht immer so, wie mehrere Hildesheimer schon erlebt haben.

„Ich habe da selbst schon eine halbe Stunde gewartet“, sagt Dirk Bettels, Ortsbürgermeister Stadtmitte/Neustadt. Bis zu 25 Personen hielten sich dort manchmal vor der Tür auf. Dabei gebe es doch anderswo Leerstände, die mehr Platz und bessere Wartemöglichkeiten bieten würden. Ein zusätzliches Angebot der Post wäre aus seiner Sicht jedenfalls nötig, meint Bettels.

Post rät: Wunschfiliale angeben

Dass eine weitere Kooperation in der Hildesheimer Innenstadt geplant wäre, davon sei ihm allerdings nichts bekannt, erklärt Jens-Uwe Hogardt von der Hamburger Pressestelle der Deutsche Post DHL Group. Er verweist auf „gut ein Dutzend Postfilialen, ergänzt durch circa 20 Paketshops als auch circa 20 Packstationen“ in den Stadtteilen Hildesheims. Hogardt rät Kunden dazu, eine Wunschfiliale festzulegen, an die Pakete geliefert werden sollen.

Holm Gerlach sei unterdessen nicht der einzige Bürger mit Sehbehinderung, der mit den Warteschlangen hadere, sagt Marion Tiede, Vorsitzende des Behinderten- und Inklusionsbeirats. Sie weiß, dass Blinde sich ärgern, weil Wartende sie oft nicht rechtzeitig warnen, wenn sie sich mit ihrem Blindenstock nähern. Selbst in einer Warteschlange zu stehen – auch an der Supermarktkasse, beim Bäcker oder Metzger – sei für Menschen mit Sehbehinderung ebenfalls ein Problem, da sie die vorgeschriebenen Abstände nicht einschätzen könnten: „Manche gehen schon nicht mehr selbst einkaufen“, sagt Tiede.

Erweiterte Öffnungszeiten

Die Kunden in der Schlange in der Schuhstraße sind an diesem Tag geduldig: In den kleinen Laden könnten nun einmal nicht mehr Leute gleichzeitig eintreten, da müsse man mit der Wartezeit leben, sagen sie. Tatsächlich bietet der Paketshop zwei Schalter, an beiden werden Kunden bedient. Sie betreibe den Laden seit Juli dieses Jahres und habe die Öffnungszeiten von 11 Uhr auf 9 Uhr vorverlegt, um den Kunden entgegen zu kommen, sagt Chefin Rashin Khajeh. Und obwohl um 13 Uhr die Mittagspause beginne, würden die wartenden Kunden zuerst noch bedient. Sie rät dazu, morgens zwischen 9 und 10 Uhr zu kommen, da sei am wenigsten Andrang.

Damit die Wartenden in der Winterzeit wenigstens nicht im Regen stehen müssen, hat Dirk Bettels noch eine Idee: Ein oder zwei der Autostellplätze vor der Tür für eine Sondernutzung freizugeben und dort Pavillons als Wartezone aufzustellen.

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