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Es war der 17. Mai 1975, viele hatten sich schon tief in der Nacht eingefunden, um bei der Eröffnung um 8.55 Uhr zu den Ersten zu gehören. Für sie muss es eine Erlösung gewesen sein, als sich nach stundenlangem Warten endlich die Türen der neuen Kaufhalle am Bahnhof öffneten. Immerhin: Für die ersten 50 Besucher gab es ein besonderes Willkommensgeschenk, Filialleiter Heinz Wahl und „seine 15 Hostessen in rot-weißer Repräsentationskleidung“ überreichten ihnen Blumensträuße und Pralinenschachteln. Auch sonst hatten sich die Kaufhallen-Chefs in Köln einiges für ihre 93. deutsche Niederlassung – mit 4000 Quadratmetern Verkaufsfläche und 130 Mitarbeitern sogar ein „Kaufhallen-Centrum“ – einfallen lassen. Das Musik-Korps Breinum begleitete den gesamten Eröffnungstag mit „Pauken und Trompeten“, 40 000 Werbegeschenke, vornehmlich für „die kleinen Kunden“, standen zur Verteilung bereit. Der Andrang und die Begeisterung beim Publikum waren entsprechend groß, schon nach zehn Minuten waren die 800 Einkaufswagen „vergriffen“, es „herrschte ein beängstigendes Gedränge“, hieß es in der HAZ.
Die Kunden ertrugen die anschließenden langen Wartezeiten an den Kassen aber stoisch und schon „bald wurden auch die ersten Einkaufswagen wieder frei“. Mit dem Bau des neuen Geschäftszentrums am Bahnhof mit Bowling-Bahnen, Wohnungen und Büros endete für die Stadt eine jahrelange Hängepartie. Ursprünglich hatten die Ruinen des Hotels Kaiserhof „schon“ 1957 moderner Bebauung weichen sollen, aber die Pläne zerschlugen sich. 1966 erwarb die Stadt das Grundstück selbst und ließ die Ruine über zwanzig Jahre nach der Zerstörung endlich abtragen, Karstadt sollte hier als Vertragspartner ein zweites Hildesheimer Waren- mit angegliedertem Parkhaus errichten.
Doch 1971 scheitert auch dieses Vorhaben, Karstadt zieht sich zurück. Neue Entwürfe müssen her, Vorbild ist nun das Berliner Europa-Center. Ab 1973 rücken die Bagger an, im Mai 1975 sind die Bauarbeiter fertig.
Nach dem furiosen Start des Kaufhallen-Centrums war nach der Wiedervereinigung die große Zeit des Unternehmens vorbei, die Metro AG wollte die Kette am liebsten loswerden. Man änderte das Konzept, aus „Kaufhalle“ wurde „multistore“, aber der Erfolg blieb dennoch aus, Anfang 2007 gingen in der Hildesheimer Niederlassung endgültig die Lichter aus. Nach etlichen kurzfristigen Zwischennutzungen hauchte der Modepark Röther dem Baukomplex 2014 wieder neues Leben ein und investierte kräftig in den Umbau, am 12. März 2015 erfolgt wieder eine Eröffnungsfeier. Auch diesmal wieder mit großem Publikumsandrang, allerdings nicht schon mitten in der Nacht …
Alle Hingucker auf einen Blick.
